Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Kultur
Theatersommer Netzband: Ein Stück über Rache und Ehre

Ulrike Gawande / 30.07.2020, 17:55 Uhr
Netzeband (MOZ) Manchmal hat die Corona-Krise auch etwas Gutes: Um den Abstand zwischen Zuschauern und Darstellern einhalten zu können, hat der Theatersommer Netzeband in diesem Jahr die Spielrichtung geändert. Sitzt sonst das Publikum direkt an der Temnitzkirche mit Blickrichtung in den Gutspark, bietet in diesem Jahr das entweihte Gotteshaus die perfekte Kulisse für die lyrische Tragödie "Bluthochzeit" von Federico Garcia Lorca.

Und durch den Platz im Gutspark können trotz der Pandemie genau so viele Zuschauer das Stück ansehen wie in den anderen Jahren auch. Es sind rund 400 Stühle gestellt worden. Vielleicht könne man in diesem Jahr sogar einen Zuschauerrekord aufstellen, hofft Produktionsleiterin Ute Schindler. Für die Premiere des Stückes an diesem Sonnabend sind nur noch wenige Restkarten erhältlich. Und das ist auch gut so, denn der Theatersommer Netzeband feiert in diesem Jahr seine 25. Saison. 1996 wurde der erste Theatersommer mit dem Stück "Unter dem Milchwald" – aufgeführt als Synchrontheater – eingeläutet. Dieses Werk wurde in diesem Jahr nicht aufgeführt, sondern auf 2021 verschoben. Denn lange war wegen der Corona-Bestimmungen unklar, ob überhaupt in Netzeband Theater gespielt werden kann.

Doch nicht nur bei den Zuschauern wird auf Abstand geachtet, sondern auch bei den Darstellern. Perfekt dazu passt, dass bei der "Bluthochzeit", aufgeführt als Synchrontheater, keiner der Darsteller selbst sprechen muss. Sämtliche Rollen wurden zuvor von Schauspielern eingesprochen und kommen bei der Aufführung vom Band – untermalt vom Singen der Zikaden, dem Klappern der Pferdehufen und vom Spiel der spanischen Gitarren. Die Schauspieler halten nicht nur Abstand zueinander, sondern sie tragen wie in all den Jahren zuvor Masken. Für sie war in diesem Jahr Alexandra Pommerening verantwortlich. Anders als bisher sind die Masken jedoch nicht aus Pappmaché, sondern aus einem groben Stoff hergestellt (wir berichteten).

Erstmals führt in diesem Sommer der Schauspieler und Regisseur Herbert Olschok Regie. Als ihn Festivalleiter Frank Matthus vor einem Jahr angesprochen hat, habe er sich nicht vorstellen können, wie Synchrontheater funktionieren kann. Bis er 2019 zu Besuch in Netzeband war. "Dann sah ich ,Unter dem Milchwald’ und war beeindruckt. Der Besuch von ,Ellernklipp’ überzeugte mich erneut von dieser besonderen Art, Theater zu spielen", so Herbert Olschok. "Literatur und Natur, dazu die perfekte Tonqualität und die Gestik der Darsteller mit ihren wunderbaren Masken fließen zu einem Gesamtbild voller Poesie zusammen."

Mit der Aufführung der "Bluthochzeit", die 1933 in Madrid uraufgeführt wurde, erfüllt sich zudem ein Traum für den Regisseur. Er habe das überaus poetische, aber auch komplexe Stück ebenso wie Theatersommer-Chef Frank Matthus immer auf dem "Speisezettel" gehabt. Die Darbietung als Synchrontheater sei  eine "totale Entschleunigung in der Rushhour, in der wir leben", so Olschok.

Daria Monciu spielt die Braut

Und wirklich kommt der Zuschauer zur Ruhe, auch wenn es im Stück vor der Temnitzkirche dramatisch wird, es um Ehre und Rache geht. Daria Monciu spielt die Braut, die ihren Bräutigam – gespielt von Axel Poike, der im Kinderstück "Aschenbrödel" Regie führen wird – heiratet, obwohl sie eigentlich noch immer Gefühle für ihren Ex-Verlobten Leonardo hegt. Gespielt wird diese Rolle von Hans Machowiak, der wiederum seinen Gegenspieler, den Bräutigam, zuvor eingesprochen hat. Möglichkeiten, die nur das Synchrontheater bietet. Leonardo ist zudem die einzige Figur bei Garcia Lorca, die einen Namen trägt. Ansonsten heißen die Personen wie ihre Position und ihre Arbeit: Dienstmädchen, Mutter, Mädchen, Holzfäller oder auch der Tod. Denn es geht nicht um Individuen, sondern um Rollenmuster. Als Vorlage für das Stück soll dem Autor ein reales Ereignis, von dem er in der Zeitung gelesen hat, gedient haben. Man ahnt es schon, die Geschichte endet tragisch. Doch die Darbietung ist absolut sehenswert. "Der Realismus wird gebrochen, verschwindet und macht der poetischen Phantasie Platz", beschrieb Federico Garcia Lorca sein Werk.

Informationen zum Theatersommer

Vorstellungen der Bluthochzeit finden am 1., 7., 8., 14., 15., 21., 22., 28. und 29. August jeweils um 20.30 Uhr in Netzeband statt.

Das Familienstück "Aschenbrödel" unter der Regie von Axel Poike hat am 30. August um 15 Uhr Premiere. Weitere Vorstellungen sind am 6., 13., 20. und 27. September um 11 und 15 Uhr.

Eintrittskarten gibt es unter tourist-information@rheinsberg.de, telefonisch unter 033931  34 94 0 oder online auf www.reservix.de.⇥ug

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG