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Stolzenhagener lassen sich von Bürgerinitiative "Contra Eierfabrik" aus Zehlendorf informieren

Hennen-Anlagen
Protest gegen Massentierhaltung nebenan

Hans Still / 12.03.2018, 06:50 Uhr - Aktualisiert 12.03.2018, 07:00
Stolzenhagen (MOZ) Etliche Stolzenhagener Einwohner solidarisieren sich mit den Bürgern im benachbarten Wensickendorf und Zehlendorf (Oberhavel) und wollen sich ebenfalls gegen den Bau von Legehennenanlagen in der Region wenden. Deutlich wurde dies am Freitagabend bei einer so genannten "Einwändewerkstatt".

Aktivisten der Bürgerinitiative "Contra Eierfabrik" informierten im Stolzenhagener Gemeindezentrum vor mehr als 30 Zuhörern über den Stand der Pläne eines niederländischen Investors, der zwei Stallanlagen mit insgesamt 84 000 Hühnern errichten möchte. Die Bürgerinitiative will diese Investition verhindern, wenngleich die Brandenburger Landesregierung diese Art von Investitionen mit Fördermitteln unterstützt. "Die niederländische Regierung zahlt Prämien für den Abbau dieser Anlagen, in Brandenburg wird aus völlig unverständlichen Gründen der Aufbau von Ställen zur Massentierhaltung gefördert", kritisierte beispielsweise Martin Meier aus Zehlendorf. Er wohnt nur wenige einhundert Meter vom geplanten Standort des ersten Stalls entfernt und sorgt sich um das Wohl von Mensch, Natur und der Tiere. Beispielsweise durch den Feinstaub, der durch die Lüfter im Stall in die Luft geblasen wird. "Anders als bei Schweinen- und Rinderställen sind bei Hühnerställen in Brandenburg keine Filter in den Lüfteranlagen vorgeschrieben, da diese sich im Nu zusetzen würden. Weil das Problem technisch nicht in den Griff zu bekommen ist, wurde gleich komplett auf Filter verzichtet", berichtet Axel Wunsch den Anwesenden. Überraschung lösten auch die Aussagen über geschätzte Kotmengen aus. Demnach würden die 42 000 Hühner pro Stall jährlich 500 Tonnen Kot anfallen.

Unklar sei bislang, ob ein Entsorger diese Menge im Paket abnimmt und anschließend professionell verarbeiten lässt. Die zweite Variante wäre das Einbringen des Kots auf landwirtschaftlichen Flächen in der Region, was aber von der Bürgerinitiative ebenfalls als sehr kritisch angesehen wird.

Spätestens bis zum 23. März müssen die Einwände der Anwohner und Träger öffentlicher Belange bei den Behörden vorliegen. Für Stolzenhagen prognostizieren die Mitglieder der Bürgerinitiative eine hohe Wahrscheinlichkeit, im Fall einer Baugenehmigung ebenfalls deutliche Verluste an Lebensqualität hinnehmen zu müssen. "Der Versuch, in Zehlendorf einen Stall genehmigt zu bekommen, ist nur der erste Anlauf. Gelingt dieser, müssen alle Gemeinden in der Region mit weiteren Anträgen rechnen. Im Prinzip reicht nämlich ein Grundstücksbesitzer, der ausreichend Land besitzt und und dieses dem Investor verkauft", hieß es am Freitagabend.

Die Stadt Oberhavel hat übrigens das gemeindliche Einvernehmen versagt und erklärt sich mit dieser Investition nicht einverstanden. Unklar ist derzeit, wie das Landesumweltamt reagieren wird. Wie bei Windkraftanlagen schon oft geschehen, kann die Behörde das gemeindliche Einvernehmen ersetzen. Dann wären die Kommunen gefordert, dagegen auf dem Klageweg vorzugehen.

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