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Peter Liebehenschel warnt vor Verkehrsinfarkt auf der L 100 und schlägt vor, kleine Straßen zu ertüchtigen

Verkehr
Neue Lösungen braucht das Land

Hans Still / 10.01.2019, 06:15 Uhr - Aktualisiert 10.01.2019, 09:02
Basdorf (MOZ) Die Gemeinde Wandlitz muss dringend handeln, um einem Verkehrsinfarkt zu entgehen. Vor allem auf der L 100 staut sich der Verkehr täglich massiv. Peter Liebehenschel, Ortsvorsteher in Basdorf, orientiert auf die Verbesserung der Bahn- und Busangebote und schlägt vor, kleinere Straßen zu ertüchtigen.

Insbesondere in Wandlitz und Basdorf ist das Thema brennend. Klosterfelder Handwerker  benötigen im Morgenverkehr mittlerweile 45 Minuten, um auf die Baustelle der „Basdorfer Gärten“ zu gelangen. Basdorf zählt derzeit 5800 Einwohner und erwartet in den nächsten vier bis fünf Jahren allein durch die Entwicklungen auf dem ehemaligen Polizeigelände bis zu 1500 neue Einwohner. „Parallel läuft ja auch die Verdichtung in den Wohngebieten weiter, das können wir gar nicht verhindern“, mahnt nun Liebehenschel aus Sorge vor weiteren Blechlawinen. Auch in Wandlitz läuft die innerörtliche Verdichtung munter weiter, angesichts der zum Teil noch sehr lockeren Bebauung dürfte sich diese  ebenfalls verstärken.

Der Neubau von Entlastungsstraßen scheidet nach Liebehenschels Meinung allerdings aus, da beispielsweise in Ahrensfelde zu erleben sei, wie derartige Verfahren sich über Jahrzehnte hinziehen würden. „Eine Trasse in Richtung Nord-Ost führt in Richtung Gorinsee durch den Wald, niemals gibt es dafür eine Genehmigung. Und in Richtung Mühlenbeck verhält es sich ganz ähnlich“, wählt der Ortsvorsteher den kompletten Neubau von Straßen ab.

Daher solle die Gemeinde zuerst mit aller Vehemenz auf die Verbesserung der Bahnanbindung orientieren. Dazu gehört neben einer Verdichtung der Taktzahlen auf der Heidekrautbahn auch die Forderung nach einem zweiten Gleis auf der Strecke Karow-Wandlitz. „Nach meinem Wissen wäre der Platz dafür da. Und wir kommen aus dem Dilemma raus, dass sich ständig zwei Züge auf einem Gleis entgegen fahren.“ Aus familiärer Erfahrung spricht Liebehenschel einen weiteren Punkt an, der allerdings nicht in Wandlitz entschieden werden kann, sondern mindestens landespolitische Relevanz aufweist. „Die Pendler müssen rechnen. Und wenn es selbst als Alleinfahrer günstiger ist, in Pankow-Heinersdorf einen Parkplatz zu bezahlen, als ein Bahnticket zu kaufen, dann müssen eben die finanziellen Anreize verbessert werden. Das klingt vielleicht verrückt, aber  das wäre aus meiner Sicht die Forderung nach einem kostenfreien öffentlichen Personennahverkehr. Andere Länder bekommen das doch auch hin.“

Nun wird es vermutlich noch Jahre brauchen, ehe dieser Gedanke sich deutschlandweit Bahn bricht. Und auch die Bemühungen der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) um die Reaktivierung der Stammstrecke von Schönwalde nach Wilhelmsruh zeigen an, wie groß das Maß der Geduld sein muss, um im bahngebundenen ÖPNV tatsächlich Verbesserungen durchzuboxen.

Darum muss es laut Liebehenschel kleinteilige Lösungen geben, die aus eigener Kraft umsetzbar seien. Dazu zählt er beispielsweise die Ertüchtigung von kleineren Straßen, die parallel zur L 100 verlaufen. Ähnlich der Debatte im Ortsteil Wandlitz über eine zweite Anbindung der Anwohner östlich der NEB-Trasse, müssten auch für Basdorf entsprechende Möglichkeiten diskutiert werden. „Dabei geht es immer darum, den Anwohnern einen Weg anzubieten, der eben nicht die L 100 sein muss“, kleidet Liebehenschel seine Vorschläge geschickt ein, denn natürlich erwartet er Proteste von Anliegern der betroffenen Routen.

Vorschlag Nummer eins: Die unter dem früheren Amtsdirektor Udo Tiepelmann entwidmete Verbindung von Basdorf zur B 273 wird wieder eröffnet. „Diese Entwidmung ist ja nicht gottgegeben, sondern von Menschenhand gemacht. Ich war damals dagegen und empfand das als falsch. Die Straße ist nach wie vor in einem guten Zustand und bietet einen guten Zugang in Richtung Autobahn.“

Vorschlag Nummer zwei orientiert auf den Mühlenbecker Damm. Diese Straße ließe sich „problemlos“ bis zum Gewerbegebiet erweitern, sodass viele Pendler im westlichen Teil der Basdorfer L 100 in Richtung Berlin fahren könnten, ohne im Ort auf die Prenzlauer Straße auffahren zu müssen. Und schließlich sei die Rosenstraße eine Piste, die Verkehr aus den östlichen Siedlungsteilen aufnehmen könnte. Dazu müsste die Straße Waldkorso ausgebaut werden, aber das wird wohl im Zusammenhang mit der Erschließung der „Basdorfer Gärten“ ohnehin nicht ausbleiben.

Beifall erwartet Liebehenschel für diese Vorschläge nicht unbedingt, zumal den Anliegern der Lanker Straße vom damaligen Bauträger zugesagt wurde, dort werde künftig kein überörtlicher Verkehr mehr stattfinden. Angesichts der zunehmenden Gefahr eines Kollapses auf der L 100 müsse aber nun auch über die kleineren Lebensadern nachgedacht werden, wirbt Liebehenschel um Verständnis.

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