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Bunte Plakate für Vielfalt und Religionsfreiheit

Bernau bleibt bunt: Mit diesem Plakat stellten sich Thomas Dyhr (5. v. l.) und sieben weitere Mitstreiter am Mittwochabend auf den Bernauer Marktplatz.
Bernau bleibt bunt: Mit diesem Plakat stellten sich Thomas Dyhr (5. v. l.) und sieben weitere Mitstreiter am Mittwochabend auf den Bernauer Marktplatz. © Foto: MOZ/Hans Still
Hans Still und Olav Schröder / 14.06.2017, 20:40 Uhr
Bernau (MOZ) Nachdem jüngst bekannt wurde, dass in Bernau-Süd Menschen muslimischen Glaubens einen Gebetsraum einrichten möchten, kam es am Mittwochabend vor dem Bernauer Bahnhof zu einer Demonstration dagegen.

Auf dem Marktplatz traf sich zur gleichen Zeit Thomas Dyhr (Bündnisgrüne) mit sieben Unterstützern. Sie hielten ein Plakat mit der Aufschrift "Für Vielfalt und Demokratie - Bernau bleibt bunt" in die Kamera. Zum großen Meinungsaustausch kam es indes nicht, zumal die Anwesenden offenkundig einer Meinung sind. "Die Nachricht von einer Demo gegen die Moschee erreichte uns erst am Dienstagabend, da war es schwer, genügend Mitstreiter zu aktivieren, zumal ja auch der Kreistag tagt", sagte Dyhr am Rande.

Bürgermeister André Stahl (Linke) hatte sich kurz zur kleinen Gruppe gesellt, ging dann aber in Richtung Bahnhof, um mit eigenen Augen zu sehen, was sich dort abspielte. Eine Einzelperson hatte die Kundgebung sowie einen Umzug nach Bernau-Süd gegen die "Islamisierung Bernaus durch die Errichtung einer Moschee" angemeldet. Nach Ankunft der Bahn hatte sich dort die Zahl der Demonstranten auf etwa 60 erhöht. Wenn bei der nächsten Wahl das Kreuz nicht an der richtigen Stelle gemacht werde, hieß es, werde Deutschland in spätestens 20 Jahren ein islamischer Staat sein.

Gegen die fremdenfeindliche Kundgebung vor dem Bahnhof hatte ebenfalls eine Einzelperson eine Gegendemonstration angemeldet. Dem kurzfristigen Aufruf folgten etwa 60 Demonstranten aus Bernau und Umgebung. Sie wandten sich gegen Angstmacherei und Fremdenhass. Mit Nazis-raus-Rufen, Pfiffen und Sit-ins drückten einige von ihnen ihren Protest aus. Die Polizei hielt beide Gruppen mit einem großen Aufgebot auf Distanz. Bis Redaktionsschluss gab es keine ernsthaften Zwischenfälle.

"Die Religionsfreiheit ist Bestandteil des Grundgesetzes. Es ist schon ein starkes Stück, wenn dagegen demonstriert wird", sagte Bürgermeister André Stahl vor Ort. Bei einem Verhältnis von 20 Bernauern zu 40 Zugereisten sei er zuversichtlich, dass dies in Bernau keinen Widerhall finden werde.

In Bernau-Süd suchen Mitglieder des in Gründung befindlichen Vereins Assalama Moschee Bernau zwei bis drei Räume für das Freitagsgebet. So wie Christen am Sonntag in die Kirche und Juden am Sonnabend in die Synagoge gehen, so wollen sie als Muslime in den Räumen das Freitagsgebet abhalten und ihre Religion pflegen, so Vorstandsmitglied Hamza Wördemann. Offenheit soll oberstes Gebot sein. So würden die Freitagpredigten ins Deutsche übersetzt. Darüber hinaus sollen die Räume zum Austausch für die Anwohner und für den interkulturellen und interreligiösen Dialog da sein.

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