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Recyclingmaterial, angereichert mit Elektroschrott und anderen Anteilen, auf Landwirtschaftsweg aufgebracht

Entsorgung
Geschredderte Altreifen verteilt

Hans Still / 11.07.2018, 20:58 Uhr - Aktualisiert 12.07.2018, 10:38
Wandlitz (MOZ) Im nördlichen Barnim deutet sich ein größeres Umweltproblem an: Auf einem Sandweg in Richtung Klandorf wurden geschätzt 1000 Tonnen Recyclingmaterial aufgebracht, dessen Zusammensetzung mindestens fragwürdig erscheint. Neben Styropor, Elektrokabeln und PVC-Folie gehören auch zerschredderte Altreifen zur Beimischung.

Ein empörter Bürger hat jetzt beim Landeskriminalamt (LKA)  Anzeige erstattet: Der Klandorfer Arno Gielsdorf wollte nicht länger hinnehmen, wie die Landschaft im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin „verunreinigt wird“, wie er sagt. Im Anschreiben an das LKA schildert er die Entwicklung auf diesem landwirtschaftlichen Sandweg, der von der B 167 zwischen Zerpenschleuse und Finowfurt in Richtung Norden nach Klandorf abgeht und die Gemarkungen von Wandlitz, Amt Biesenthal und der Gemeinde Schorfheide berührt. Seit eineinhalb Jahren betreibe die Firma HMR Recycling GmbH aus Schorfheide einen Wegebau. Zuletzt sei im Frühjahr auf dem Wandlitzer Teil Recyclingmaterial als Unterbau aufgebracht worden. „Auffällig ist für mich der Inhalt mit großen Einzelstoffen, bei denen man nicht eine Siebkurve erkennen kann“, führt Gielsdorf aus. Bis 0,5 Quadratmeter große Stücken PVC-Folie, bis zu 0,7 Meter lange Elektrokabel, Styropor-Dämmung, Steckdosen, Kabelschutzleisten, halbe Fliesenteile oder auch Teerpappe zeigte Gielsdorf beim LKA-Mitarbeiter zur Überprüfung an. Besonders verwunderlich erscheinen zudem Beimengungen von zerschredderten Fahrzeugreifen, die unübersehbar in der Landschaft verteilt wurden.

Bisherige MOZ-Recherchen ergeben, weder bei der Gemeinde Wandlitz noch beim Amt Biesenthal lagen Anträge für diesen Wegebau vor. Folglich konnte es auch keine Genehmigungen dafür geben. Ulrike Garbe, Leiterin des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin, nimmt die Information mit Interesse auf. „Wenn im Biosphärenreservat Recyclingmaterial verbaut wird, dann muss das laut Biophärenreservatsverordnung die Zertifizierung Z 0 besitzen. Für die Überwachung der Reservatsverordnung ist das Bodenschutzamt des Kreises zuständig. Im Übrigen sehen wir landwirtschaftliche Wege in ihrer ursprünglichen Form durchaus als erhaltenswürdigen und wichtigen Teil unserer Kulturlandschaft.“

Beim Landkreis ist der Fall bereits mit mehreren Vermerken und Anschreiben aktenkundig, wie am Mittwoch aus der Behörde verlautete. Immerhin: Noch in dieser Woche sollen sämtliche Beteiligte an einen Tisch kommen, „um sich gegenseitig zu informieren“, wie es weiter hieß. Eine inhaltliche Einschätzung war aus der Behörde nicht zu vernehmen.

Interessant auch die Frage, wer eigentlich Auftraggeber der Wegsanierung ist. Der Unternehmer Horst Maaß benennt die SAG Schorfheide. Mit der Geschäftsführung hätte er „eine kostenneutrale Instandsetzung des Weges abgesprochen. Das war kein direkter Auftrag, eher eine Abstimmung mit der SAG“, sagte Maaß am Dienstag. Allerdings dementiert Geschäftsführer Olaf Pieper am gleichen Tag diese Aussage. „Wer behauptet, wir hätten einen Auftrag dafür ausgelöst, der lügt. Das ist komplett an den Haaren herbeigezogen“, sagte Pieper wortwörtlich. Richtig sei aber, dass die Fahrzeuge der SAG zunehmend Schwierigkeiten auf dem Sandweg gehabt hätten, da dieser immer schwerer befahrbar wurde. Die Gemeinde Schorfheide, mit der sich Maaß ebenfalls abgesprochen habe, bestätigt zumindest eine mündliche Verabredung. „Von Herrn Maaß wurde mündlich angefragt, ob er Naturschotter aufbringen könne, um den Weg zu verbessern. Das wurde mit der Maßgabe, Naturschotter zu verwenden, bestätigt“, so am Mittwoch Mirko Seiffert aus der Gemeindeverwaltung.

Maaß sagt indes, er habe zunächst Recyclingmaterial als Unterbau verwendet und dieses später mit Natursteinschotter überdeckt. „Wie da Altreifenanteile hinkommen, weiß ich jetzt auch nicht. Aber ich werde mir das ansehen“, so seine Reaktion. Mit diesem Wunsch steht er nicht allein. Sämtliche Behörden wollen nun einen Vor-Ort-Termin vereinbaren und darüber befinden, ob das Material überhaupt in der Landschaft bleiben kann und ob der Vorgang nicht nach ernsthaften Konsequenzen ruft. Im Wandlitzer Leitbild sind Altreifenreste jedenfalls nicht erwähnt worden.

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