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Absicherung der Tagesbereitschaft ist eine der wichtigsten Aufgaben bei den Feuerwehren

Feuerwehr
Ära als Stadtbrandmeister bald zu Ende

Beim Deponiebrand in Bernau 2004: Rainer Sachse war bis 2011 auch Brandenburger Vize-Landesbranddirektor.
Beim Deponiebrand in Bernau 2004: Rainer Sachse war bis 2011 auch Brandenburger Vize-Landesbranddirektor. © Foto: Thomas Burckhardt
Kerstin Ewald / 14.09.2018, 07:30 Uhr
Werneuchen (MOZ) Stadtwehrführer Rainer Sachse stellt ab Januar seinen Posten als oberster Werneuchener Feuerwehrmann zur Verfügung. Dem Brandschutz und den Kameraden bleibt er leidenschaftlich verbunden. Mit seiner Entscheidung folgt er strategischen Überlegungen.

Seine Sommerferien nützte Rainer Sachse, um die anstehende Entscheidung reifen zu lassen. Schließlich war er sich sicher: Genau jetzt ist der richtig Zeitpunkt, das Ehrenamt des Stadtbrandmeisters niederzulegen. Der für Ende Dezember geplante Rücktritt bedeutet nicht, dass er sich aus der Feuerwehrarbeit zurückziehen wird.

Im Gegenteil: Dieser Schritt, so seine Erwägung, ermöglicht ihm, noch vor der Rente und zusammen mit einer neuen Führungsriege die städtischen Feuerwehren fit für die neuen Gegebenheiten in Werneuchen zu machen. Sachse, der im Oktober sechzigsten Geburtstag feiert,  steht dabei weiter als Berater, als stellvertretender Kreisbrandmeister, als Angestellter der Werneuchener Verwaltung für Brand- und Katastrophenschutz und nicht zuletzt als einsatzbereiter Feuerwehrmann zur Verfügung. Einsätze dürfen, das ist gesetzlich geregelt, bis 65 Jahre gefahren werden.

„Ich bin weder frustriert noch aufgerieben, mir geht es um die Zukunft der Feuerwehr“, erklärt Sachse, der in den letzten Tagen seine Kameraden in unterschiedlichen Zusammensetzungen traf, um ihnen sein Vorgehen zu erläutern. Dieses hatte er bereits im August mit Bürgermeister Horn abgeglichen. Bei den Kollegen traf er auf Akzeptanz.

Im Hintergrund von Sachses Entscheidung steht auch eine Herausforderung, der sich Stadt und Wehren ab 2019 stellen müssen: Dann nämlich muss für Werneuchen eine neue Gefahren- und Risikoanalyse erstellt werden muss, aus der resultierend dann der neue Feuerwehrbedarfsplan geschrieben wird. Im Grunde ein normaler Vorgang, der im gesetzlich vorgegebenen Turnus abgearbeitet wird.

Außergewöhnlich sind allerdings die ständig wachsenden Anforderungen, denen auch die Freiwillige Feuerwehr Werneuchen entsprechen muss – und das bei schrumpfenden Mitgliederzahlen. Dazu kommen immer mehr Pendler unter den aktiven Mitgliedern, die am Tage nicht zur Verfügung stehen, da ihre Arbeitsstätte weit entfernt liegt. Werneuchen ist da kein Sonderfall, das Problem kennen viele Feuerwehren auf ehrenamtlicher Basis. Für alle wird es zunehmend schwierig, die Einsatzbereitschaft von 8 bis 18 Uhr aufrecht zu halten.

Während also Kräfte schwinden, wächst das Aufgabengebiet der Feuerwehren. Neue Wohngebiete wurden gebaut, weitere sind in Planung, damit einher geht der Infrastrukturausbau – Kindergärten, Schulen, Straßen. Dazu kommen Orte mit erhöhtem Risiko wie das Werneuchener Tanklager. Der Verkehr auf der Schiene und auf den Straßen nimmt zu.

Erst am Montag Mittag hat sich in der Gegend zwischen Schönfeld und Willmersdorf ein schwerer Unfall zugetragen, bei dem ein Autofahrer mit einem Baum kollidierte und eingeklemmt wurde. 12 bis 16 Feuerwehrleute werden für solch einen Einsatz benötigt. Wieder hat man per digitalem Meldegerät genügend Kollegen alarmieren können, die die Rettungsschere bedienten, die Straße sperrten und den Hubschraubereinsatz absicherten.

Doch kostet es mehr und mehr Aufwand, die Wehrbereitschaft zu sichern, da die Kräfte aus einem immer größerem Umkreis zusammengezogen müssen. „Es muss sich dringend etwas ändern“, meint Rainer Sachse, „andernfalls ist ein Ende des Systems abzusehen. Es darf auch nicht so weit kommen, dass unsere Leute verheizt werden.“ Auch auf übergeordneten Ebenen müsse bald ein Umdenken beginnen.

In Werneuchen und in den Ortsteilen werden nun qualifizierte Feuerwehrleute gesucht, die ab nächstem Jahr Führungsverantwortung übernehmen, zusammen mit dem jetzigen Vize-Stadtbrandmeister Rayk Miekley – so will es Sachse. Sie sollen den Umstrukturierungsprozess voranbringen. Rainer Sachse wird ihnen zur Seite sehen.

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