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Stadtverordnetenversammlung billigt Bebauungsplan Nr. 2 / Öffentliche Auslegung geplant

Windpark
Weiteres Windrad bei Willmersdorf

Erneuerbare Energien: Rund um Willmersdorf gibt es bereits zahlreiche Windräder, nun soll eine neuer Windpark hinzukommen.
Erneuerbare Energien: Rund um Willmersdorf gibt es bereits zahlreiche Windräder, nun soll eine neuer Windpark hinzukommen. © Foto: Sergej Scheibe
Kai-Uwe Krakau / 10.08.2018, 08:00 Uhr
Willmersdorf Der Bebauungsplan Nr. 2 „Windpark Willmersdorf Ost“ wird öffentlich ausgelegt. Dies hat die Stadtverordnetenversammlung Werneuchen in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen.

Einen dicken Aktenordner, Arbeitsstand 12. Juli 2018, mussten die Stadtverordneten zu dem Vorhaben studieren – was auch durchaus Kritik hervorrief. „Das konnte man kaum alles lesen“, bemängelte beispielsweise Jeannine Dunkel von der CDU-Fraktion. Zudem fand es die Werneuchnerin nicht so gut, dort noch mehr Windräder aufzustellen, „wo die Menschen ohnehin schon belästigt werden“.

Ronald Eichstädt sprach die Probleme mit dem Schall und den Verschattungen an. Das seien Empfindungen, die man nicht mit einem Gutachten klären könne, so der fraktionslose Stadtverordnete. Er wies ferner darauf hin, dass mit Photovoltaik- und Windkraftanlagen inzwischen sechsmal mehr Energie erzeugt als verbraucht wird. „Wir haben nichts davon“, sagte Eichstädt und meinte wohl vor allem die Anlieger, die täglich unter den Anlagen leiden müssen. Die Wirklichkeit:  Verbraucher subventionieren über die mit dem Strompreis zu zahlende Umlage die erneuerbaren Energien. Die Gewinner sind die Investoren und natürlich die Eigentümer, die Flächen für die großen Windmühlen verkaufen oder verpachten. Viele Menschen beklagen zudem eine zunehmende „Verschandelung“ der Landschaft.

Die Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 2 „Windpark Willmersdorf Ost“ hatte die Stadtverordnetenversammlung in ihrer Sitzung am 21. Dezember 2017 beschlossen. Im Frühjahr waren dann 40 Behörden und sonstige Träger öffentlicher Belange aufgefordert worden, ihre Stellungnahmen zum Vorentwurf abzugeben. Die Resonanz fiel eher mager aus, lediglich 25 Schreiben gingen im Rathaus Werneuchen ein.

Im sachlichen Teilregionalplan  „Windnutzung, Rohstoffsicherung und -gewinnung“ der Region Uckermark-Barnim  ist die betreffende Fläche als Teil des Windeignungsgebietes Nr. 48 „Willmersdorf-Tempelfelde“ für die Errichtung von „raumbedeutsamen“ Windenergieanlagen berücksichtigt. Im Rahmen der Bauleitplanung hat die Gemeinde aber die Möglichkeit, Standorte für Anlagen im Plangebiet zu steuern beziehungsweise festzulegen. Windenergievorhaben sind im Außenbereich nach Paragraph 35 Absatz 1 Nr. 5 Baugesetzbuch grundsätzlich privilegiert.

Das Plangebiet liegt nach Angaben des Investors, der Teut Windprojekte GmbH, rund 1000 Meter nördlich der Ortslage Willmersdorf. Es ist 9,43 Hektar groß und wird landwirtschaftlich genutzt. Der Bereich bietet maximal Raum für zwei Windenergieanlagen der 3-MW-Klasse. Der Ortsbeirat präferiert einen Kompromiss. Dieser sieht ein großes Windrad der 4-MW-Klasse mit einem Abstand von 1200 Meter zur Ortslage Willmersdorf vor. Dies trage man mit, so der Investor.

Die Erschließung wird durch eine Erweiterung der Zuwegungen des vorhandenen Bebauungsplanes Nr. 1 erfolgen. Der Kirschenweg soll aus naturschutzfachlicher Sicht und aus Gründen der Erhaltung der landwirtschaftlichen Strukturen ausdrücklich nicht genutzt werden. Der Landesbetrieb Straßenwesen, so heißt es, habe seine Zustimmung zum Planvorentwurf signalisiert. Im Plangebiet gibt es das Biotop „Schulzenpfuhl“, das nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt ist. Die Fläche liegt zudem nicht in einem Kampfmittelverdachtsgebiet. Auch gehe man davon aus, dass es keine Bodendenkmale gibt.

Größere Bedenken gegenüber dem Projekt hatte im Mai der Deutsche Wetterdienst (DWD) geäußert. Das Plangebiet befindet sich innerhalb des 15-Kilometer-Schutzradius um das Wetterradar Prötzel (Märkisch-Oderland). Damit bestünden Höhenbeschränkungen für Windenergieanlagen von 200 Meter über NN (Geländehöhe plus Anlagenhöhe). Damit könnten die „Windmühlen“ lediglich 110 bis 120 Meter hoch sein, um nicht in die Radarstrahlen hineinzuragen.

In der Abwägung wird den Bedenken des DWD allerdings nicht gefolgt. Eine generelle Höhenbeschränkung werde aufgrund der Sachlage nicht für angemessen gehalten, heißt es.

Der Billigungs- und Offenlagebeschluss erfolgte mit 14 Ja-und zwei Nein-Stimmen sowie einer Enthaltung.

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