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Mit "Fjarill" gastierte beim "Siebenklang"-Festival ein schwedisch-südafrikanisches Damen-Duo, das die Zuhörer im Bernauer Wasserturm verzauberte.

Konzert
Sphärische Klänge und sehnsüchtige Songs

Im illuminierten Bernauer Wasserturm: Das Duo Fjarill präsentierte am Donnerstag sein Programm "Midsommar".
Im illuminierten Bernauer Wasserturm: Das Duo Fjarill präsentierte am Donnerstag sein Programm "Midsommar". © Foto: Sergej Scheibe
Torsten Gränzer / 17.05.2019, 21:00 Uhr
Bernau Das Publikum sitzt in dichten Reihen um die im ausverkauften Wasserturm mittig installierte Bühne. Es hüllt sich in bereit gelegte Decken, um der Kälte im Inneren des Bauwerks zu begegnen. Schnell jedoch sollen die Seelen erwärmt werden, denn mit der schwedischen Pianistin und Sängerin Aino Löwenmark und der südafrikanischen Violinistin Hanmari Spiegel sind zwei besonders gefühlvolle Künstlerinnen am Donnerstagabend im Rahmen der "Siebenklang-Musikfestspiele" zu Gast in Bernau.

Auf seinem gerade veröffentlichten achten Studioalbum gibt sich das Folk-Pop-Jazz-Klassik-Duo "Fjarill" dem Zauber des schwedischen "Midsommars" hin und vereint mit Volksliedern, Eigenkompositionen und Vertonungen von Texten des Literaturnobelpreisträgers Pär Lagerkvist die Kulturschätze verschiedener Jahrhunderte.

Sehnsucht nach Freiheit

Schon im ersten, noch a capella vorgetragenen Song "Der gesegnete Tag" entfesseln die warmen Stimmen der Frauen eine Sehnsucht nach Freiheit, und es wird deutlich, dass sich der Magie des Abends kaum noch jemand entziehen kann. Die Gewinnerinnen des Weltmusikpreises RUTH tragen die in Schwedisch und Afrikaans gesungenen Texte im kristallklaren Sound ins Rund des Baudenkmals, erzeugen mit Piano und Geige nahezu sphärische Klänge, machen in improvisierten Instrumentalübergängen ihr tiefes gemeinsames Gefühl für die Musik deutlich und gewinnen damit das Publikum. Lichteffekte lassen mitunter den blauen Schein der ganz im Norden nicht untergehenden Sonne erahnen.

Wenn die Musikerinnen vorsichtig ihre Positionen wechseln, dauert es eine Weile, bis sie zwischen Stativen, Monitorboxen und Instrumenten an ihren Plätzen sind. Künstlerinnen und Publikum nehmen es mit Humor. Näher als in der Enge des Turms können sie sich kaum sein. Im auf Afrikaans gesungenen "Hör zu" spielt Hanmari Piano, während Aino die Lamellen einer Kalimba zupft und beide in betörenden Satzgesängen aufgehen. Lebendig wird es in "My Pad". Es geht um den eigenen Weg, die Persönlichkeit und dann wieder um Liebe und Tod. "Der Midsommar ist auch zur Auseinandersetzung mit sich selbst da" verdeutlicht Aino die Tradition ihrer Heimat. "Zwischen dem ersten Ein- und dem letzten Ausatmen liegt schließlich das Leben!"

Fjarill schaffen Raum für Gefühle. Trotz ihrer Traurigkeit zeigen die Musikerinnen sich fröhlich - und befreien damit ihr Publikum. Noch einmal spielt Hanmarie ein sanftes Piano, während Aino mit großer Stimme ihrem schwedischen Ursprung eine Liebeserklärung gibt. Wieder herzlicher Applaus. Im letzten Stück, dem afrikanischen "Ukuthula (Frieden)", singen Publikum und Künstlerinnen gemeinsam, vereint im Wunsch nach jenem erstrebenswerten Zustand höchsten Menschseins.

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