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Theater
Bühnenwerker im Strausberger Wasserwerk

Viel frisches Kiefernholz für Die Andere Welt Bühne Strausberg. Die Theaterleiterinnen und Schauspielerinnen Melanie Seeland und Ines Burdow sowie Architektin Malin Wernecke (v. l.) zeigen Teile der innovativen Kiesler-Bühne, die bald vollendet ist.
Viel frisches Kiefernholz für Die Andere Welt Bühne Strausberg. Die Theaterleiterinnen und Schauspielerinnen Melanie Seeland und Ines Burdow sowie Architektin Malin Wernecke (v. l.) zeigen Teile der innovativen Kiesler-Bühne, die bald vollendet ist. © Foto: Jens Sell/MOZ
Jens Sell / 05.05.2020, 16:40 Uhr
Strausberg (MOZ) Aus dem ehemaligen Wasserwerk auf dem Gelände des früheren Fernmeldezentrums in der Garzauer Straße dringen Hammerschläge und das Kreischen eines Seitenschleifers.

Im tiefblau gestrichenen, quaderförmigen Gebäude, in dem seit vier Jahren das Theater Die Andere Welt Bühne pro Sommersaison mehrere Stücke inszeniert, baut das Ensemble an seiner neuen Bühne.

Erst in der vorjährigen Spielzeit ist die neue Drehbühne eingeweiht worden, nun zimmern Matthias Merkle und Malin Wernecke schon wieder aus Leibeskräften. Die junge Frau hat ihren Bachelor in Architektur erfolgreich abgeschlossen und bewirbt sich um ein Masterstudium in Innenarchitektur. "Das Praktikum hier im Strausberger Theater ist da ziemlich einzigartig", sagt sie lächelnd. Matthias Merkle, Initiator des Projekts Die Andere Welt auf dem ganzen Gelände und ausgewiesener Holzkünstler, erläutert: "Wir rüsten die Drehbühne gewissermaßen für größere Belastungen auf, haben zusätzliche Räder montiert und den ganzen Unterbau verstärkt." 20 Festmeter Kiefernholz aus dem Wald auf dem Gelände werden verbaut. Damit werde auch Platz für die natürliche Waldverjüngung mit Laubbäumen und damit den nachhaltigen Waldumbau geschaffen, merkt Merkle an.

Einweihungsplan geändert

Der massivere Unterbau der Bühne wird für den Turmaufbau der neuen Kiesler-Bühne gebraucht, einer innovativen Erfindung des Bauhausarchitekten. Melanie Seeland und Ines Burdow, die beiden Theaterleiterinnen und Schauspielerinnen, hantieren im Hintergrund mit Holzkonstruktionen, die den Bühnenturm für unterschiedliche Auftrittssituationen ergänzen. Auch schlichte Holzpodeste, früher die Standardausrüstung für die Bühnengestaltung am klassischen Theater, stehen in ausreichendem Maße bereit.

Die neue Bühne mit einer Lesung von Texten Friedrich Kieslers einzuweihen, ist angesichts der coronabedingten Verzögerung des Saisonstarts unwahrscheinlich geworden. Stattdessen planen die Theaterprotagonisten ein neues "Rock ’n’ Roll-Stück" von Matthias Merkle zur Einweihung der Bühne. So nennen sie die von der pseudonymen "Frau Pike"  spontan niedergeschriebenen dramatischen aktuellen Wortmeldungen wie "Pikes Lust" oder  der legendäre Diskurs-Schwank "Wie, wenn nicht warum?" im vergangenen Jahr.

Nach Corona droht die Sinnkrise

Wie soll es nach der Corona-Krise in diesem Land, mit dieser Gesellschaft weitergehen? Soll es eine Rückkehr zur Normalität, zu einer neuen Normalität oder in einen ganz anderen gesellschaftspolitischen Zustand geben? Um diese zentralen Fragen dreht sich der neue Diskurs, den Schauspielerinnen, Regisseur Jens Bluhm und Inspirator Merkle theatralisch austragen werden. "Es werden Fragen nach Utopien, ja, nach dem Paradies, diskutiert", blickt Ines Burdow voraus. "Ja, eine Utopie des neuen Zusammenlebens, der ganz neuen Gestaltung nach der Krise", ergänzt Melanie Seeland.  Matthias Merkle will den Bogen noch weiter spannen: Nicht nur die Verhältnisse zwischen den Menschen, sondern auch zwischen Mensch und Natur sollen auf den Diskurs-Prüfstand. Insofern soll diese künstlerische Auseinandersetzung, ohne zu moralisieren, eine neue Schöpfungsgeschichte für die Zeit nach der Corona-Krise aufzeigen. Kleiner machen’s die Theaterleute im alten Wasserwerk nicht. "Doch, doch, es geht um Neuanfänge gesamtgesellschaftlich wie auch im ganz Kleinen", korrigiert Ines Burdow.

Da es auf absehbare Zeit keine Premiere vor vollem Haus geben darf, mussten sich die Protagonisten eine neue Form der Aufführung einfallen lassen. So werde die Entstehung des Stückes, die gemeinsame Erarbeitung eben im Diskurs, filmisch aufbereitet und von Mitte bis Ende Mai im Internet präsentiert. Die außergewöhnlichen Umstände der Corona-Krise zwingen Die Andere Welt Bühne zu solchen außergewöhnlichen Methoden. Es wird nicht nur im Text des Stückes improvisiert werden, sondern auch im Bespielen der neuen Bühne,  Inhalt und Form des Rock ’n’ Roll-Stückes als dialektische Einheit also.

Kindertheater verschoben

Mit dem neuen aktuellen Diskurs stellen die Theatermacher an der Garzauer Straße ihr Jahresprogramm gezwungenermaßen erneut um. Ebenfalls von Corona gezwungen, verschieben sie das in diesem Jahr erstmals geplante Kindertheater, das vom Verein Kinderstern maßgeblich gefördert wird,  auf den Herbst. Es habe schon viele Anmeldungen und Interesse gegeben, sagt Ines Burdow und versichert: "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben."

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