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Sportfest
Selbstvertrauen von der "Freundschaftsstraße"

Waschgang mit Igelball und Schwamm: Die "Freundschaftsstraße" funktioniert ähnlich einer Waschstraße. Das Vertrauensspiel, bei dem jeder eine Massage erhält, haben angehende Sozialberufler am OSZ II für das Sportfest der Märkischen Schule erdacht.
Waschgang mit Igelball und Schwamm: Die "Freundschaftsstraße" funktioniert ähnlich einer Waschstraße. Das Vertrauensspiel, bei dem jeder eine Massage erhält, haben angehende Sozialberufler am OSZ II für das Sportfest der Märkischen Schule erdacht. © Foto: Thomas Burckhardt
Ellen Werner / 16.05.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 17.05.2019, 08:45
Eberswalde (MOZ) Und wieder ist es ein grimmiger Smiley weniger. Der Schuss auf einen der Umzugskartons mit den übellaunigen Gesichtszeichen, die zu einer mächtigen Wand aufgestapelt sind, hat gesessen. Jubel bei den Erstklässlern von der Märkischen Schule – der Blick auf den großen Glückssmiley im Hintergrund ist frei.

"Die Fassade fällt", so heißt das Spiel an dieser Station, klärt Sebastian Zint auf. Dosenwerfen mal anders, auf Kartons eben und mit den Füßen. Es gehe um die Fuß-Auge-Koordination und natürlich auch um Gewaltprävention, das diesjährige Thema des besonderen Sportfestes, erläutert der 32-Jährige.

Erdacht hat der gelernte Tischler und angehende Heilerziehungspfleger – der seine Ausbildung nach einem neuen Modell in Teilzeit absolviert – die Übung gemeinsam mit Auszubildenden aus weiteren Sozialberufen. Neben den Heilerziehungspflegern lernen künftige Sozialassistenten sowie Erzieher im Bereich Sozialwesen am Oberstufenzentrum (OSZ) II Barnim in Eberswalde.

Umzug fast abgeschlossen

Eine Abteilung, die lange am Bernauer OSZ I zuhause war.  Weil dort der Platz zu knapp wurde, der Eberswalder Standort aber mit rückläufigen Schülerzahlen zu kämpfen hatte, verlegte der Kreis den Bereich. Vor zwei Jahren begann der Umzug gen Kreisstadt. Mittlerweile lernen hier die angehenden Sozialberufler im ersten und zweiten Ausbildungsjahr. Ab August sind alle drei Jahrgänge in Eberswalde.

Frühere Widerstände gegen den Umzug sind vergessen. "Wir sind stolz darauf, dass wir diesen Standort hier bereichern können", sagt Abteilungs-Chefin Angela Wucherpfennig. Vor allem in der Zusammenarbeit mit Partnern wie der Märkischen Schule drückt sich das aus. An der Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung machen viele der Sozial-Azubis Praktika.

Zur Zusammenarbeit der Schulen gehört auch das Sportfest am Dienstag auf dem OSZ-Gelände. Die Veranstaltung für Kinder- und Jugendliche mit Handicaps richtet das Oberstufenzentrum mit dem jeweiligen Anfängerjahrgang seit 26 Jahren aus. Bis 2017 für die Bernauer Robinson-Schule. "Hier sind wir zum zweiten Mal. Wir freuen uns, dass unsere Tradition den Umzug unbeschadet überlebt hat", sagt Kerstin Spindler, Expertin für Bewegungserziehung am Fachbereich.

Für viele der 53 Berufsschüler, die die Bewegungsstationen mit unterschiedlichen Schwerpunkten von Gleichgewicht über Ganzkörperkoordination  bis hin zu Selbstvertrauen in acht Teams ausgetüftelt haben, sei das Fest die erste große Herausforderung nach den ersten Praktika. "Es gibt auch eine Leistungsbewertung", so Spindler.

Angespannte Prüfungsatmosphäre herrscht aber keineswegs. Die Berufsschüler feuern ihre Gäste an. Vielen sieht man an, dass sie selbst Freude an der Aktion haben. "Man nimmt auf jeden Fall eine Menge mit", sagt Charleen Liebenau, die zum Ende des Festes gegen halb eins mit ihrem Team die "Freundschaftsstraße" einpackt. "Von Klein bis Groß ist hier ja alles dabei und man muss ganz unterschiedlich auf jeden einzelnen eingehen", ist eine Erkenntnis der 16-jährigen Tornowerin, die mit der Ausbildung zur Sozialassistentin begonnen hat und später noch die Erzieherin draufsatteln möchte.

Was die "Freundschaftsstraße" ist? "Selbstbewusstsein zeigen und stärken" hieß der Oberbegriff, für den ihr Team das Vertrauensspiel entwickelt hat, erklärt Charleen. Aufgebaut war es ähnlich einer Autowaschanlage. Die Waschgänge: Reinhüpfen, über Tücher steigen, sich von den Mitschülern mit Schwämmen und Igelbällen massieren und mit Tüchern abrubbeln lassen.

Ein großer Spaß ist das Sportfest für ihre rund 80 Schüler zwischen sechs und 18 Jahren und gewinnbringend für beide Seiten, findet Schulleiterin Jeanette Händel. "Der ungezwungene gemeinsame Umgang baut Berührungsängste ab." Darüber hinaus profitiere die Schule im Alltag auch von den Praktikanten, sagt sie. "Über eine weitergehende Zusammenarbeit würden wir uns sehr freuen." Der Gegenbesuch ist eingeplant. Am 6. Juni sind die angehenden Erzieher, Heilerziehungspfleger und Sozialassistenten an der Märkischen Schule zum Sommerfest eingeladen.

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