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Die jüngste Überarbeitung des Brandenburger Planungspapieres hält für den Niederbarnim wenig Gutes bereit

Heidekrautbahn
Enttäuschung beim Nahverkehr

Moderner Bahnhof, wenige Züge: Der RB25 fährt in den modernisierten Bahnhof Werneuchen ein, der ebenso wie die Stationen Ahrensfelde Nord, Blumberg und Seefeld (Mark)  modernisiert wurde. Die einheitlich 105 Meter langen und 76 Zentimeter hohen Bahnsteige sind einschließlich Blindenleitsystems nun barrierefrei. Unter anderem wurden auch Beleuchtung und Wetterschutz erneuert.
Moderner Bahnhof, wenige Züge: Der RB25 fährt in den modernisierten Bahnhof Werneuchen ein, der ebenso wie die Stationen Ahrensfelde Nord, Blumberg und Seefeld (Mark)  modernisiert wurde. Die einheitlich 105 Meter langen und 76 Zentimeter hohen Bahnsteige sind einschließlich Blindenleitsystems nun barrierefrei. Unter anderem wurden auch Beleuchtung und Wetterschutz erneuert. © Foto: Jörg Carstensen
Hans Still / 03.09.2018, 20:19 Uhr
Bernau/Wandlitz Der jüngste Nahverkehrsplan des Landes sorgt in der Region für Verärgerung und bange Fragen. Weder der Zehn-Minuten-Takt für Bernau noch die Inbetriebnahme der Stammstrecke von Schönwalde  nach Wilhelmsruh finden sich in der erwarteten Form im Planungspapier.

Für den Bernauer CDU-Vorsitzenden Daniel Sauer liegt die Sache klar auf der Hand. „Jetzt haben wir es amtlich: Die Landesregierung hat sich dafür entschieden, unsere Region weiter abzuhängen. Der vorgelegte Plan ist ein Schlag ins Gesicht der tausenden Berufspendler, die jeden morgen von und nach Berlin fahren“, wettert Sauer via Pressemitteilung und schießt damit gegen die Rot-Rote-Regierung im Land. Der seit Jahren diskutierte Zehn-Minuten-Takt werde laut dem neuesten Strategiepapier vorerst nicht kommen. Bis zum Jahr 2022 bleibt es wohl beim 20-Minuten-Takt zwischen Bernau und Berlin Buch. „Das SPD-geführte Verkehrsministerium verkauft Planungsabsichten als Erfolg und vergisst, dass kein Zug fährt, nur weil ein Papier beschrieben ist“, annonciert Sauer dringenden Handlungsbedarf.

Aufregung auch im Wandlitzer Bereich: Dietmar Seefeldt, Vorsitzender der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Heidekrautbahn (KAG), übergab am Montag knapp 6000 Unterschriften einer Online-Petition an Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD). Seit Jahren wird die Reaktivierung der Stammstrecke von Schönwalde nach Berlin-Wilhelmsruh sowie die Erweiterung bis nach Gesundbrunnen gefordert. Hans Günther Oberlack, Bürgermeister von Glinicke/Nordbahn und Jörn Lehmann, Bürgermeister von Liebenwalde, begleiteten und unterstützten Seefeldt – insgesamt hatten sie 30 Minuten Gesprächszeit bei Ministerin Schneider. „Es ist alles im Fluss und geht in die Planung. Die Frage ist nur wann“, reagierte Seefeldt nach dem Gespräch auf Fragen zu den Ergebnissen. Demnach habe die Ministerin zusichert, die Wandlitzer Wünsche sowie die Forderungen aus Oberhavel fest im Blick zu behalten. „Die weitere Entwicklung hängt davon ab, inwieweit alle Mitstreiter die Eckpunkte festklopfen“, zitierte Seefeldt aus dem Gespräch. Zugleich räumte er ein: „Nichts ist zu einhundert Prozent in Sack und Tüten. Bis 2022 können wir keine Veränderungen erwarten“. Für die Region bleibt jedoch Eile geboten. 2021 verfällt eine Baugenehmigung für den Stammast, wie allen Beteiligten bestens bekannt ist. Seefeldt bezeichnete das Treffen mit der Ministerin als einen Mosaikstein. Dies gelte auch für eine Konferenz zum Stammast, die im Oktober in Wandlitz stattfinden soll. Dort könnte es möglicherweise zur Unterschrift unter eine Planungsvereinbarung kommen, die die Niedernbarnimer Eisenbahn (NEB) und das Land abschließen wollen. Die geforderte Erweiterung nach Gesundbrunnen wäre allerdings nicht Teil dieser Vereinbarung, da für diesen Abschnitt weiterführende Verhandlungen vonnöten sind.

Völlige Ernüchterung und tiefe Enttäuschung sind derweil aus Ahrensfelde und Werneuchen zu vernehmen. Thomas Gil, er ist SPD-Fraktionsvorsitzender in der Werneuchener Stadtverordnetenversammlung, zeigte sich nach eigenen Worten „völlig enttäuscht“. Die einstimmig beschlossenen Forderungen der Werneuchener fanden keine Berücksichtigung. Weder die Erhöhung der Taktfrequenz von 60 Minuten auf eine halbe Stunde noch die Ausweitung des bestehenden Zugangebotes auf die Zeit von 4 bis 24 Uhr. „Es bleibt bei der stündlichen Anbindung, was dazu führt, dass die Pendler weiterhin lieber das Auto nehmen und auf die schwer überlastete B 158 ausweichen. Dabei werden die Zustände auf der Bundesstraße immer schlimmer, sowohl werktags als auch an den Wochenende kann man selbst um 8 Uhr morgens schon im Stau stehen.“

Wilfried Gehrke (CDU), Bürgermeister im benachbarten Ahrensfelde, kommt zur gleichen Erkenntnis. „Unsere Forderung zur Taktverdichtung bei der Regionalbahn 25, die wir zusammen mit Werneuchen unter anderem in einem Positionspapier fordern, ist nicht aufgenommen worden. Es gibt nicht einmal einen Prüfauftrag dafür. Im Moment müssen wir davon ausgehen, dass in dieser Hinsicht nichts passieren wird, das finde ich traurig.“ Auch Gekrke macht auf die Situation auf den Straßen aufmerksam. „Wir müssen aber unseren Bürgern etwas bieten, wenn wir nicht wollen, dass sie sich mit dem Auto auf den Weg machen.“

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