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Ärger um teureren Hortbesuch

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Andrea Linne / 25.07.2017, 19:23 Uhr
Panketal (MOZ) Der Kreistag Barnim hat im Juni eine neue Elternbeitragssatzung beschlossen. Sie regelt die Erhebung von Gebühren für Barnimer Kinder, die in Berlin Hort oder Kita besuchen. Wie der siebenjährige Sohn von Antje Schneider aus Schwanebeck. Die ärgert sich über viel höhere Gebühren als bisher.

Der Brief aus dem Amtshaus Panketal erreichte die junge Mutter am 5. Juli. Bereits zum 31. Juli, heißt es darin, würde der Vertrag gekündigt. Ab 1. August übernimmt der Landkreis Barnim die Geschäfte.

"Mein Mann, der in Berlin arbeitet, nimmt unseren Sohn mit nach Berlin-Buch. Dort geht mein Kind in den Hort der evangelischen Schule. Bisher haben wir dafür 90 Euro im Monat bezahlt. Jetzt sollen wir mehr als das Doppelte hinlegen", ärgert sich die Schwanebeckerin. Sie musste viel herumtelefonieren, um zu erfahren, was sich alles geändert hat.

Ganz so, erzählt Cassandra Lehnert, die Panketaler Fachbereichsleiterin für Soziales, Jugend, Kultur und Sport, verhalte es sich nicht. Bisher hätten die Kommunen selbstständig und direkt mit den betroffenen Eltern abgerechnet. "Die Betreuung der Kinder ist aber im Staatsvertrag zwischen dem Land Berlin und dem Land Brandenburg geregelt", berichtet die Verwaltungsfachfrau. Demnach seien die Jugendämter als örtliche Träger der Jugendhilfe, und dazu gehört auch die Kinder- und Hortbetreuung, zuständig.

"Nun hat der Kreis die Aufgabe auf seinen Tisch gezogen und eine neue Satzung erlassen, was völlig legitim ist", berichtet Lehnert. Am 14. Juni erging nach Beratung in den Fachausschüssen der Beschluss im Kreistag.

"Für uns war das kurzfristig, aber wir haben die Eltern schriftlich darauf aufmerksam gemacht, dass sich etwas ändert", spricht Lehnert für ihren Einzugsbereich. 80 Panketaler Kinder besuchen Horte in der nahen Hauptstadt, 30 Kita-Kinder werden in Berliner Einrichtungen betreut.

Ab 1. August greift nun die neue Satzung zur Erhebung von Gebühren für die Inanspruchnahme von Kindertagesbetreuungsleistungen in Tagespflegestellen und im Land Berlin, wie das umfassende Werk im Verwaltungsdeutsch heißt. "Wir haben alle Daten an den Landkreis übermittelt, damit die Betreuung der Kinder ohne Unterbrechung nahtlos fortgesetzt werden kann", berichtet Cassandra Lehnert.

Die monatliche Gebühr richtet sich nach der Betreuungszeit, die von zehn Wochenstunden bis zu über 20 reichen kann. Für Erst- bis Viertklässler fallen laut neuer Satzung höchstens 257,59 Euro an, für Fünft- und Sechstklässler höchstens 209,46 Euro.

Im Fall der Schwanebecker Familie Schneider, die ihren Sohn von 13.30 bis 16 Uhr im Hort der evangelischen Schule unterbringen muss, ist demnach eine Betreuungszeit von bis zu 20 Stunden im Monat nötig. 234,17 Euro schlagen damit zu Buche.

Für Antje Schneider ist dieser Unterschied zur bisherigen von Panketal zugrunde gelegten Kostenübernahme erheblich. "Ich weiß nicht, warum wir jetzt so viel mehr bezahlen müssen", ärgert sich die Mutter. "Wir sind beide berufstätig und brauchen den Hortplatz für unseren Sohn", erklärt sie den aktuellen Stand.

Aus Sicht der Gemeinde ist das Steigen der Kosten für einen Hortplatz nicht zu beeinflussen. Denn auch, wenn der Landkreis nun die Berechnung und Kassierung der Elternbeiträge vornimmt, so bleibt die Kommune doch auf einem Teil der Kosten für die Plätze weitestgehend sitzen. Ein Kita- oder Hortplatz kostet nämlich weitaus mehr, als Eltern beisteuern müssen. "Die Differenz ist jetzt viel größer", berichtet Cassandra Lehnert. Im Jahr 2016, so errechnete die Verwaltung, lag der Gemeindeanteil pro Kind jährlich bei 2155 Euro. "Eltern zahlen gegenwärtig durchschnittlich nicht einmal 20 Prozent dessen, was die Betreuung der Kinder wirklich kostet", berichtet die Fachbereichsleiterin. Vom Landkreis erhält die Kommune einen Personalkostenzuschuss.

Da die Kosten zum Unterhalt einer Einrichtung ständig steigen, rechnet auch die Panketaler Verwaltung wie jede andere auch spitz nach. "Auch unsere Satzung für die Kinderbetreuung steht auf dem Prüfstand, wir müssen dazu mit den Gemeindevertretern in die Diskussion eintreten", blickt Lehnert in die Zukunft. Ob am Ende eine Überarbeitung der städtischen Kita-Satzung steht, lässt sie bewusst offen. "Wir wollen dem Kommunikationsprozess nicht vorgreifen." Fakt sei jedoch, dass sich die Defizite für die Gemeinde weiter erhöht hätten.

Eltern, die ihre Kinder in Berlin betreuen lassen, müssen sich nun aber mit der neuen Landkreis-Satzung auseinander setzen. Das Jugendamt in Eberswalde ist Ansprechpartner für die betroffenen Barnimer. Im Rathaus Bernau, Panketal, Ahrensfelde oder Werneuchen finden sie dazu nun keinen Ansprechpartner mehr vor Ort.

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