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Die Stadt Bernau stockt ihre Förderung auf und finanziert ab September 3,5 Stellen an Schulen

Schulsozialarbeit
Mehr Zeit für Sozialarbeit

Sabine Raktin / 13.06.2018, 19:39 Uhr - Aktualisiert 13.06.2018, 19:52
Bernau (MOZ) Die Stadt will an der Finanzierung von Schulsozialarbeitern festhalten - und die drei existierenden Stellen mit mehr Stunden ausstatten. Profitieren davon werden die Grundschule Schönow und die beiden Schulen am Rollberg.

Bernau nahm 2013 eine Vorreiterrolle ein. Weil der Bedarf an Schulsozialarbeit im Barnim groß war, die vom Landkreis finanzierten Stellen die Schulen im Barnim aber nie und nimmer abdecken konnten, brachten die Linken in der Stadtverordnetenversammlung den Vorschlag ein, aus dem städtischen Haushalt weitere Stellen zu bezahlen.

Schon damals war die Stadt Träger von vier Grundschulen und zwei Oberschulen. Der Jugendhilfeausschuss des Landkreises Barnim hatte bereits zehn Jahre zuvor einen höheren Bedarf von Sozialarbeit an den Schulen fest. Gleichwohl wurden der Tobias-Seiler-Oberschule bis dahin lediglich zehn Wochenstunden zugestanden, der Grundschule an der Hausenheide sechs und der Grundschule am Blumenhag sogar nur 45 Minuten. Die Schulleiter dieser Schulen erklärten öffentlich, dass die Schulsozialarbeit für die Lehrer eine große Hilfe darstelle, es aber nicht ausreiche, wenn Sozialarbeiter nur stundenweise „Gastrollen“ an den Schulen geben. Diese Problematik verschärfte sich durch die geringe personelle Ausstattung der Schulen.

„Vor diesem Hintergrund ist es zur Ermöglichung von Chancengleichheit für Schüler unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft sowie unterschiedlicher körperlicher und geistiger Fähigkeiten notwendig, ein Angebot der Jugendhilfe zu schaffen, bei dem sozialpädagogische Fachkräfte kontinuierlich an Schulen tätig sind“, argumentierten die Linken vor fünf Jahren. Sie plädierten dafür, dass die Schulsozialarbeiter mit Lehrkräften und Horterziehern auf einer verbindlich vereinbarten und gleichberechtigten Basis zusammenarbeiten, um Kinder und Jugendliche in ihrer individuellen, sozialen und schulischen Entwicklung zu fördern und beizutragen, Bildungsbenachteiligungen zu vermeiden und zu verringern. Parteiübergreifend unterstützten auch die Mitglieder des Bernauer Bildungs- und Sozialausschusses das Anliegen. Am 12. September 2013 beschloss die Stadtverordnetenversammlung zunächst zwei befristete Stellen für „Sozialarbeit an Schulen“. Zweieinhalb Jahre später, im Juni 2016, folgte die Zustimmung der Stadtverordneten zur Weiterführung und Finanzierung der beiden Stellen.  Die Stadt schloss mit der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal eine Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung ab. Zusätzlich förderte sie auch eine Stelle „Jugendförderung am Standort Schule“. Die nun insgesamt drei Stellen wurden auf die Bernauer Schulen verteilt. Je 20 Stunden pro Woche erhielten die Grundschule an der Hasenheide, die Georg-Rollenhagen-Grundschule und die Grundschule am Blumenhag sowie die Tobias-Seiler-Oberschule. Der Oberschule am Rollberg mit Grundschulteil wurden 30 Stunden und der Grundschule Schönow lediglich zehn Stunden pro Woche bewilligt.Doch auf einem Treffen zwischen den Schulleitern und der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal Anfang dieses Jahres wurde in Auswertung der Erfahrungen deutlich, dass an allen Schulen ein Wochenstundenbedarf für Sozialarbeit von mindestens 20 Stunden nötig ist. Dem Schulkomplex am Rollberg zehn Stunden wegzunehmen, um sie der Grundschule Schönow zuzuschlagen - dazu konnte sich niemand durchringen. Deshalb schlug die Stadtverwaltung vor, zusätzliche eine weitere halbe Stelle für die Sozialarbeit an Schulen zu finanzieren. Die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal signalisierte, dass sie diese Leistung auch bereitstellen kann.

Christine Poppitz (Linke), viele Jahre Vorsitzende des Bernauer Bildungs- und Sozialausschusses, hob in der jüngsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung hervor, wie wichtig Sozialarbeiter an Bildungseinrichtungen sind. „Nach wie vor muss auf Gewalt - ob verbal, körperlich, zerstörerisch oder physisch - reagiert werden“, stellte sie fest. Ebenso wichtig sei soziales Training für Kinder und Jugendliche - „auch um die Anzahl der Schulverweigerer zu verringern“, argumentierte die Linke.

Sie rannte bei den anderen Fraktionen offene Türen ein. Ohne Gegenstimme beschloss das Stadtparlament, mit Beginn des Schuljahres 2018/2019 im September eine weitere halbe Stelle für Schulsozialarbeit in Bernau zu finanzieren. Die Stadt lässt sich das noch einmal 30 000 Euro pro Kalenderjahr kosten.

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