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Gedenkveranstaltung in Weesow / Die Zahl der Zeitzeugen mit authentischen Berichten wird immer geringer

Gedenkveranstaltung
Erinnerung an Opfer des NKWD-Lagers

Zum Gedenken: Nach einer Schweigeminute wurden Kränze und Blumen niedergelegt.
Zum Gedenken: Nach einer Schweigeminute wurden Kränze und Blumen niedergelegt. © Foto: Renate Meliß
Renate Meliß / 03.09.2018, 06:00 Uhr - Aktualisiert 03.09.2018, 10:30
Weesow „Wir versammeln uns heute hier, um der Toten des NKWD Speziallagers zu gedenken“, sagte Hans-Joachim Spiegel, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Werneuchen, der zu der Veranstaltung an der Gedenkstätte eingeladen hatte. In dem aus fünf Bauernhöfen bestehenden Lager, das von der Sowjetarmee nach dem 8. Mai 1945 eingerichtet wurde, waren etwa 6000 Menschen gefangen gehalten worden. 1500 von ihnen starben innerhalb von nur drei Monaten an seelischen und körperlichen Grausamkeiten. Alte, Junge, Soldaten, Jugendliche - zumeist unter dem Vorwurf der Organisation „Werwolf“ angehört zu haben, Schuldige und Unschuldige waren es, die hier unter katastrophalen Bedingungen und vor allem infolge einer Ruhr-Epidemie ihr Leben lassen mussten.

Das Internierungslager wurde im Anschluss nach Sachsenhausen verlegt. Etwa 2000 völlig entkräftete Häftlinge mussten im August 1945 einen 40 Kilometer langen Fußmarsch nach Oranienburg antreten. In der DDR war die Existenz des Lagers mit einem Tabu belegt und sowohl Opfern als auch Angehörigen blieb kein Platz für ihr Leid.

Noch heute erinnern sich einige der Teilnehmer, die nach einer Schweigeminute Kränze und Blumen niederlegten, der Mahnungen von damals: niemals darüber zu sprechen, was geschehen sei und was sie gesehen hätten. Unter den Besuchern der letzten Jahre war auch Herta Graetz gewesen, die im Juli und August 1945 ebenfalls inhaftiert war.  Drei Jahre - bis 1948 -  musste sie in Gefangenschaft ausharren. Doch sie ist leider umgezogen, wie Hans-Joachim Spiegel mitteilte. Sie ist wohl eine der letzten Zeitzeuginnen.

„Um so wichtiger ist es, das Gedenken an die Opfer in Erinnerung zu behalten und Kindern und Jugendlichen weiter zu geben, damit sie wissen, wozu Menschen in der Lage waren“, sagte der Landtagsabgeordnete Uwe Liebehenschel. Um dabei auch die rhetorische Frage zu stellen, ob auf begangenes Unrecht - das Deutschland im Zweiten Weltkrieg millionenfach über die Sowjetunion und andere Länder gebracht hat - mit abermaligem Unrecht reagiert werden kann.

Die Speziallager in Buchenwald und Sachsenhausen wurden in den beiden ehemaligen KZ Buchenwald und Sachsenhausen eingerichtet, welche die Sowjetische Besatzungsmacht ab August 1945 weiter genutzt hatte.

Von 1938 bis Kriegsende residierte die im Auftrag des Reichsführers SS Heinrich Himmler eingerichtete IKL (Inspektion der Konzentrationslager) in einem von Häftlingen erbauten repräsentativen Gebäude am Rande des KZ Sachsenhausen in Oranienburg und verwaltete dort 32 KZ-Hauptlager mit über 1000  Nebenlagern. Etwa 100 SS-Männer entschieden über Ernährung, Bekleidung und Unterbringung der Häftlinge, über Transporte und Todesmärsche, über Strafen und Hinrichtungen, Zwangsarbeit, medizinische Experimente und Massenmorde.

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