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Durch den Aufschwung beim Wohnungsbau ändern sich fast täglich die Kosten / Ausschreibungen mitunter schwierig

Konjunktur
Baupreise ziehen an, Personal wird knapp

Ehrgeiziges Projekt "Basdorfer Gärten": Bis zum Jahr 2019 sollen auf dem ehemaligen Polizeischulgelände 106 Wohnungen entstehen.
Ehrgeiziges Projekt "Basdorfer Gärten": Bis zum Jahr 2019 sollen auf dem ehemaligen Polizeischulgelände 106 Wohnungen entstehen. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Hans Still / 17.10.2017, 21:23 Uhr
Basdorf (MOZ) Der Aufschwung in der Baubranche führt zu kräftigen Preisaufschlägen und Problemen bei der Vergabe von Bauaufträgen. Spürbar wird das beispielsweise beim Wandlitzer Wohnprojekt "Basdorfer Gärten".

Der Rohbau für das Haus 1 musste zweimal ausgeschrieben werden, es kommt daher zu Mehrausgaben und zu Bauverzögerungen. Darüber informierte die Wandlitzer Bauverwaltung nun auch offiziell die Gemeindevertreter. Demnach sollte am Haus 1 bereits seit Sommer gebaut werden, tatsächlich begannen die Handwerker erst im September mit den Arbeiten. "Für das Los Bauhaupt gab es bei der öffentlichen Ausschreibung nur ein Angebot, das wir dann hinterfragen mussten, da die Preise nicht auskömmlich erschienen. Im Ergebnis entschlossen wir uns dazu, ein zweites Mal auszuschreiben. Danach konnten wir vergeben", erklärt der Wandlitzer Bauamtsleiter die ungeplante Verzögerung.

Das Beispiel steht exemplarisch für die Situation im Bausektor. Die Baufirmen haben fast durchweg volle Auftragsbücher, das Echo auf Ausschreibungen fällt immer dünner aus. Für die Fenster lag beispielsweise ein Angebot vor, der Anbieter erhielt den Zuschlag. Auch bei den Sanitärarbeiten war nicht gerade von Vielfalt zu sprechen. "Wir beobachten seit Jahren den Trend, dass die Kapazitäten am Markt immer knapper werden. Trotz reizvoller und interessanter Aufträge nehmen Firmen lieber Abstand. Manchmal auch, weil einfach Fachkräfte fehlen und die Sorge besteht, eigene Terminzusagen nicht einhalten zu können", erklärt Gesch aus seiner Erfahrung. So sei es besonders bei Schlosserarbeiten schwierig, Fachfirmen aus der Region zu verpflichten.

Bei den "Basdorfer Gärten" bewirkt die Verzögerungen beim Bauhauptgewerk eine Lawine an Veränderungen. Nachfolge-Gewerke können erst später als geplant beginnen, es verändern sich auch die Preise. So holten sich die Mitarbeiter des Wandlitzer Bauamtes beim Fördermittelgeber notgedrungen die Genehmigung ein, Aufträge an die Ausbaugewerke freihändig vergeben zu dürfen. Das Ergebnis liest sich so: "Im Ergebnis der freihändigen Vergabe war zu verzeichnen, dass selbst das günstigste Angebot zu einer Budgetüberschreitung um zirka 360 000 Euro brutto führen würde."

Folglich wurde das Auftragsvolumen erneut kritisch beäugt und reduziert, es wurde mit den Firmen verhandelt und nun scheint es so zu sein, dass die Aufträge ausgelöst werden können, ohne dass die Gesamtkosten gravierend steigen werden. Für den zweiten Block der "Basdorfer Gärten" empfiehlt die Bauverwaltung schon mal vorab "die Bauleistungen kritisch zu überprüfen und unter Umstanden Einschränkungen beim Ausstattungsgrad hinzunehmen", um mit den Kosten nicht übers Ziel hinauszuschießen.

Überhaupt bereitet die Kostenentwicklung nicht nur dem privaten Bauherren, sondern auch der Verwaltung Sorgen. "Wir gehen derzeit von bis zu acht Prozent Preisauftrieb pro Jahr aus", bekennt Gesch und denkt dabei mit Grimmen an das Lanker Bauprojekt der Gemeinde. Dort hatten die ersten überschlägigen Rechnungen mit moderaten Baupreisen begonnen, aber nach zwei Jahren Verzögerung sah die Realität am Ende ganz anders aus. Von ehemals geschätzten 1,5 Millionen Euro schaukelten sich die Kosten bis zur Höhe von 2,52 Millionen Euro für das Mehrzweckgebäude mit Kita, Feuerwehr und Gemeindehaus auf. Knapp zwanzig Prozent dieser Preisdifferenz hängen laut Gesch direkt mit der zeitlichen Verzögerung zusammen.

Der Bauboom wirkt sich übrigens auch auf die Stellensituation in der Bauverwaltung aus. Der Berliner Senat schreibt zur Zeit viele Stellen aus und zieht damit Mitarbeiter ab. "Bei neuen Stellenausschreibungen reduziert sich spürbar die Zahl der Bewerbungen", bestätigt Gesch. Berlin könne auch mehr zahlen. "Wer in Berlin wohnt, hat womöglich kürzere Arbeitswege", so Gesch.

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