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Waldorflehrer hält Vortrag / Bildungseinrichtung 2019 in Eberswalde geplant

Bildung
Schule mit Weltanschauung

Erklärte Vorteile der alternativen Schulform: Waldorflehrer Sönke Guthan am Tag seines Vortrags in Eberswalde
Erklärte Vorteile der alternativen Schulform: Waldorflehrer Sönke Guthan am Tag seines Vortrags in Eberswalde © Foto: Kuba Kruszakin
Kuba Kruszakin, Marco Marschall / 12.07.2018, 08:15 Uhr
Eberswalde Mehr als 240 Waldorfschulen gibt es in Deutschland bereits. In Eberswalde könnte es mit dem Schuljahr 2019/20 eine weitere geben. Und zwar in der Biesenthaler Straße, dort wo bereits der Waldorfkindergarten „Morgenglanz“ Einzug gehalten hat. Im gleichen Gebäude wurde nun ein Vortrag über das alternative Schulkonzept gehalten, das in Eberswalde nicht unumstritten ist.

Etwa zehn Besucher wollten das Referat des niedersächsischen Waldorfschullehrers Sönke Guthan hören. Ein wohlwollendes Publikum aus Studenten und Lehreranwärtern, die nach neuen Erfahrungen suchen sowie besorgten Eltern, die dem jetzigen Schulsystem skeptisch gegenüberstehen und Menschen, die auf der staatlichen Regelschule schlechte Erfahrungen gemacht haben.

Besonders die negativen Erinnerungen an die eigene Schulzeit spielten am Anfang des Referats eine wichtige Rolle . Als stressig, geistlos, getaktet, mit Leistungsdruck überfüllt, ungerecht, unsozial und irrelevant fürs spätere Leben, wurde diese Zeit von einigen Gästen rückblickend bewertet. Dem stellte Sönke Guthan die Waldorfschule gegenüber: ohne Noten, ohne Sitzenbleiben, ohne Früheinschulung. „Alles andere als Einschulung mit sieben und altershomogene Klassen hat sich nicht bewährt“, so der Referent. Eine wichtige Eigenschaft der Schule sei die Binnendifferenzierung, also leistungsgemäße Aufgabenstellungen ab einem bestimmten Alter. „Einige Bundesländer wie Baden-Württemberg entdeckten Binnendifferenzierung erst vor einigen Jahren. Wir kannten sie seit Jahrzehnten“, machte Guthan deutlich.

Weitere Alleinstellungsmerkmale der Waldorfschule: zwei Fremdsprachen ab der ersten Klasse und Eurythmie – ein Fach, das Musik, Lyrik und Darstellendes Spiel miteinander verbindet und sich durch gemeinsame Bewegungsübungen kennzeichnet. „Es geht darum, das eigene Selbstbewusstsein zu entwickeln, dass man in sich ist“, erklärte Guthan.

Zudem stehe in der Waldorfschule die Seele im Vordergrund. „Was ich an der Waldorfpädagogik mag, ist, dass sie eine Weltanschauung hat“, stellte der Lehrer heraus. Diese findet sich auch in Rudolf Steiners Buch über Anthroposophie wieder, das für die Gäste des Vortrags auslag. Der österreichische Publizist (1861 bis 1925) verbindet christliche Mystik mit esoterischen Lehren. Ein Grund dafür, warum einige Waldorf mit einer Sekte verbinden.

„Das ist ein Vorurteil, mit dem wir im Barnim sehr zu kämpfen haben“, sagt Ulrice Fuß vom Vorstand des Vereins Waldorfpädagogik Barnim. Man sei christlich orientiert und es gibt auch ein morgendliches Motivationsgebet. Mit einer Sekte aber habe das nichts zu tun. Zudem sei Anthroposophie kein Unterrichtsbestandteil.

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