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Landesbetrieb hält an Verkehrseinschränkungen fest / Arbeiten auf Großbaustelle gehen ab Februar weiter

Staugefahr trotz freier Kreuzung

Stoßstange an Stoßstange: Die Blechlawine auf der Brunnenstraße kommt vor allem im Berufsverkehr nur stockend voran. Das liegt auch an der Behelfsampel, die aktuell gar nicht erforderlich ist, aber dennoch nicht abgeschaltet wird.
Stoßstange an Stoßstange: Die Blechlawine auf der Brunnenstraße kommt vor allem im Berufsverkehr nur stockend voran. Das liegt auch an der Behelfsampel, die aktuell gar nicht erforderlich ist, aber dennoch nicht abgeschaltet wird. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Sven Klamann / 12.01.2018, 21:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Schon seit kurz vor Weihnachten rollen die Autos wieder ungehindert über die Kreuzung an der Friedensbrücke. Aber noch immer sind wegen der Großbaustelle, die sich gerade in der Winterpause befindet, Verkehrseinschränkungen in Kraft. Das sorgt für Frust in Eberswalde.

Vor allem im Berufsverkehr morgens und nachmittags wird die Barnimer Kreisstadt nicht selten zu Stauwalde. Besonders lang ist die Blechlawine an den beiden Behelfssignalanlagen in der Brunnenstraße, die eigentlich dazu gedacht waren, den Umleitungsverkehr in geordnete Bahnen zu lenken, solange dieser wegen der teilweisen Sperrung der Kreuzung an der Friedensbrücke notwendig war.

"Welchen Sinn machen die zwei Ampeln noch - außer den, uns Autofahrern unnötiger Weise das Leben zu erschweren?", fragt Sebastian Kurz aus Eberswalde in einer E-Mail an die Redaktion.

Gerade in Stoßzeiten geht es auch auf Berger- und Eisenbahnstraße eher schleppend voran. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Wilhelmstraße, die beide Hauptverkehrsachsen verbindet, nach wie als Richtungsfahrbahn ausgewiesen ist. "Warum gilt dort noch immer die Einbahnstraßen-Regelung?", will Anke Regling aus Eberswalde wissen.

Für die Bürgerinitiative "Radwege in Eberswalde" weisen deren Sprecher Gerd Markmann und Ulrich Pofahl überdies darauf hin, dass auch die Wegweiser für den Fernverkehr und die Ausweisung der Umleitungen noch nicht abgebaut wurden. "Wir fordern die Stadtverwaltung auf, dafür zu sorgen, dass die unnötigen Verkehrshemmnisse zeitnah verschwinden. Es kann doch niemand ein Interesse daran haben, die Verkehrsadern der Stadt künstlich zu verstopfen", heißt es in einer Pressemitteilung der Initiative, auf die jetzt auch Eberswaldes Baudezernentin Anne Fellner reagiert hat. Über Lutz Lorenz, den neuen Pressesprecher im Rathaus, lässt sie ausrichten, dass die Verkehrsregelungen in der Verantwortung des Landesbetriebes Straßenwesen liegen. Die Stadt trage aber die Entscheidung des Landesbetriebes klar mit, an den Einschränkungen festzuhalten. "Anfang Februar, wenn die Wetterlage dies zulässt, konkret am 5. Februar, werden die Baumaßnahmen bis zur endgültigen Fertigstellung fortgesetzt", hebt Lutz Lorenz im Auftrag der Dezernentin hervor. Dazu seien dann zum Beispiel auch zwingend halbseitige Sperrungen in den Bereichen Breite Straße, Kreuzstraße, An der Friedensbrücke und Friedrich-Ebert-Straße erforderlich. "Dort werden unter anderem die letzte Deckschicht und anschließend die Fahrbahnmarkierungen in Heißplastik aufgetragen", teilt der Pressesprecher weiter mit.

"Hätte der Landesbetrieb für Straßenwesen nach der Teilfreigabe auch die veränderten Verkehrsregeln aufgehoben und zum 5. Februar wieder in Kraft setzen müssen, hätte dies zu einer erheblichen Verunsicherung aller Verkehrsteilnehmer und damit zu einem erhöhten Unfallrisiko an einem der meistgenutzten Verkehrsknotenpunkte der Innenstadt geführt", wird in der Reaktion aus dem Rathaus betont. Die Stadt gehe nach wie vor davon aus, dass die Baumaßnahme des Landesbetriebes im Frühsommer 2018 abgeschlossen werde, so Lutz Lorenz.

Sogar eine nochmalige kurzzeitige Vollsperrung des Kreuzungsbereiches sei unvermeidlich, ergänzt Hans-Jürgen Otte, der im Landesbetrieb als Sachgebietsleiter für Bauvorbereitung und Bauüberwachung Verantwortung trägt. Die zeitlichen Abläufe würden aktuell mit der Baufirma abgestimmt. Es sei ein Gebot der Vernunft, an den Verkehrseinschränkungen festzuhalten. "Als die Einbahnstraßenregelung an der Wilhelmstraße eingeführt wurde, hat es Wochen gedauert, bis sich endlich fast alle Autofahrer wirklich daran gehalten haben", hebt Hans-Jürgen Otte hervor.

Kommentar: Autofahrer unter Generalverdacht

Wer nicht selbst in einer Behörde arbeitet, steht den dort Beschäftigten nicht selten skeptisch bis ablehnend gegenüber. Wer kennt sie nicht - die hahnebüchenen Geschichten über Amtsschimmel, deren Wiehern höllisch schmerzt? Dabei sieht die Realität meist ganz anders aus: Selbst in Verwaltungen ist durchaus der gesunde Menschenverstand zu Hause!Doch Vorurteile scheint es auch auf der anderen Seite zu geben. Wie sonst lässt es sich erklären, dass manche behördliche Entscheidung so wirkt, als würde ihr die grundsätzliche Einschätzung zugrunde liegen, dem gemeinen Volk sei alles Schlechte und nichts Gutes zuzutrauen? Dass im Stadtverkehr an Verkehrseinschränkungen festgehalten wird, die aktuell gar nicht nötig sind, dürfte in diese Kategorie gehören. Die Autofahrer werden so pauschal dem Generalverdacht ausgesetzt, die Straßenverkehrsordnung nicht regelkonform zu befolgen. Etwa zu Recht? Vielleicht wäre gegenseitiges Vertrauen hilfreich. Sven Klamann

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