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Zugausfall, Ersatzverkehr, mangelnde Information - Wegen vieler Baustellen müssen Pendler improvisieren

Bahnchaos
Wer pünktlich ankommt, hat Glück

Kerstin Ewald / 20.07.2018, 19:29 Uhr
Bernau (Moz) Das Streckennetz der S-Bahn und städtischen Zuglinien gleicht einer totalen Baustelle. Auch bei den Pendlern in Berlins Norden liegen die Nerven blank. Die Arbeiten am Karower Kreuz behindern die S-Bahnlinien S2 und S8.  Und jetzt fällt zeitweise auch noch der Regionalexpress 3 aus.

„Es macht keinen Spaß, wenn man in Berlin arbeitet und jeden Tag sehen muss, wie man dorthin kommt“, meint Andrea Wedding, die gerade aus dem Bernauer Bahnhofsgebäude auf den Vorplatz tritt. Es ist Donnerstag halbsechs Uhr abends. Gerade kam sie mit der Bahn aus Berlin an.

Täglich fährt sie zur Arbeit in ein Versicherungsbüro in Berlin-Schöneberg. Heute hat Andrea Wedding extra später Feierabend gemacht, um nicht auf den Ersatzbus angewiesen zu sein, der tagsüber zwischen Bernau und dem Berliner Hauptbahnhof fuhr. Jetzt läuft der Bahnverkehr wieder. Andrea Wedding freut sich, sie hat gut geplant: „Zum Glück sind meine Kinder schon groß. Mir tun aber die Leute leid, die kleine Kinder  abholen müssen.“

Eine andere Frau, die jeden Tag von Berlin nach Bernau zur Arbeit fährt, ist genervt, weil sie wegen den Ausfällen eine Dreiviertelstunde zu spät zur Arbeit kam. Als sie am Dienstag in Hohenschönhausen losfahren wollte, fuhr der Zug nicht und weit und breit keine Spur von einem Ersatzbus.

„Ich habe mit einer Traube von 20 Leuten die Haltestelle des Ersatzverkehrs gesucht, wir haben zwar einen Hinweis gefunden, aber keiner wusste, wo die entsprechende Straße ist“, sagte die Hohenschönhauserin, die schließlich mit einem Linienbus nach Zepernick fuhr und von da weiter mit der S-Bahn nach Bernau. Nächstes Mal will sie sich noch besser vorbereiten.

Doch zu den geplanten Baustellen, mit denen gut informierte Bahnkunden umgehen können, kommen die vielen ungeplanten Pannen, wie der Oberleitungsschaden bei Bernau am 13. Juli, der drei Stunden lang zu Zugausfällen führte.

Wieder zurück am Bahnhof: Steffen Groitzsch, der als Wachmann in Berlin-Kreuzberg arbeitet, ist heute extra - trotz Hüftproblem - zur Station gelaufen. Er will wissen, ob er am kommenden Samstag überhaupt mit der Bahn zur Arbeit kommt.

Bahnfahren ist für ihn zum Abenteuer geworden. „Jedes Mal, wenn du hierher kommst, gibt´s ne andere Granate“, so Groitzsch, der sich zu helfen weiß: „Letztens, als ab Karow nichts fuhr, hat mich mein Kollege aus Schönfließ abgeholt.“

Eine Frau irrt im Bahnhofsgebäude herum auf der Suche nach Informationen, ein Mann klagt über überfüllte Ersatzbusse in Karow, eine andere tippt gerade einen Beschwerdebrief an die Bahn in ihr Handy. Jeder hat eine andere Art, mit dem ständigen Durcheinander umzugehen.

Genau dieses Durcheinander kann sich Karin Schwelgin, Pressereferentin der Bahn, eigentlich nicht erklären. Der Ersatzverkehr sei schwer zu planen, da man nie genau wisse, wer auf dieses Angebot zurückgreifen müsse. Doch darüber hinaus würden die Bahnangestellten alles tun, um die Kunden auf dem Laufenden zu halten: „Unsere Stationsinspektoren tauschen Fahrpläne und schildern den Ersatzverkehr aus. Die Kollegen tun, was sie können“, so Schwelgin.

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Zugausfall Karin Schwelgin Ersatzverkehr Steffen Groitzsch Zuglinie

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