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Der Verein „Bernauer Schleife“ pflegt seit 60 Jahren ein besonderes Erbe / Großveranstaltung mit vielen Gästen

Bernauer Sport
Eine unvergessene Rennstrecke

Olav Schröder / 02.09.2018, 19:11 Uhr - Aktualisiert 03.09.2018, 10:25
Bernau (MOZ) Der Motorsportclub Bernauer Schleife hat zu seinem 60-jährigen Bestehen mit einem großen Veranstaltungstag an die legendäre ehemalige Rennstrecke bei Bernau erinnert. Gemeinsam mit dem Born to be Wild MC Wild East wurden Ausstellungen und Rennen organisiert.

Carsten Hein ist 1984 in den MC Bernauer Schleife eingetreten, fuhr DDR-Meisterschaften mit und geht seit drei Jahren bei Motocross-Classic-Rennen an den Start. Er steht an einer Karte und erläutert den einstigen Verlauf der knapp sechs Kilometer langen Bernauer Schleife. Heute befindet sich dort das Autobahndreieck Barnim (zuvor Dreieck Schwanebeck). Fahrerlager, Tribüne, Tankstelle und vieles mehr gehörten dazu. Das „Karussell“, die äußest enge Kurve, die später in das Dreieck integriert wurde, war als überhöhte Kurve gebaut worden. „Die Überhöhung war gepflastert und bei Nässe äußerst gefährlich“, ergänzt Rainer Göritz (72). Er berichtet, wie er sich als Kind mit Freunden von Ahrensfelde aus über den Acker auf die Rennbahn einschmuggelte, um den Eintritt zu sparen.

Der Verein "Bernauer Schleife" feierte in diesem Jahr sein 60. Bestehen mit alten und neuen Motorsportfahrzeugen, am Rande der Veranstaltung konnte man viele Motorräder bewundern. Der Werneuchner Motorrad Club kam mit einigen älteren Baujahren. Am Ende der Veranstaltung spielten zwei Liveband und die Motorradfans feierten ihre "Bernauer Schleife".
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Tatsächlich waren die internationalen Rennen auf der Bernauer Schleife äußerst beliebt. Das erste Rennen am 4. Mai 1952 besuchten 40 000 Zuschauer. In den 1960er-Jahren wurden es bis zu 120 000 Zuschauer, berichtet der Vereinsvorsitzende Dirk Stannek. Die Besucher kamen auch aus dem damaligen West-Berlin: „Sie benötigten kein Visum, die Schranke in Lindenberg wurde für sie geöffnet, es gab einen extra Korridor und einen eigenen Sektor für sie an der Rennstrecke“, berichtet Dirk Stannek. Die Bedeutung der Rennstrecke wird auch durch die internationale Beteiligung unterstrichen. Die Fahrer kamen nicht nur aus der DDR und der BRD. So musste auch schon mal Bewerbern aus Skandinavien wegen zu großer Beteiligung abgesagt werden.

Was wenig bekannt ist: Die „Geburtsstunde des Rennsports im Barnim“, so der Vorsitzende, sei eigentlich der 7. Oktober 1951 gewesen. Damals fand das Rennen „Rund um den Sportplatz“ statt. Die Strecke verlief vom historischen Wasserturm am Bernauer Sportplatz über die heutige Oranienburger Straße, Konrad-Zuse-Straße und Schö-nower Chaussee zurück zum Wasserturm.

„Ohne den MC Bernauer Schleife wäre nicht nur der Motorsport, sondern auch die Region um einiges ärmer“, würdigte Frank Milde, Vizepräsident des Allgemeinen Deutscher Motorsport Verbandes das 60-jährige Bestehen des Vereins. Der Verein und der Motorsport, der immer Menschen angezogen habe, seien eine Bereicherung für das Leben in der Stadt. Mitte der 1960er-Jahre zählte der Verein 192 Mitglieder, viele davon aus der Umgebung, etwa aus Werneuchen. Heute sind es 63 Mitglieder, von denen 40 aktiv sind.

Viele Gäste stellten ihre historischen Motorräder und Rennwagen auf dem Rundkurs der Verkehrswacht vor. Darunter waren der MC Werneuchen, der AWO-Club Danewitz, der Jawa-Club aus Prenzlau und Supermoto-Fahrer aus Oschersleben. Auf einer Messe in Berlin habe man sich kennengelernt und sei nun in Bernau hervorragend aufgenommen worden, sagte Gunnar Harsing, der aus der Nähe von Halberstadt kommt.

Für den Veranstaltungstag hat die Kreisverkehrswacht ihr Gelände als Gastgeber zur Verfügung gestellt. „Motorsport und Verkehrssicherheit bedingen sich. Deswegen begleiten wir den Tag gern, zumal es sonst kaum ein geeignetes Gelände gibt“, sagt Walter Papritz, Vorsitzender der Verkehrswacht.

Ein trauriger Tag in der Geschichte der Rennstrecke war der 26. September 1954. Ein Sportwagen wurde aus der Bahn geworfen. Drei Menschen, der Rennleiter und Funktionäre, starben. Am Gedenkstein für August Schütte, Richard Freiytag und Horst Wünsche im Bernauer Stadtpark wurde am Sonnabend ein Kranz niedergelegt.

Das Ende für die Schleife 1973 hatte zwei Gründe, so Dirk Stannek.  Zum einen wurde der Berliner Ring geschlossen, zum anderen sollte die B2 als Protokollstrecke zur Politbürosiedlung Wandlitz stets frei bleiben. Doch der Name „Bernauer Schleife“ ist nicht vergessen - wenn auch mitunter ein kleines Missverständnis auftaucht. Dirk Stannek berichtet, das junge Leute, die zu den heutigen Motocross-Veranstaltungen des Vereins bei Schönfeld kommen, die Strecke dort mitunter für die historische Bernauer Schleife halten.

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