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Für plüschige Markenbotschafter haben Adina und Falk Hinneberg in Lichterfelde ihr Dachgeschoss reserviert. Mittlerweile ist ihre Kollektion auf mehr als 1600 Exemplare angewachsen.

Sammelwut
Die bunte Welt der Sportmaskottchen

Ellen Werner / 12.07.2019, 12:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Ob Hertinho und Ritter Keule oder Miraitowa und Someity – Adina (50) und Falk Hinneberg (52) kriegen sie alle. Die Glücksbringer der Hauptstadt-Bundesligisten Hertha und Union im Kuschelformat haben unter dem Dach der Lichterfelder genauso ihren Platz wie die beiden futuristischen Olympia-Maskottchen, die bereits jetzt für die Sommerspiele 2020 in Tokio werben und vor einem Jahr bei ihnen eintrafen.

Seit dem Jahr 2010 gilt das Paar laut Guinness-Buch als Rekordhalter mit der weltweit größten Sportmaskottchen-Sammlung. Waren es zur offiziellen Zählung damals noch 874 Kuscheltiere, die für Vereine und Meisterschaften in verschiedenen Sportarten auf der ganzen Welt Reklame machen, kommen Hinnebergs heute auf 1634 Sportmaskottchen.

Schutz vor Sonnenstrahlen

Schon auf dem roten Sofa im Wohnzimmer ist eine bunte Auswahl von Plüschfiguren versammelt. "Rechts oben auf der Couchecke sitzen immer die, die noch nicht gelistet sind", erklärt Adina Hinneberg. Weiter oben im Haus wird dem Besucher dann so richtig deutlich, was Sammelleidenschaft hoch zwei bedeutet. Eng gedrängt bevölkern dort Plüschtiere aller Arten, Formen und Farben 40 übermannshohe Glasvitrinen in einem etwa 100 Quadratmeter großen Raum. Die Gymnasiallehrerin für Deutsch und Geschichte aus Lichterfelde und der aus der Schwäbischen Alb stammende Heilpraktiker für Psychotherapie haben das Dachgeschoss für die Markenbotschafter vornehmlich aus der Welt des Sports reserviert.

Mehr noch: Das Paar, das vor drei Jahren aus Baden-Württemberg in die Schorfheide zog, achtete sogar schon beim Ausbau des Hauses auf dem elterlichen Grundstück von Adina Hinneberg auf die optimalen Bedingungen für die Mitbewohner aus Plüsch. Die Oberlichter sind so angeordnet, dass nur Nordlicht einfällt und die farbintensiven Objekte der Sammlerbegierde nicht durch Sonnenbestrahlung ausbleichen.

Wie sie ausgerechnet auf Sportmaskottchen verfallen sind? "Es gab nie so eine richtige Idee dazu", sagt Falk Hinneberg. "Es fing alles damit an, dass ich zu den Olympischen Spielen 1972 den ,Waldi‘ bekommen habe", erzählt er. Eine Zeit, in der man begann, Sportveranstaltungen mit possierlichen Kunstfellfiguren zu bewerben. Fünf war er damals. Plüschtiere mochte er eben, und so wuchs ihre Schar auch im Erwachsenenalter. "Als wir uns 2001 kennengelernt haben, hatte er ungefähr 50", blickt Adina Hinneberg zurück. "Das Problem ist, dass ich auch mit dem Sammlergen infiziert bin", sagt sie. Mehr als 20 Jahre hatte sie in Lichterfelde den Verein der Jungen Briefmarkenfreunde geleitet, war sechs Jahre sogar Bundesvizechefin der Deutschen Philatelistenjugend. Als das Paar zunächst im schwäbischen Lenningen zusammenzog, potenzierte sich also die Sammlerfreude. Mit allen Maskottchen – Hinnebergs tragen neben den sportlichen auch Werbeträger von Firmen, Marken, Landesgartenschauen und Ähnlichem zusammen – bringen sie es heute in Lichterfelde auf insgesamt 2285 Exemplare.

Das oberste Kriterium für die Auswahl? "Wir sammeln alles", antworten beide. "Das Einzige, was wir ausgeschlossen haben, sind die College-Maskottchen in den USA. Davon gibt es allein 1500", sagt Adina Hinneberg. Bei 60 Sportarten und ihren Meisterschaften gibt es immer wieder Neues und Spezielles. "Je ausgefallener, desto besser", heißt das Motto des Paares, das mit jedem neuen Objekt auch ein Stück Sportgeschichte festhält. So steht in der Vitrine etwa das erste Maskottchen mit Behinderung – von den Paraathletischen Weltmeisterschaften 2017 in London.

Manchmal unterscheidet nur ein Bändchen oder ein Trikot die Maskottchen von gewöhnlichen Kuscheltieren. Und die Artenvielfalt ist begrenzt. "Bären und Löwen liegen ganz weit vorn", hat Adina Hinneberg festgestellt. Die Chinesen hingegen hätten häufig Phantasiefiguren zu bieten.

Ihre Sammelstücke finden Hinnebergs neu in den Veranstalter-Shops oder nicht selten für einen Euro bei Ebay. "Es gibt auch Fantasiepreise. Aber da haben wir dann Geduld", sagt sie. Am teuersten war vermutlich Biber Amik von den Olympischen Spielen 1976 in Montreal. "Wir haben Jahre darauf gewartet und sind ein paarmal bei hohen Preisen ausgestiegen", erzählt Falk Hinneberg. Manche Maskottchen bringt das Paar als Besucher von Sportveranstaltungen selbst mit, wie dieses Jahr von der Handball-WM in Berlin. Die meisten kommen per Post – aus gut 60 verschiedenen Ländern.

Irgendwann ein Museum

Im Durchschnitt wöchentlich trudeln die Maskottchen-Pakete ein. Der jüngste Neuzugang ist nicht, wie man denken könnte, Ettie, das Küken, das für die gerade ausgespielte WM der Frauen im Fußball steht. Anders als bei der Männer-Weltmeisterschaft gebe es bei der Fifa keinen richtigen Marken-Shop dafür. Zuletzt, während Hinnebergs Dubai-Urlaub, kamen dafür Dari und Suri aus dem südkoreanischen Dwangju an, wo ab Samstag die Schwimm-WM ausgetragen wird.

Auf Nachfrage haben Adina und Falk Hinneberg ihre Sammlung gelegentlich schon Nachbarn, Feriengästen und auch dem Lichterfelder Seniorenclub gezeigt und erklärt. Öffentlich zu sehen ist sie bisher nicht. "Der Traum", sagt Adina Hinneberg, "wäre natürlich irgendwann mal ein Maskottchen-Museum."

Schlagwörter

Sportmaskottchen Falk Hinneberg Markenbotschafter Adina Hinneberg Olympia

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