Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Landratswahl geht am 6. Mai in die zweite Runde / Nur jeder vierte Barnimer gab seine Stimme ab

Wahl
Kurth und Nickel in der Stichwahl

Sabine Rakitin und Viola Petersson / 23.04.2018, 00:45 Uhr - Aktualisiert 23.04.2018, 22:47
Bernau (MOZ) Bernau/Eberswalde. Der Sieger des Wahlsonntags heißt Daniel Kurth. Gewonnen hat der Sozialdemokrat das Landratsamt allerdings noch nicht. Er geht mit dem Zweiten, Othmar Nickel (CDU), ins Stechen. Die Wähler müssen also am 6. Mai noch mal ran. Der Wahlbeteiligung lag bei nur 26,8 Prozent.

Es ist genau 18.09 Uhr, als im Studentenclub in Eberswalde Jubel aufbrandet. Vier von insgesamt 207 Wahlbezirken sind ausgezählt. Die Ergebnisse werden live übers Internet übertragen. Daniel Kurth (SPD) reißt die Arme hoch, die Anspannung der letzten Tage und Stunden bricht sich offensichtlich Bahn. Gleichwohl versucht er, die Freude noch etwas zu dämpfen. Mit jeder neuen Meldung wächst im Club, in  dem SPD und Linke gemeinsam feiern, aber die Zuversicht, in der Gunst der Wähler vorn zu liegen. Alles läuft auf eine Stichwahl mit Othmar Nickel (CDU) hinaus.

Zeitgleich im Restaurant „Wilder Eber“ in Eberswalde: CDU-Bundestagsabgeordneter Hans-Georg von der Marwitz lobt schon mal den engagierten Wahlkampf von Othmar Nickel. Die Stimmung ist verhaltener. Gleichwohl freut sich CDU-Landratskandidat Nickel über den immer wahrscheinlicher werdenden zweiten Durchlauf. Als „Polit-Quereinsteiger“ und mit „nur“ einer Partei im Rücken sei er „Außenseiter mit Möglichkeiten“, nicht Favorit, gibt er schon mal zu Protokoll und verfolgt weiter die Resultate sowie die Wahlbeteiligung, die nach ersten Prognosen nicht unbedingt Grund zur Freude bietet.

Um 20.10 Uhr, die Stimmen in den letzten Briefwahllokalen sind ausgezählt, dann die Gewissheit: Daniel Kurth holt 35,1 Prozent der abgegebenen Stimmen, Othmar Nickel 25,3 Prozent. Beide werden sich in der Stichwahl am 6. Mai erneut gegenüberstehen.

Die Wahlbeteiligung ist mit 26,8 Prozent gering. 155 672 Barnimer waren aufgefordert, per Direktwahl über die Besetzung des Landratspostens zu entscheiden. Lediglich 41 797 Frauen und Männer haben tatsächlich ihre Stimme abgegeben. Keiner der fünf Kandidaten hat das sogenannte Quorum von 15 Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten - mindestens also 23 351 Stimmen - erreicht.

Schon früh hatte sich am Wahlsonntag eine geringe Resonanz abgezeichnet. Im Bernauer Wahllokal 17, das in der Rotunde auf dem Schulcampus an der Zepernicker Chaussee eingerichtet war, hatten beispielsweise gegen 10.30 Uhr von 770 registrierten Wahlberechtigten lediglich 45, also noch nicht einmal sieben Prozent, ihre Stimme abgegeben. „Zur Bundestagswahl 2017 hatten um diese Zeit schon an die 45 Prozent gewählt“, erinnert sich Astrid Schmiedel, die zum fünften Mal als freiwillige Wahlhelferin im Einsatz ist.

„Herzlichen Dank an alle, die überhaupt zur Wahl gegangen sind“, sagt Daniel Kurt, der Erstplatzierte, am Abend. „Und natürlich auch ein Dankeschön an alle, die mir die Stimme gegeben haben.“ In den zwei Wochen bis zur Stichwahl würden seine Genossen und er „noch einmal alles geben“, betont Kurth. Die Hoffnung darauf, dass am 6. Mai doch noch einmal mehr Barnimer an die Wahlurnen treten, will er nicht aufgeben. „Ein direkt gewählter Landrat als Fürsprecher für den Landkreis Barnim hat viel mehr Rückenwind in den Ministerien Potsdams als ein ‚nur’ vom Kreistag gewählter“, ist sich der Sozialdemokrat, gemeinsamer Landratskandidat von SPD und Linken, sicher.

Glücklich über das Ergebnis des Wahlsonntags ist CDU-Kandidat Othmar Nickel. „Als Partei sind wir de facto Nummer eins“, sagt der Bernauer. Immerhin dürfe man nicht vergessen, dass SPD und Linke zusammen nur 35 Prozent der Stimmen für ihren Bewerber erhalten hätten. „Die CDU alleine hat 25 Prozent und nimmt man das sehr achtbare Ergebnis von Sven Weller (BVB/Freie Wähler) hinzu, dann heißt das: Die Mehrheit will einen Wechsel im Barnim“, schlussfolgert Nickel. Die CDU werde jetzt auf die anderen Gruppierungen zugehen, um für eine Zusammenarbeit zu werben, kündigt er an. Für BVB/Freie Wähler erklärte Peter Vida am Sonntagabend: „Inwiefern es Empfehlungen für die Stichwahl geben wird, werden wir in den kommenden Tagen diskutieren.“

Ergebnisse

■ Othmar Nickel (CDU): 25,3 Prozent, 10 424 Stimmen

■ Daniel Kurth (SPD): 35,1 Prozent, 14 444 Stimmen

■ Sven Weller ((BVB/Freie Wähler): 18,1 Prozent, 7447 Stimmen

■ Mark Matthies (Bürgerfraktion Barnim): 9,9 Prozent, 4078 Stimmen

■ Michael Luthardt (B90/Grüne). 11,6 Prozent, 4794 Stimmen

■ Insgesamt wurden am Sonntag 41 797 Stimmen abgeben, davon waren gültig 41 187. Die Wahlbeteiligung lag bei 26,8 Prozent (2010 waren es 22,6 Prozent).

Quelle: Landkreis Barnim, Kreiswahlleiter

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG