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Brandenburgs Finanzminister testet  Bahnstrecke von Eberswalde nach Templin / Schranken in Friedrichswalde bis zu 20 Minuten unten

Bahnverkehr
Wiederbelebung mit Tücken

Marco Marschall / 11.01.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 11.01.2019, 16:12
Eberswalde/Joachimsthal (MOZ) Für die Fahrgäste, von denen es auf der Strecke Eberswalde-Templin noch mehr werden müssen, läuft alles glatt. Finanzminister Christian Görke (Linke) hat es am Mittwoch ausprobiert. Allerdings gibt es auch ein echtes Ärgernis.

Um 15.56 Uhr startet der Zug vom Eberswalder Bahnhof nach Templin und er ist voll. Fast jeder der 70 Sitzplätze ist belegt. Brandenburgs Finanzminister Christian Görke, Birk Polten vom Tourismusverein Schorfheide-Chorin, Templins Bürgermeister Detlef Tabbert und Gefolge müssen stehen. Bei den Parteifreunden Görke und Tabbert führt das zu allem anderen als Frust. „Wenn mir vor drei Jahren jemand gesagt hätte, dass ich hier stehen muss, hätte ich es nicht geglaubt“, sagt der Minister sichtlich gut drauf.

Görke muss sehen, dass das Geld im Landeshaushalt reicht. Daher gebe er eigentlich nicht gerne. Doch für die Wiederbelebung der Bahnstrecke zwischen Joachimsthal und Templin habe er gute Argumente bekommen. Das Geld, das das Land dafür locker macht, sind stolze 1,7 Millionen Euro pro Jahr. 1,9 Millionen müssen insgesamt jährlich für den Probetrieb bereitgestellt werden. 200 000 Euro teilen sich Landkreise und Kommunen an der Strecke. Drei Jahre läuft der Betrieb. 300 Fahrgäste braucht es täglich, um Joachimsthal-Templin weiter zu bedienen. Der Betrieb von Eberswalde nach Joachimsthal wurde nie eingestellt. Dort herrscht Stundentakt. Alle zwei Stunden fährt der Zug seit Anfang Dezember wieder bis in die Uckermark.

Da macht es gute Laune, wenn die Bahn voll ist. Doch das Bild am Eberswalder Bahnhof trügt. Viele der Gäste – ein Großteil sind Schüler – sind am Bahnhof Joachimsthal ausgestiegen. Die Teilnehmer der Ministerfahrt nicht mitgerechnet, verringert sich die Zahl auf knapp zehn Reisende, die am Mittwochnachmittag noch nach Templin wollen. Jetzt gibt es Sitzplätze und jetzt steigt auch Detlef Bröcker, Geschäftsführer der Niederbarnimer Eisenbahn, zu.

„Wer schöne Zahlen haben möchte, muss im Sommer starten“, macht er deutlich. Bisher liege die Hausnummer der Fahrgäste knapp unter einem Drittel der Zielzahl. Das hat mehr Gründe als das dürftige Wetter für Ausflügler. Noch fahren in der Uckermark Busse und Bahnen parallel. Pendler sollten zwei Monate Zeit bekommen, um sich an die neue Verkehrssituation zu gewöhnen. Sobald der Parallelbetrieb wegfällt, wird auch mit einem Anstieg der Fahrgäste gerechnet. Einige nutzen schon jetzt lieber den Zug, weil es komfortabler ist.

Ein großes Manko gibt es noch in Friedrichswalde – nicht für Bahnfahrer, sondern für den Straßenverkehr. Noch bevor der Zug aus Joachimsthal beziehungsweise aus anderer Richtung aus Milmersdorf abfährt, gehen in Friedrichswalde die Schranken runter. Für bis zu 20 Minuten! Denn in der Schorfheidestadt hat der Zug der NEB kurzen Aufenthalt und zwischen Milmersdorf und Friedrichswalde liegen noch zwei weitere Stationen.

Bei der Ministerreise macht Joachimsthals Tourismuskoordinatorin Christine Nieter auf das Defizit aufmerksam. Angeblich ließe sich das Problem mit 60 000 Euro beheben. „Bei 1,9 Millionen im Jahr werden wir wohl noch 60 000 Euro auftreiben“, sagt Görke und dringt auf schnelle Lösung.

Auch aus Sicht des Joachimsthaler Amtsdirektors Dirk Protzmann ist der Zustand nicht hinnehmbar. Wie ihm die Hanseatische Infrastrukturgesellschaft mbH (HIG) mitteilt, hatte die DB Netz AG den Bahnhof Friedrichswalde 2017 zum Haltepunkt mit manuell bedienten Schranken umbauen lassen. Zuvor habe der Fahrdienstleiter den Zeitpunkt des Schließens der Schranken selbst bestimmen können, da der Bahnhof mit Hauptsignalen ausgerüstet war. Seitens der HIG werden bereits kostengünstige Varianten geprüft, um das Ärgernis zu beheben, heißt es im Schreiben ans Amt.

Wie das Unternehmen auf Nachfrage der Märkischen Oderzeitung am Donnerstag mitteilt, hänge es tatsächlich an einer Investition von 60 000 Euro. Bisher sei eine Veränderung nicht abzusehen.

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