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Panketaler Seniorenbeauftragte Magdalena Schmager widmet sich nach 15 Jahren Ehrenamt ihrem Garten und der Familie

Gesichter des Barnim
Mit 80 zur Ruhe gesetzt

Hat viel zu tun: Auch wenn Magdalena Schmager mit 80 Jahren ihren Abschied als Seniorenbeauftragte von Panketal verkündet hat, bleibt viel zu tun. Der Garten und ein Haus sind zu bewirtschaften, Freunde und Familie zu bewirten.
Hat viel zu tun: Auch wenn Magdalena Schmager mit 80 Jahren ihren Abschied als Seniorenbeauftragte von Panketal verkündet hat, bleibt viel zu tun. Der Garten und ein Haus sind zu bewirtschaften, Freunde und Familie zu bewirten. © Foto: Andrea Linne
Andrea Linne / 12.07.2018, 08:00 Uhr - Aktualisiert 12.07.2018, 10:32
Panketal (MOZ) 80 ist wirklich kein Alter. Nicht für Magdalena Schmager. Die quirlige und aktive Panketalerin setzt sich endlich zur Ruhe. 15 Jahre lang war sie in der Gemeinde für die Älteren im Ort, seit 2008 als Seniorenbeauftragte Ansprechpartnerin Nummer Eins.

Noch während sie den Klarapfel in ihrer Hand dreht, der nach grüner Wiese duftet, die Kreole fröhlich in ihrem Ohrläppchen wippt, überlegt sie. Gern hätte sie noch mehr erreicht in ihrer „aktiven Zeit“. Doch die Mühlen der Bürokratie mahlten nicht so schnell wie die gebürtige Schlesierin es gern gewollt hätte. „Es fehlt an Seniorenwohnungen, überhaupt Wohnungen, auch für junge Leute“, sprudelt es aus der agilen Gehrenbergerin heraus. „Auch eine Seniorenbegegnungsstätte haben wir nicht.“

Dabei hat sie dafür gekämpft, sich zu Wort gemeldet, an unzähligen Abenden Sitzungen mitgestaltet. Jetzt hat es gereicht. „Mit 80 ist Zeit zum Aufhören“, findet die frühere Erzieherin, Lehrerin, Bibliothekarin. Mitmischen wird sie natürlich weiterhin. Ob im Siedlerverein, beim Erlebnistanz oder Sport. Jeden Tag hat die engagierte Frau etwas vor, freut sich aber auch über die Ruhe, im eigenen Garten zu wühlen. Alte Obstbäume stehen neben Kartoffeln und vielen anderen Gemüsesorten. Dickköpfige Hortensien und Rosen in allen Schattierungen recken ihre Hälse nach Magdalena Schmager.

Auf der letzten Sitzung der Gemeindevertretung vor der Sommerpause wurde die Seniorenbeauftragte verabschiedet. Nun sucht die Gemeinde Panketal eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger. „Man muss mobil sein, parteiübergreifend agieren können und gut mit Menschen auskommen“, fasst Magdalena Schmager zusammen. Eine große Ausschreibung läuft seit einigen Wochen auf der Internetseite der Gemeinde. Bisher hat sich niemand gefunden.

Die Arbeit im Seniorenrat Panketals wird Hans-Joachim Bernhardt vom Soldatenkreis Barnim übernehmen. Im Rat sind die Gruppen und Vereine, Kirchen und Ehrenabteilungen der Feuerwehren Schwanebeck und Zepernick vertreten. Ein bisschen schmunzelt die zierliche Frau vor sich hin. „Ich war nur eine Vertretung und wurde 2003 zur Vorsitzenden im Seniorenbeirat. 2008 wurde ich zur Seniorenbeauftragten gewählt“, erinnert sich die rothaarige Buchliebhaberin. Mit dem früheren Bürgermeister Rainer Fornell habe sie gut zusammengearbeitet. „Vieles ging auch mal unbürokratisch, er hat sich für uns interessiert“, schätzt die Seniorin ein. Zuletzt habe sie oft den Eindruck gehabt, vor allem im Sozialausschuss nicht so ernst genommen zu werden. „Da hätte ich mir mehr Wertschätzung gewünscht“, sagt Magdalena Schmager nachdenklich.

Im Straßenbau sieht sie Defizite für Rollstuhl- und Rollatorenfahrer. „Da ginge manches bestimmt weniger kompliziert, jeder Bordstein ist zu viel“, sagt die Mutter zweier Söhne. Längst ist die Zumba-Sportlerin auch Groß- und Urgroßmutter. Sie wird sich wohl auch künftig zu Wort melden, wenn etwas stört. Da kann sie gar nicht anders. Mit ihr Schritt zu halten, das ist nicht immer einfach. Ob etwas am Haus zu bauen, eine Feier zu organisieren ist oder noch schnell ein Ortsbeirat ruft.

Kritikern entgegnet sie, es sei besser, sich selbst einzubringen. Denn der Nachwuchs fehlt. Ruheständler, hat Magdalena Schmager festgestellt, wollen ihre Ruhe, auf Reisen gehen oder im Garten sitzen. Die Freude, wenn nach einer gelungenen Seniorenwoche jemand Danke sagt, lernen diese Menschen eher nicht kennen. „Die Arbeit ist wichtig“, findet die ehemalige Seniorenbeauftragte. „Ich hoffe sehr, dass wir jemanden dafür begeistern können.“

Doch nun ruft die Arbeit. Klaräpfel wollen zu Apfelmus verkocht werden, der Rasen zur Straße hin ist viel zu hoch gewachsen. Das dicke Buch auf dem Tisch ruft Magdalena Schmager zu, dass es ausgelesen werden möchte. Fast kann man es hören zwischen Geranien und hohen Gartenkräutern. Dazu tickt der Schrittzähler.

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