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Der spanische Botschafter in Deutschland, Ricardo Martínez, beantwortete Fragen der Schüler

Diplomatie
Spannendes Fenster im Schulalltag

Zu Gast im OSZ I Barnim: Der spanische Botschafter in Deutschland, Ricardo Martinez, sprach mit den Schülern über Europa, erzählte aber auch Persönliches aus seinem Leben und seiner diplomatischen Karriere.
Zu Gast im OSZ I Barnim: Der spanische Botschafter in Deutschland, Ricardo Martinez, sprach mit den Schülern über Europa, erzählte aber auch Persönliches aus seinem Leben und seiner diplomatischen Karriere. © Foto: Kai-Uwe Krakau
Kai-Uwe Krakau / 26.03.2019, 06:45 Uhr
Bernau Hoher Besuch im Oberstufenzentrum Barnim: Der spanische Botschafter in Deutschland, Ricardo Martínez, und der brandenburgische Staatssekretär Thomas Kralinski diskutierten am Montag mit den Schülern über Europa.

Kurz bevor die beiden Gäste den Raum betreten, blickt Dominique Schumann nochmal auf ihre Notizen. Etwas nervös ist die junge Frau schon, wird sie doch gleich die anderthalbstündige Veranstaltung moderieren. Doch nach den ersten Sätzen ist die Aufregung verflogen. Gemeinsam mit der stellvertretenden Schulleiterin Simone Kopp stellt die Schülerin zunächst die Bildungseinrichtung vor. Sie berichten vom "Psychodrom", dem Raum, in dem es um achtsames Lernen geht. Auch über ein Projekt, das sich mit dem 100-jährigen Bestehen des Bauhauses beschäftigt, wird berichtet. Schließlich erzählt und zeigt Lara in einem Video, wie sie sich auf die Sprachprüfung vorbereitet hat.

Die erste Frage an den Botschafter gilt dann seinem Alltag. Ob dieser spannend sei, will eine Schülerin wissen. "Kein Tag ist wie der andere", antwortet Martínez. Er spricht über die kulturellen Beziehungen und wie wichtig Sprachen sind. "Sie öffnen viele Türen". Dann geht es um die diplomatische Karriere des Spaniers. Sein erster Posten sei in Bonn gewesen, erzählt er und fügt hinzu. "Mein Land war das erste, dass für die Wiedervereinigung Deutschlands gearbeitet hat".

Eine andere Schülerin bittet noch um "Insider-Tipps" für Madrid. Doch da kann Martínez kaum helfen. Er sei zu lange weg aus der spanischen Hauptstadt, sagt er. Was schwierig an seinem Beruf sei, will eine weitere Schülerin wissen. Die Familie, die Kinder kämen zu kurz, antwortet der Botschafter. Sie könnten zwar einige Sprachen sprechen, hätten aber keine wirklichen Wurzeln und das sei schade.

Schließlich wird es doch politisch. Wie er zum Brexit stehe, will OSZ-Leiterin Cordula Barthel wissen. "Das ist dramatisch", findet der Diplomat. Man brauche ein starkes Europa, auch mit Großbritannien. Mit dem Brexit könnten alle nur verlieren, so Martínez. "Europa ist nichts Selbstverständliches", ergänzt Thomas Kralinski, der brandenburgische Staatssekretär für Internationale Beziehungen. Es sei vielmehr eine Errungenschaft, für die man sich einsetzen müsse. "Es ist deshalb wichtig, zur Wahl zu gehen", so Kralinski.

Auf eine entsprechende Frage sagt der spanische Botschafter, dass er hoffe, Bundeskanzlerin Angela Merkel bleibe wenigstens noch bis zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft im Amt, die im Juli 2020 beginnt. "Frau Merkel ist eine starke Politikerin für Europa", so der Diplomat. Die CDU-Politikerin  kenne alle Probleme und sei auch in der Lage, diese lösen zu helfen. "Wir brauchen viele Reformen, beispielsweise bei der Migration und dem Sozialwesen", so Martínez. Der Bundesrepublik Deutschland bescheinigte er eine hohe politische Kultur, auf die man stolz sein könne. Natürlich könne man auch einiges kritisch sehen. "Alles kann verbessert werden".

Auch zur politischen Situation in Venezuela äußert sich der spanische Botschafter. Es sei "schrecklich", was dort passiere. Eine Lösung könne nur auf politischer und diplomatischer Ebene erreicht werden, so Martínez. Es sei aber völlig offen, wann das geschehen könne. Der Botschafter erinnert in diesem Zusammenhang auch an den Kongo. "Dort sind in den vergangenen 20 Jahren mehr als sechs Millionen Menschen getötet worden", sagt der Diplomat. Dies habe die Welt jedoch vergessen.

Zum Abschluss dankt die stellvertretende Schulleiterin den beiden Gästen für ihren Besuch. "Unsere Schüler sind eigentlich schon alle Europäer", so Simone Kopp. Die Diskussion sei ein "spannendes Fenster im Schulalltag" gewesen.

Botschafter Ricardo Martínez freut sich, wieder einmal unter jungen Menschen gewesen zu sein. "Man bekommt damit ein Gefühl dafür, was junge Leute wollen", betont der spanische Diplomat.

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