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90 Mitarbeiter im Bernauer Werk hoffen auf die Fortführung der Motorenproduktion und einen tragfähigen Sanierungsplan

Insolvenz
Weber Automotive im Abseits

Hochautomatisiertes Werk: Die Firma Weber Automotive hat ihren Standort in Bernau 2012 eröffnet und nun am Hauptsitz in Markdorf am Bodensee einen Insolvenzantrag gestellt. Der Schock im Barnim sitzt tief.
Hochautomatisiertes Werk: Die Firma Weber Automotive hat ihren Standort in Bernau 2012 eröffnet und nun am Hauptsitz in Markdorf am Bodensee einen Insolvenzantrag gestellt. Der Schock im Barnim sitzt tief. © Foto: Sergej Scheibe
Andrea Linne / 12.07.2019, 14:15 Uhr
Bernau (MOZ) Die Nachricht schlug mächtig ein, niemand hatte damit gerechnet. Am 5. Juli stellten die Firma Weber Automotive GmbH und die Weber Industrie Holding GmbH am Amtsgericht Konstanz den Insolvenzantrag. 90 Mitarbeiter vor Ort im Bernauer Werk waren ebenso geschockt wie ihre 1500 Kollegen an sieben weiteren Standorten zwischen Ungarn, USA und Markdorf am Bodensee. Hier ist der Hauptsitz des früheren Familienbetriebs. Seit 2016 stieg die Investmentgesellschaft Ardian als Mehrheitsgesellschafter ein.

Gute Auftragslage

Firmensprecher Veit Mathauer, der mit seiner Firma Sympra GmbH die Pressearbeit übernommen hat, berichtet, der Schritt sei notwendig geworden, da Weber Automotive und die Weber Industrie Holding GmbH trotz guter Auftragslage in finanzielle Schwierigkeiten geraten seien. Hintergrund des Insolvenzantrags in Eigenregie sei ein Streit unter den Gesellschaftern über die Form und den Umfang der Weiterfinanzierung.

Die Gründerfamilie Weber teilte laut Südwestpresse am Montag in einem Statement mit, dass sie als Minderheitseigentümer verschiedene Angebote zur Rettung von Weber Automotive unterbreitet habe, die jedoch vom Mehrheitseigner nicht angenommen worden seien. Die Investmentgesellschaft Ardian, heißt es weiter, habe die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Lösungsansätze hätten die Anforderungen eines Sanierungsgutachtens nicht vollumfänglich erfüllt, sagte ein Sprecher. Ardian und die Banken seien sich über die erforderlichen Schritte einig, dem verschließe sich jedoch die Familie Weber.

Laut Mathauer wurden daher ein Generalbevollmächtigter und ein Sachwalter eingesetzt. Diese sollen die Zahlungen an Gläubiger überwachen und zudem für das Erarbeiten eines Sanierungskonzeptes einstehen. Bis Ende September seien die Löhne gesichert. Die beiden Geschäftsführer Siegfried Schlabschi und Frank Grunow bleiben bei dieser Form des Insolvenzrechts im Amt und arbeiten mit den beiden Rechtsanwälten Martin Muach und Christian Gerloff zusammen.

Der Zulieferer vom Bodensee fertigt Antriebskomponenten für Nutzfahrzeuge und Freizeitmobile. 2018 erwirtschaftete die Weber Gruppe einen Umsatz von 328 Millionen Euro. Am Standort in Bernau sind aktuell offenbar nur noch 90 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. Ende 2018 sollten, so war das erklärte Ziel des ehemaligen Werkleiters Wolf Hawlitschek, 200 Frauen und Männer beschäftigt werden. Hawlitschek schied auf eigenen Wunsch aus, sein Nachfolger wurde im Spätherbst 2018 Christian Kühne. Der stehe nach Auskunft von Bernaus Bürgermeister André Stahl mit diesem in Kontakt. "Mit Betroffenheit haben wir die Nachricht zur Kenntnis genommen, denn am Standort Bernau arbeiten 90 hochspezialisierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Jedoch sind wir optimistisch, dass das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung dazu beiträgt, die aktuelle Situation zu meistern", ließ Bürgermeister André Stahl in einer Pressemitteilung verlauten.

Die Bernauer Verwaltungsspitze stehe demnach mit Verantwortlichen in Verbindung. So hieß es aus dem Bernauer Werk, dass in Kürze die Unternehmensspitze am Barnimer Standort erwartet werde. "Wir stehen im Kontakt mit der Wirtschaftsförderung des Landes und helfen, wenn wir können. Aber wir bauen darauf, dass der eingeschlagene Weg der Gründerfamilie und des Finanzinvestors der Richtige ist, um die derzeitige Situation durchzustehen. Ich bin zuversichtlich, was die Zukunft des Standortes und der Arbeitsplätze betrifft", so Bernaus Bürgermeister weiter.

2012 war das Werk in Bernau errichtet worden. Auf 23 000 Quadratmetern werden hochautomatisiert für Automobilhersteller wie BMW, Daimler, Jaguar oder AMG Motorblöcke und Zylinderkurbelgehäuse produziert.

Insolvenz inEigenregie

Diese besondere Formim Insolvenzrecht belässt die Geschäftsführung für unternehmerische Entscheidungen im Amt und setzt keinen Insolvenzverwalter ein. Im konkreten Fall wird als Generalbevollmächtigter Rechtsanwalt Martin Mucha aus Stuttgart und als Sachwalter Rechtsanwalt Christian Gerloff aus München bestellt. Die überwachen, dass alle Zahlungen an Gläubiger erfolgen und ein Sanierungsplan erarbeitet wird.⇥li

Schlagwörter

Motorenproduktion Siegfried Schlabschi Insolvenzantrag Martin Mucha Sanierungsplan

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