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Ein Feuerwerk an Geist und Humor

"Ich bau Dir ein Schloss...": Bürgermeister André Stahl lässt sich von Dagmar Enkelmann anschmachten.
"Ich bau Dir ein Schloss...": Bürgermeister André Stahl lässt sich von Dagmar Enkelmann anschmachten. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Sabine Rakitin / 06.03.2017, 08:00 Uhr - Aktualisiert 06.03.2017, 14:05
Bernau (MOZ) Unter dem Motto "Rathaus-Blues" stand der 8. Politische Aschermittwoch der Bernauer Linken am Freitagabend im Ofenhaus. Ohne den Ausgang des Bürgerentscheids zwei Tage später zu kennen, ist den Machern der satirischen Darstellung gängiger Stadtpolitik der Spagat bestens gelungen.

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"Ich bau Dir ein Schloss, so wie im Märchen...", singt Fraktionschefin Dagmar Enkelmann und himmelt dabei Bürgermeister André Stahl an. "Ich bau Dir ein Schloss für viele Millionen und dann wirst Du Hausherr sein...", verheißt sie dem Stadtoberhaupt und setzt ihm die Krone auf. "Der blaue Himmel schaut/auf Dich herab/sagt jeden Tag/wie lieb man Dich hat./Die dunklen Wolken zieh'n vorbei/am Sonntag eins, zwei, drei!" verspricht die Frau, die bei den Linken auch im Alltagsgeschäft den Ton angibt, ihrem Genossen.

Die Interpretation des Heintje-Titels ist einer von vielen Höhepunkten beim diesjährigen Politischen Aschermittwoch. "Manch einer meinte ja, uns würden die Themen ausgehen", hatte Dagmar Enkelmann das zweistündige Programm im vollbesetzten Ofenhaus angekündigt. "Dem ist nicht so. Die Themen liegen praktisch auf der Straße", weiß sie, die seit fast 20 Jahren Stadtpolitik macht, aus Erfahrung.

Die Sketche, die sich vornehmlich um den strittigen Rathausneubau, aber auch um die angekündigte Kreisgebietsreform drehen, sind hervorragend recherchiert. Etwa, wenn die Empfangsdame des Rathauses (Heidi Scheidt) erzählt, dass bereits 1805 bedauert wurde, dass das neue Rathaus für 7598 Taler nicht zweckgebunden gebaut wurde. "Und darin hat die Verwaltung bis 2017 gesessen - und gearbeitet", wundert sie sich. Fast beschwörend trällern alle Akteure des Abends im Anschluss nach einer Weise des DDR-Oktoberklubs: "Ein neues Rathaus brauchen wir, wer nicht so denkt, ist nicht von hier..."

Die politischen Gegner bekommen natürlich ihr Fett ab. "Rumpelstilzchen" Irene Köppe betritt die Bühne: "Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen mach ich - den nächsten Bürgerentscheid. Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Péter Vida heiß..."

Michael Junghans, Sören-Ole Gemski und Wolfgang Kirsch sind "Die Krawattenmänner" vom Bündnis für Bernau. Sie grübeln, ob sie die in den Bernauer Farben gestreiften Schlipse nun gegen andere austauschen sollen oder nicht, bleiben dann aber doch bei ihrer "zentralen Botschaft": "Wir streifen alle Themen!"

Schließlich kommt auch SPD-Mann Josef Keil alias Sören-Ole Gemski zu Wort: Als verkappter Luther will er 115 Thesen an die Rathaustür schlagen. "Die Menschen brauchen mehr Orientierung", verkündet er. These 57: "Herr, hab' Erbarmen und rette die SPD!", These 58: "Frau Stark ist die Alternative zu Frau Merkel!" - "Richtig!" ruft die Landtagspräsidentin aus dem Saal.

Schade, dass Sebastian Walter, der Vorsitzende der Barnimer Linken, sein Amt in diesem Jahr abgibt. So wird es am Freitag wohl die letzte Büttenrede gewesen sein, die er beim Politischen Aschermittwoch in Bernau hielt. Wer sie nicht gehört hat, hat echt etwas verpasst. Walter war der Höhepunkt des Abends. Auf die Zuhörer prasselte ein Feuerwerk an Geist, Humor und Temperament nieder. Und der Britzer kennt sich in Bernau offenbar bestens aus. Er weiß beispielsweise um den "wirklichen Grund", warum in Birkholzaue die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet wurde: "Die Laternen mussten für das Reiterstandbild von Dagmar Enkelmann vor dem Rathaus eingeschmolzen werden.

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