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Klimaprojekt
Vom Kurz-Rasenschnitt zur Blühwiese

Information für die Mieter: Mit diesen Aufstellern werben die WHG und Transition Thrive vor Ort für das geplante Projekt zur Neugestaltung des Grünstreifens auf der Balkonseite.
Information für die Mieter: Mit diesen Aufstellern werben die WHG und Transition Thrive vor Ort für das geplante Projekt zur Neugestaltung des Grünstreifens auf der Balkonseite. © Foto: Viola Petersson
Viola Petersson / 16.05.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 16.05.2019, 11:38
Eberswalde (MOZ) Annelie Brzenska wohnt seit 43 Jahren im Leibnizviertel, gehörte damals zu den Erstmietern. Sie fühlt sich nach wie vor wohl dort. Vor allem die Nähe zum Finowkanal schätzt sie. Und: Mit der Sanierung des Blocks an der Alexander-von-Humboldt-Straße 17-35 vor ein, zwei Jahren seien Haus und Wohnung "ganz hübsch" geworden. Wenn jetzt noch das Umfeld aufgewertet wird, sei dies nur zu begrüßen. "Ich könnte mir sehr gut Flieder vorstellen. Der duftet so herrlich", sagt die 66-Jährige.

Im Rahmen des Kooperationsprojektes "Hier blüht uns was!" wollen die WHG, der Vermieter, sowie die Klimaschutzinitiative Transition Thrive des Vereins "Hebewerk" jenen Grünstreifen auf der Balkonseite der Humboldt-Straße 17-35 neu gestalten. "Wir sind offen für alles", sagt Kai-Uwe Knuth, Teamleiter in der WHG, beim Workshop am Dienstagabend. "Nur eines ist klar: So wie jetzt kann es nicht bleiben." Die Rasenfläche sei nicht nur "langweilig". Sie sei vor allem unter den Aspekten Klimaschutz und Ökologie kritisch zu betrachten. Und: Momentan werde der Streifen zwischen Balkonen und Gehweg eher als "Aschenbecher" und "Hundeklo" missbraucht.

Studenten der Hochschule HNE hatten 2017/18 im Rahmen einer Belegarbeit Gestaltungsentwürfe für das Leibnizviertel erarbeitet. "Alle sehr interessant", so Knuth. Aber leider natürlich nicht in Gänze umsetzbar. Favorisiert wurde die Idee eines Kräuterpfads. Allerdings in abgewandelter Form, so der WHG-Vertreter. Vorgesehen seien nunmehr zwei Projektflächen auf der Balkonseite. Die Mieter würden sich, das habe die Auswertung ihrer Reaktionen ergeben, eine Blühwiese wünschen. Aber: "So was wie eine Almwiese funktioniert dort nicht. Eine Blütenexplosion wird es eher nicht geben." Das gebe der Standort einfach nicht her. Der Boden sei karg und nährstoffarm, es handele sich um die Südseite, die Fläche liege also "voll in der Sonne". Entsprechend Bodenqualität und Wasserbedarf werde man mit Fachleuten sehr sorgfältig Pflanzen aussuchen, so Knuth. Und: Das Ganze muss "betriebskostenneutral" sein.

Grundsätzlich sei eine Kombination aus Frühblühern, essbaren Sträuchern und Stauden denkbar. Wichtig seien ungefüllte Blüten, um auch den Insekten Nahrung zu bieten, so der Hinweis von Petra Fritze vom städtischen Baudezernat. Möglich wären beispielsweise Wildkrokusse und Wildtulpen, Sommerflieder, auch Kräuter, wie Lavendel auf Erdhügeln.

Strategiewechsel in der Pflege

Kai-Uwe Knuth sieht vor allem zwei Herausforderungen: zum einen die aktive Einbindung der Mieter in das Projekt, zum anderen die Akzeptanz der neuen Pflegestrategie. Vor allem viele ältere Mieter würden den Wandel nicht begrüßen. Immer wieder gebe es Anrufe und Beschwerden. Es müsse endlich mal gemäht werden, so die Kritik. Nach wie vor werde der Vier-Millimeter-Rasenschnitt gewünscht. Das Verständnis für die sogenannte ruderale Wiese müsse erst wachsen, so der WHG-Teamleiter.

Vielleicht könne man die Mieter durch das praktische Beispiel überzeugen, so Fritze. Kleine Inseln in der Gegenüberstellung. "Und wenn es uns gelingt, dass die Mieter das Geschaffene schätzen, wäre das auch schon ein Gewinn", ist man sich einig.

Im Herbst soll es losgehen. "Im Frühjahr zu pflanzen, bringt wegen der jetzigen Trockenheit nichts", so Knuth. Zum Pflanzen sollen die Mieter eingeladen werden. Ein gemeinsames Pflanzevent. Die Humboldt-Straße ist nicht das erste derartige Projekt der WHG. 2017/18 wurde z. B. an der Poststraße 42/43 ein Hof mit den Mietern neu gestaltet.

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