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Als Ausweg aus einem erbitterten Streit fordern einige Pächter die Umwandlung der Werftpfuhler Kleingartensiedlung in eine Erholungsanlage. Der Vorstand will davon allerdings nichts wissen.

Laubenpieper
Getrübtes Glück in der grünen Oase

Kerstin Ewald / 15.05.2019, 06:15 Uhr
Hirschfelde (MOZ) Kleingärten im Berliner Umland sind wieder begehrt. Auch die 160 Werneuchener Parzellen vom Verein der Kleingärtner Werneuchen-Ost (VdK) sind gut ausgelastet. Wer über gärtnerische Betätigung hinaus Lust auf Geselligkeit hat, der kann dort mit anderen im Vereinshaus zusammenkommen, eine der Pflanzentauschbörsen oder den Gemeinschaftsgarten besuchen. Doch für einige Kleingärtner leidet die Idylle seit geraumer Zeit. Sie fühlen sich vom Vorstand der Kolonie ungerecht behandelt, finden, dass dieser bei der Regelkontrolle mit mehrerlei Maß misst. Darüber vergiften persönliche Animositäten das Klima.

"Manche in der Kolonie haben sich einen Sichtschutz zu den Nachbarn gebaut, an Stellen, wo das laut Gartensatzung nicht erlaubt ist", beschwert sich zum Beispiel die Berlinerin Petra Montag. Sie ist schon seit 1992 Parkzellenpächterin beim VdK. Sie habe beim Vorstand vier Sichtschutzfelder beantragt, die sie, als nach Jahren immer noch keine Antwort kam, einfach aufgestellt habe. Ein anderes Streitthema in der Gartensiedlung sind die überdachten Terrassen. Laut Kleingartengesetz dürfen die Lauben einschließlich eines überdachten Freisitz höchstens 24 Quadratmeter Grundfläche bedecken. Sie dürfen überdies hinaus nicht zum dauerhaften Wohnen geeignet sein. Petra Montag hatte in den 90er Jahren eine Sondergenehmigung für eine Terrasse erhalten und dafür eine Kaution von 300 Euro gezahlt. Inzwischen gelte bei diesem Thema Willkür im Verein, lautet ihr Vorwurf.

Zusammen mit Petra Montag gehören auch Torsten Hoske und seine Lebensgefährtin Sylke Hahl aus Berlin mit einigen weiteren Pächtern zur Fraktion der Unzufriedenen in der Siedlung. Auf sie ließe der Vorstand wegen verschiedener Regelverstöße Abmahnungen samt Kündigungen hageln, während er anderen großzügig begegnete. So haben sie sich mit den Verantwortlichen  richtig verkracht. Der Streit erreichte seinen bitteren Höhepunkt, als der Vorstand Sylke Hahls Tochter Vivien Hahl und Lebensgefährten – trotz mündlicher Zusage, wie sie meinen – den Pachtvertrag für eine Parzelle verweigerten. Die Familie hatte da allerdings schon 10 000 für die Hütte auf selbigem Grund bezahlt. Formal steht dem Vorstand durchaus das Recht zu, einen Pachtvertrag zu verweigern, was vor Gericht in zweiter Instanz bestätigt wurde. Nach langem Hin und Her endete der Streit damit, dass Familie Hoske-Hahl das hübsche Häuschen Mitte April abriss.

Vorstand dementiert Vorwürfe

Andreas Sauer, seit 2009 Vereinsvorstand beim VdK, weist alle Vorwürfe zurück. Er versichert, er und andere Vorstandsmitglieder führten alle zwei Jahre eine Begehung jedes Grundstückes durch. "Wer die Regeln nicht einhält, wird aufgefordert, den ordnungsgemäßen Zustand herzustellen. Wer sich nicht daran hält, wird er- und dann abgemahnt, unabhängig von der Stellung im Verein", erklärt Vorsitzender Sauer. Das gelte auch für Vorstandsmitglieder. Über die ungenehmigten Sichtschutzwände habe er mit den Pächtern gesprochen. Leider seien diese für Kompromisse unzugänglich gewesen. Darüber hinaus habe man aus formalen Gründen Vivien Hahl und Lebensgefährten den Pachtvertrag vorenthalten. Die "Kaution" für die unzulässige Terrasse sei eine Altlast aus der Anfangszeit des Vereins.

Torsten Hoske kämpft aber auch auf einer viel grundsätzlicheren Ebene. Die Parzellensiedlung VdK entspricht schon lange nicht mehr den Regeln des Bundeskleingartengesetzes, findet er. Er selbst habe – wie die meisten in der Siedlung – eine Küche, eine Dusche und einen Schlafraum in seiner Hütte. Er fordert die Umwidmung des VdK-Geländes von einer Kleingartensiedlung in Erholungsgrundstücke – so wie das auch in der Nachbarschaft, der ehemaligen Kleingartensiedlung "Alte Sägemühle", geschehen sei. Hoskes Meinung müsste allen voran die Stadt Werneuchen als größte Grundeigentümerin der Kolonie ein Interesse an der Umwandlung haben. "Wenn die Verwaltung die Kleingärten in eine Erholungsanlage umwidmen würde, könnte sie die Pacht von momentan zehn Cent auf einen Euro pro Quadratmeter erhöhen." So hätte die Stadt auf einen Streich um die 60 000 jährliche Einnahmen mehr, argumentiert Hoske.

Vereinsvorsitzender Sauer will davon allerdings nichts wissen: "Der Verein unterstützt die Umwidmung in keiner Weise, denn wir sehen hier keine Verletzung des Bundeskleingartengesetzes." Die Mehrheit der Mitglieder sehe das genauso, versichert er.

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