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Berlin lehnt Antrag eines Investors ab, der zwischen Lanke und Ladeburg acht Anlagen errichten wollte

Entscheidung
Windräder im Liepnitzwald verhindert

Hans Still / 21.03.2018, 06:15 Uhr
Wandlitz (MOZ) Die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hat den Antrag eines Investors zum Bau von acht Windkraftanlagen im Liepnitzwald abgelehnt. Die Nachricht sorgt in Wandlitz für großen Jubel. Spontan kommt es am Freitag um 18 Uhr zu einer Dankeschön-Feier im Rathaus.

Die Feier bereitet die Wandlitzer Bürgermeisterin Jana Radant höchstpersönlich vor, wie Pressesprecherin Elisabeth Schulte-Kuhnt berichtet. Alles passiert quasi stehenden Fußes und spontan. Die Bürgermeisterin gehört ebenso wie Gea Kowalick und Hans-Jürgen Klemm (beide sind Sprecher der Bürgerinitiative "Hände weg vom Liepnitzwald") zu den vielen Gegnern von Windrädern im Wald und beteiligte sich jährlich an den Waldwanderungen der Bürgerinitiative.

Auch dort herrscht seit Bekanntwerden der Berliner Entscheidung ein gewisser Jubel, wenngleich dieser nicht grenzenlos ausfällt. "Ich nehme diese Entscheidung als Motivationsschub, in unseren Bemühungen nicht nachzulassen", kommentier Hans-Jürgen Klemm in einer ersten Reaktion. Schon im zweiten Satz weist der engagierte Wandlitzer auf die weiteren Probleme hin. "Wir wissen ja augenblicklich nicht genau, auf welcher Basis die zuständige Senatorin Regine Günther entschieden hat", zeigt sich Klemm vorsichtig und erinnert an die Schreiben der Bürgerinitatiative an den Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und den Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). "Deutliche Erklärungen der Länderchefs würden helfen, für die Zukunft Klarheit zu schaffen, aber leider bleiben diese nach wie vor aus", kritisiert Klemm.

So spreche sich die Brandenburger Regierung zwar pauschal gegen Windräder im Erholungswald aus, vermeide es aber, Beispiele für Erholungswälder zu benennen beziehungsweise selbige auszuweisen. In Berlin wurde nun genau dieses Argument zum Ko-Kriterium, wie Matthias Tang, Pressesprecher im Senat Umwelt, Verkehr und Klimaschutz am Dienstag bestätigt. "Wir brauchen zu einhundert Prozent erneuerbare Energien, aber trotzdem müssen unterschiedliche Interessen und ökologische Fragen ausbalanciert werden. Nicht jeder Standort ist gleich gut geeignet", so der Pressesprecher. Für den Liepnitzwald stehe daher der Naturschutz und die Ökologie im Vordergrund. Daher habe die Senatorin Regine Günther (Grüne) sich der Meinung der Fachämter angeschlossen und für den Liepnitzwald entschieden, Anfragen potenzieller Investoren abzulehnen.

Romeo Kappel, er ist Leiter der Forstamtes in Berlin Pankow, gehört zu den Fachleuten, die dringend von Windrädern im Liepnitzwald abgeraten haben. "Sowohl dienstlich wie auch privat bin ich der Meinung, in den Liepnitzwald gehören diese Anlagen nicht hinein", bekennt der Forstamtsleiter. Seine Begründung klingt wie Balsam auf den Seelen derer, die das ähnlich beurteilen. "Der Liepnitzwald ist nicht nur ein sehr hochwertiger Wald mit biologischer Vielfalt, sondern er dient noch dazu im großen Maße der Erholung der Berliner. 80 Prozent der Besucher kommen aus der Hauptstadt, dass haben mehrfache Zählungen ergeben. An machen Wochenenden besuchen pro Tag 20 000 Berliner diesen Wald, den wir ausdrücklich für die Erholung unserer Einwohner bewirtschaften. Damit ist für mich, bei allem Einsatz für erneuerbare Energien klar, Windräder gehören dort nicht hin."

Deutlich wird im Gespräch mit Pressesprecher Tang und Forstamtsleiter Kappel, die Berliner Position ist eine Augenblicks-aufnahme der aktuellen politischen Verhältnisse in der Hauptstadt. Das bestätigt Tang. "Das ist fachliche Meinung der verantwortlichen Senatorin zum Liepnitzwald."

Angesichts des Wahlkampfes um den Stuhl und die Machtbefugnisse im Barnimer Landratsamt fordert Hans-Jürgen Klemm nun die Kandidaten auf, nach einer möglichen Wahl das Engagement gegen Windrädern in Wäldern nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. "Alle Kandidaten haben sich gegen die Windräder im Liebpnitzwald ausgesprochen, dem müssen dann auch Taten folgen."

Bürgermeisterin Radant bewertet die Berliner Entscheidung ebenfalls als Etappensieg. "Auch mit der großartigen und stimmgewaltigen Unterstützung zahlreicher engagierter Bürger, allen voran die Bürgerinitiative "Hände weg vom Liepnitzwald", ist es gelungen, einen Etappensieg zu erringen, um den ökologischen Unsinn zu verhindern, Wald in eine Industriebrache zu verwandeln. Darauf wollen wir gemeinsam anstoßen", blickt sie auf den Freitag voraus.

Die Lanker können zumindest in Sachen Lärm durch Windkraft aufatmen. Der namentlich nicht bekannte Investor wollte die Anlagen östlich der A 11 zwischen Lanke und Ladeburg im Wald der Berliner Forst errichten.

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