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Tourismus
Eine Nacht im Mini-Hotel

Ungewöhnlicher Anblick: Das zylindrische Mini-Hotel steht an der F60.
Ungewöhnlicher Anblick: Das zylindrische Mini-Hotel steht an der F60. © Foto: Stephan Meyer/LR
Stephan Meyer / 06.08.2019, 19:36 Uhr
Lichterfelde (LR) Are you staying here tonight?", fragt eine kanadische Touristin, als ich gerade die Tür zu meinem ungewöhnlichen Nachtquartier öffne. Ob ich hier heute schlafe? Vor wenigen Minuten beendeten wir gemeinsam eine Führung auf der F60. Das Nachtquartier in unmittelbarer Nähe ist ein sogenannter Slube – eine Art Mini-Hotel auf knapp sechs Quadratmeter Stellfläche. Es sieht schon futuristisch aus, was André Speri, Geschäftsführer der F60 Concept GmbH, auf den Platz des Besucherbergwerkes hat hinstellen lassen. Ein zweistöckiger, schlichter, crèmefarbener Zylinder mit einer Glastür und zwei Fenstern.

Die Kanadierin und ihre Familie sind überrascht über die ungewöhnliche deutsche Erfindung. Aber nicht nur sie werden neugierig beim Anblick des Slubes. Fast täglich schließen die Mitarbeiter des Besucherbergwerks den Slube den F60-Gästen zur Besichtigung auf. "Die Flyerbox am Slube ist immer ganz schnell leer", sagt Speri. "Wir kommen gar nicht hinterher mit dem Nachbestellen." Eine kommerzielle Nutzung des Mini-Hotels an der F60 ist jedoch noch nicht vorgesehen. Es dient lediglich als Musterexemplar.

Es war 2018, als Speri die produzierende Firma Veloform kennengelernt hat. Von Anfang an war der Lichterfelder von den Slubes angetan. Der 54-Jährige war lange Jahre in der Immobilienbranche tätig, bevor er 2003 Geschäftsführer der F60 Concept GmbH wurde. Das Thema Immobilienwirtschaft hat ihn aber nie losgelassen. "Das ist eine sehr geeignete Übernachtungsmöglichkeit für Kurzurlauber, Radtouristen, die ein, zwei Nächte hier in der Region verbringen wollen", sagt Speri begeistert.

Im Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Elbe-Elster hat er einen Befürworter gefunden, der den touristischen Wert der Slubes erkannt hat. Das Musterhaus an der F60 ist Eigentum der Sparkasse. Die Bank hat selbst ein Exemplar vor ihrer Hauptgeschäftsstelle in Finsterwalde platziert. "Wir selbst können das nicht als Übernachtungsmöglichkeit vermieten", so Speri. Das gehe aus gewerberechtlichen Gründen nicht.

Doch um eine Vermietung des Slubes geht es ihm nicht. Bis jetzt haben nur wenige dort kostenfrei schlafen dürfen. Dass das Mini-Hotel dort stehe, habe einen enormen Marketingnutzen. "Den Slube in einem touristischen Kontext zu zeigen, ist doch etwas anderes, als ihn auf einer Messe zu präsentieren", ist Speri überzeugt.

Mini-Hotels die bereits im Betrieb sind, unter anderem in Berlin und Meißen, sind komplett durchdigitalisiert. Ein Check-in erfolgt in der Regel online via Smartphone. Dieser Slube ist noch ganz altmodisch mit einem Schlüssel beziehbar.

Der Raum ist knapp bemessen, jedoch freundlich und modern eingerichtet. Eine Wand teilt den ohnehin schon kleinen Raum. Linker Hand befinden sich eine kleine Sitzecke mit Kissen und ein Hocker. Ein Holztisch, der an der Wand befestigt ist, lässt sich einklappen, um mehr Platz zu schaffen. Am Ende der Wand gibt es ein kleines Regal, das Stauraum bietet. Ein Bild an der Wand lockert den Raum auf.

Das Bad ist sehr modern und steht dem futuristischen Äußeren des Slubes in nichts nach. Alles ist mit schwarzen Kacheln ausgekleidet. WC, Handtuchhalter, ein doch recht kleines Waschbecken samt Spiegel und sogar eine Dusche sind vorhanden. Der Platz zum Umziehen ist im Slube begrenzt, reicht aber aus.

Zur Unterhaltung kann das integrierte WLAN genutzt werden. Die Verbindung ist einwandfrei. Über eine Treppe erreicht man den Schlafplatz. Die Liegewiese ist großzügig, zumindest für Gäste, die alleine schlafen.

Mit Hotelzimmer vergleichbar

Nachts ist es ruhig, nahezu geräuschlos. Gelegentlich sind zirpende Laute von Insekten durch das offene Fenster zu hören. Ein Unterschied zu einem üblichen Hotelzimmerbad ist kaum auszumachen, bis auf den Platz eben.

Der Landkreis Elbe-Elster versucht, schon seit langer Zeit Touristen für sich zu gewinnen, erläuterte Speri.  Das Hauptaugenmerk liegt vor allem bei Radtouristen. Das Besucherbergwerk mit samt seinen Veranstaltungen zieht darüber hinaus Gäste an. Der Slube an der F 60, so betont Speri, soll jedoch keine Konkurrenz zu Übernachtungsmöglichkeiten sein, die in den nächsten zwei bis drei Jahren am Bergheider See in unmittelbarer Umgebung entstehen.

Bis jetzt seien es vor allem Ausflugstouristen, die in den Landkreis kommen, so Speri. Was in den nächsten Jahren am Bergheider See entsteht, könnte jedoch auch für Urlaubstouristen attraktiv sein. "Es geht darum, die Verweildauer der Gäste zu erhöhen", erklärte Speri. Dazu könnten die Slubes ebenfalls einen Beitrag leisten. Es gebe schon weitere Interessenten im Landkreis. Und wenn die Verweildauer höher ist, dann profitieren auch die ansässigen Unternehmen.

Wer in einem Mini-Hotel ein, zwei Nächte übernachten will, darf keine zu hohen Ansprüche haben. Es ist lediglich etwas für einen Kurzaufenthalt. Wem es nur um die Funktionalität und einen ruhigen Schlafplatz geht, ist hier sehr gut aufgehoben. Zu zweit könnte es schwierig sein. Die Enge im Erdgeschoss hat das Potenzial Streit auszulösen. Da ist gute Absprache vonnöten. Also am besten mit dem Freund oder der Freundin im Slube verweilen.

Im Hinblick auf die Erweiterung des touristischen Angebots können Slubes einen echten Mehrwert bieten. Auch in Anbetracht der Wohnungsnot in Ballungsräumen wie Berlin. Zudem ist der Slube an der F 60 die schlichteste Variante. Es gibt weitere Modelle, die luxuriöser ausgestattet sind, beispielsweise mit Außentreppe und Dachbalkon. Auch über Brücken verbundene Slubes sind schon möglich.

Über die möglichen Kosten einer solchen Übernachtung kann Speri bisher keine Auskunft geben. "Das hängt vom Standort ab", sagt er. Doch er prognostiziert, der Preis wird sich an den gängigen Doppelzimmerpreisen eines Drei-Sterne-Hotels in der Umgebung orientieren.

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