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Autorin Ronja von Rönne begeistert mit Tiefsinn und Wortwitz ihr Publikum

Wandlitzer Entdeckergeschichten

Jung und frech: Ronja von Rönne bekennt im Goldenen Löwen, erstmals in Wandlitz gewesen zu sein.
Jung und frech: Ronja von Rönne bekennt im Goldenen Löwen, erstmals in Wandlitz gewesen zu sein. © Foto: Renate Meliß
Renate Meliß / 29.01.2018, 06:15 Uhr
Wandlitz (mes) Mit "Hi, ich war noch nie in Wandlitz, ich dachte erst, das ist irgendwo in NRW, gibt's hier etwas Besonderes?", begrüßt sie das Publikum. Ein Gast zur Lesung mit Ronja von Rönne im "Goldenen Löwen" stellt gleich mal klar: "Wer von Wandlitz noch nicht mal was gehört hat ....!"

Doch Ronja von Rönne nimmt's gelassen. Dass die Autorin auch Entertainerin ist, zeigt sie ihren Zuhörern gern. In der Sammlung von Texten und Kolumnen "Heute ist leider schlecht" schafft Ronja von Rönne den Spagat zwischen Banalitäten und treffender Zeitdiagnose. Sie liest, sie unterhält und stellt sich selbst als eine vom Lande vor. Ist aufgewachsen in einem kleinen Dorf im Oberbayerischen. Hatte eigentlich immer von da weggewollt - in die Stadt. Doch da gibt's halt auch ne Menge Anonymitäten. "Die Stadt ist etwas für Menschen, die einmal etwas gesucht haben", formuliert sie. Schließlich könne man "nirgendwo schneller verblöden als in Berlin". Auf ihrer Fahrt durchs Brandenburger Land stößt sie auf all die dörflichen Klischees und Erinnerungen, die verschüttet liegen. Wiesen, Wald, Häuschen. Dann ein Schild "Groß-Schönebeck". "Links geht's zum Arzt, rechts zum Bahnhof. Die Radfahrerin, die Dame aus der Tourist-Info, ein Fußgänger - warum nicken die eigentlich so freundlich?", wundert sich von Rönne. Zwei etwa 20-Jährige fragt sie, ob die hier zuhause sind. "Nee, aus der Stadt." Berlin? "Nee, Finowfurt." Okay. Vermissten sie etwas hier in Groß-Schönebeck? Die nachdenkliche Antwort der Mädchen: "Ja, eine Postfiliale wäre schön."

Das bringt von Rönne erst recht durcheinander. "Was, das ist alles?" Die Autorin plaudert dahin, auch über ihre Kindheit und Jugend erfährt das Publikum einiges. Über Freunde, die manchmal einfach Menschen mit gemeinsamen Feinden sind. Über die Sache mit dem Geld und ihre spezielle Sicht auf Monitäres: "Ich hab am Ende des Monats eigentlich nie Geld, und am Anfang eigentlich auch nicht, was erstaunlich ist, weil ich Geld eigentlich sehr gern mag. Ich kann super mit Geld umgehen, das heißt, ich kann's so ausgeben, dass ich Spaß daran habe." Aus gegebenem Anlass sind ein weiteres Thema die Kaufhäuser. Da, wo man doch "... glatt die Angst vor dem Altwerden verlieren kann, denn eigentlich hat sich nichts verändert - seit dem letzten Besuch vor vielen Jahren". Es sei daher ja fast  beruhigend, alte Zeiten zu betreten. Da, wo seit Jahrzehnten "Abriss-Partys" gefeiert würden - in den Kaufhäusern nämlich. "Stehen die nicht fast wie ein Relikt neben all den perfekten, ideenreichen Boutiquen und Shops?"

Das Restaurant, dass sich in der oberen Etage befindet, die stehen gebliebene Zeit, antiquiert und doch glänzend. So erzählt Rönne es. Auch der Besuch jenes schwedischen Einkaufstempels - eine Welt, in der man "außer penetrant geduzt zu werden", gleichzeitig stets vor Augen gehalten bekomme, dass man doch "einfach zu blöd sei, es sich daheim genauso toll einzurichten, wie Tine auf ihren zwölf perfekten Quadratmetern ..."

Von Rönnes Texte steigern sich zwischen den - sehr unterhaltsamen - Kalauern und rhetorischen Pointen zu einfühlsam beobachteten Gegenwartsanalysen. Das Leben zu beobachten, Alltäglichkeiten und die Traurigkeit zu finden, die hinter dem scheinbar Banalen steckt, dabei ist die junge Autorin in ihrem Element. Frech, witzig, provozierend und auf den Punkt gebracht zeigt sie sich pointiert und wortgewaltig.

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