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Noch bis Ende April läuft eine Online-Petition des Ortsbeirates / Schon mehr als 500 Unterschriften

Altlasten
Protest gegen Deponie in Lanke

Hans Still / 26.04.2018, 06:30 Uhr
Lanke (MOZ) Der Lanker Ortsbeirat und Einwohner wehren sich mit einer Online-Petition gegen die Absicht, ausgebeutete Kiesgruben mit Bauschutt zu verfüllen. Ein entsprechender Antrag der Silex Kieswerk GmbH ist beim Brandenburger Bergbauamt gestellt. In fünf Tagen endet die Lanker Petition.

„Ich habe kein blindes Vertrauen. In Brandenburg ist auch genügend Negatives passiert, wir haben hier guten Grund, wachsam zu sein“, begründet Sylvia Rath im Lanker Ortsbeirat ihre Vorbehalte gegen die Pläne der Silex Kieswerk GmbH. Deren Geschäftsführer Matthias Kruttasch liebäugelt mit der Idee, unbelastete Baustoffe zur Verfüllung der Kiesgruben verwenden zu dürfen. Ein entsprechendes Genehmigungsverfahren wurde in Gang gesetzt. Dagegen ziehen die Lanker jetzt offensiv zu Felde. Sie haben die Nase von der weiteren Industrialisierung im eigentlich touristisch sehr schön gelegenen Ort nämlich voll. So beschreibt der Ortsbeirat im Text zur Online-Petion die Entwicklung der letzten zehn Jahre in Lanke. Der Kiesabbau habe sich rasant entwickelt. Nachdem gerade im Feld II ausgebaggert werde, würden schon neue Pläne für das Kiesfeld III geschmiedet. Würden diese genehmigt, nähert sich die Kiesgrube bis auf wenige einhundert Meter der Bebauung im Ort. „Ich habe keine Lust, aus meinem Fenster auf eine Deponie zu schauen“, empört sich Sylvia Rath stellvertretend für die Anwohner im Lanker Feldweg, die schon heute unter dem Lärm des Kiesabbaus leiden und obendrein den Krach von der Autobahn A 11 auf die Ohren bekommen.

Mit dem geplanten Bauschutt der Deponieklasse I verbindet der Ortsbeirat die Sorge vor „unkalkulierbaren Gefahren der Boden- und Grundwasserverschmutzung“, wie es im Petitionstext heißt. Die Schadstoffe im Bauschutt und anderen Baustoffen können sich anreichern und beispielsweise in den Lanker Seen niederschlagen. Diese Sorge teilt auch Mario Müller, Vorsitzender des Vereins Eisenbahner Angelfreunde Bernau. Die im Verein organisierten Petrijünger gehen beispielsweise in der Krummen Lanke zum Angeln. Dieses Gewässer, aber auch der Hellsee und der Obersee, liegen alle unterhalb des Höhenniveaus des Kiesabbaugebietes. „Wir befürchten, im Bauschutt enthaltene Nitrate und Sulfate können ausgewaschen werden und über das Schichtenwasser die Seen verunreinigen“, sagt der Vereinsvorsitzende und warnt vor Gefahren für Fauna und Flora.

Alle Hoffnung richtet sich jetzt darauf, sich beim Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg Gehör zu verschaffen. 517 Online-Unterschriften gab es bis zum Mittwochnachmittag, zusätzlich sind mehrere Bürger mit Unterschriftenlisten unterwegs. „Wir wollen uns an die Gemeindevertretung, die Fraktionen und später an den neuen Landrat wenden und Unterstützung erbitten“, berichten Sylvia Rath und Sebastian Oehmicke, beide arbeiten im Ortsbeirat Lanke mit.

Silex-Geschäftsführer Matthias Kruttasch sieht die Angelegenheit bislang recht entspannt. „Letztlich ist auch das Verfüllen von Bodenaushub eine Art von Deponierung“, sagte er erst im Februar bei einem Vor-Ort-Termin an der Kiesgrube. Zudem versicherte er, in Lanke würde auch zukünftig keine Bauschuttdeponie entstehen. „Wir wollen hier in der Zukunft keine anderen Materialien deponieren als in den vergangenen drei Jahren“, so Kruttasch wörtlich.

Der Lanker Ortsvorsteher Christian Schmidt plädiert hingegen für eine andere Zukunft des Ortes. „Die Gemeinde Wandlitz macht sich seit Jahrzehnten für ein anderes Nutzungskonzept stark, ein Konzept, in dem Bewohner sowie Besucher die uns umgebende Natur als kraftspendenden Ausgleich zur Arbeitswelt erfahren. Lärm, Staub, Müll und großflächige Industriebrachen stehen diesem Konzept und unserer Gesundheit diametral entgegen“, heißt es im Text zur Petition.

Link zur Petition: www.openpetition.de/petition/online/keine-deponie-in-lanker-kiestagebau

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