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Eine neue Ausstellung im Kantorhaus zeigt die Stadt und ihre Bewohner aus einer ungewöhnlichen Perspektive

"Lass mich Dein Spiegel sein, Bernau."

Blick auf ein Bernauer Detail: Elena Alonso Fernandez und Besucher der Vernissage sehen sich in der Ausstellung ein Bild der Fleischerei Willmann an. Dazu gab es viel zu erzählen, ein ehemaliger Mitarbeiter steuerte einige Geschichten bei.
Blick auf ein Bernauer Detail: Elena Alonso Fernandez und Besucher der Vernissage sehen sich in der Ausstellung ein Bild der Fleischerei Willmann an. Dazu gab es viel zu erzählen, ein ehemaliger Mitarbeiter steuerte einige Geschichten bei. © Foto: Angela Kowalick
Angela Kowalick / 28.07.2015, 03:45 Uhr
Bernau (MOZ) Elena Alonso Fernandez hat sich Zeit für Bernau genommen und die Stadt ins Bild gerückt. Das Besondere an den Werken der Künstlerin: Die Ideen stammen von den Menschen, die in der Stadt leben.

Die aus Spanien stammende Malerin Elena Alonso Fernandez hat seit dem Frühjahr gemeinsam mit Bernauer Bürgern einen enorm kreativen Prozess durchlebt, dessen Ergebnisse nun in neun Gemälden zu sehen sind. Die Künstlerin, die sich im Rahmen ihres Masterstudiums an der Berliner Universität der Künste auch mit Kunst im öffentlichen Raum beschäftigt, verbrachte seit April viel Zeit in Bernau und mit den Bernauern. Für Elena Alonso Fernandez war es eine spannende Erfahrung, die Stadt und ihre Bewohner zu malen. Dabei war es ihr wichtig, dass nicht sie die Motive wählt, sondern die Bernauer selbst. "Sie leben schon so lange hier. Sie wissen viel besser, was an Bernau wichtig ist," erläuterte Fernandez während der Vernissage am Sonntag den rund 40 Gästen.

Auf dem Marktplatz hatte sie die ersten Bernauer angesprochen, sie eingeladen, sich Gedanken über eine Bildidee zu machen. Auch im Kantorhaus, in dem Fernandez ihr Atelier eingerichtet hatte, konnte man sie besuchen. "Manche Teilnehmer hatten sofort konkrete Ideen, andere wollten unbedingt mitmachen, wussten aber lange nicht, mit welchem Motiv", erzählte Fernandez. "Mal mein ganzes Leben!", war die schwierige Aufgabe, die die Bernauerin Brigitte Albrecht der Künstlerin stellte. Das fertige Gemälde ist nun eine Kollage einzelner Aspekte ihres Lebens.

Eine Ladeburgerin wollte ihren Garten gemalt sehen. Auch der Sportverein hatte eine fertige Idee im Kopf: Das Bild zeigt die sportlichen Damen samt Turnhalle und Wasserturm.

Aus den vielen Ideen schuf Elena Alonso Fernandez kollagenartige Gemälde, die eine interessante Mischung aus Konkretem und Abstraktem bilden. Manche Bilder zeigen Personen und Orte so detailliert, dass man sie als Bernauer sofort wieder erkennt. Die Anordnung des auf dem Gemälde Gezeigten ist wiederum meist abstrakt. "Ich finde die präzise Arbeit sehr gut", lobte eine Besucherin am Sonntag.

Im Rahmen dieses Kunstprojekts kamen die Bernauer mit der Malerin in einen engen Austausch, wurden von ihr daheim besucht, machten gemeinsam Sport und klöppelten ein wenig. Während Fernandez an den Bildern arbeitete, wurde sie oft besucht, mit Obst und warmem Essen versorgt. "Eine Teilnehmerin hat mir sogar meine Hose gekürzt", berichtet  Fernandez fröhlich.

Auch untereinander lernten sich die Bernauer besser kennen. So war ziemlich schnell klar, dass ein Gemälde der Fleischerei Willmann entstehen sollte. Das Gebäude stand bis zu seinem Abriss in den 1970er Jahren an der Mühlenstraße Ecke Grünstraße und war für viele Bernauer eine Institution. Die Suche nach einem Foto des Hauses führte über einige Ecken schließlich zu Dieter Pohl, der in der Fleischerei gelernt und bis zum Schluss gearbeitet hatte. Erst eine Woche vor Ausstellungsbeginn konnte Pohl der Künstlerin Fotos von früher geben, so dass das Gemälde gerade noch rechtzeitig fertig wurde.

Die Vernissage zeigte, wie aus dem Projekt eine große Vertrautheit zwischen Bernau, ihren Bürgern und der Künstlerin hervorgegangen ist. Bis Mitte September sind die Bilder noch im Kantorhaus zu sehen. Kleine Texte erklären dem Betrachter die Hintergrundgeschichten.

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