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Weil die Stadt 34 Vorschulkinder von den Schönower "Heideknirpsen" im Hort unterbringen wollte, hagelte es Elternproteste.

Infrastruktur
Ansturm auf Kitaplätze

180 Plätze reichen nicht: Der Andrang auf die Kita "Heideknirpse" in Schönow ist groß. Die Stadt will deshalb Vorschulkinder im benachbarten Hort der Grundschule unterbringen.
180 Plätze reichen nicht: Der Andrang auf die Kita "Heideknirpse" in Schönow ist groß. Die Stadt will deshalb Vorschulkinder im benachbarten Hort der Grundschule unterbringen. © Foto: Sergej Scheibe
Sabine Rakitin / 13.08.2019, 20:42 Uhr
Schönow (MOZ) Katrin Lorenz, die Vorsitzende des Kitaausschusses der Schönower "Heideknirpse", traut ihren Ohren kaum, als ihr am vergangenen Mittwoch hinter vorgehaltener Hand mitgeteilt wird, dass zwei der drei ältesten Gruppen mit insgesamt 34 Vorschulkindern zum 1. September statt in der Kita im benachbarten Hort der Grundschule betreut werden sollen. Die Kitaleiterin bestätigt das Gerücht. Die Plätze in der Einrichtung werden für Neuanmeldungen benötigt.

Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht unter den Eltern, und die sind erbost. Sie empfinden die Unterbringung ihrer Kinder im Hort als "Abschiebung". Und sie fürchten, dass die Vier- und Fünfjährigen unter den älteren Schulkindern das Nachsehen haben, ganz zu schweigen von den Freundschaften, die die Mädchen und Jungen in der Kita haben und die sie bei einem Wechsel in den Hort ihrer Ansicht nach verlieren würden.

Am Montagabend im Sozialausschuss der Stadtverordnetenversammlung tragen Katrin Lorenz und andere Mütter und Väter ihre Bedenken gegen den Plan der Stadtverwaltung vor. Sie fühlen sich übergangen und vermuten, dass sie deshalb nicht früher informiert worden sind, weil die Stadt sie vor vollendete Tatsachen stellen wollte. Die zuständige Dezernentin Marina Timmermann versichert, dass sei nicht der Fall gewesen und räumt ein, "dass es ein Fehler gewesen ist, die Eltern nicht früher zu informieren". Sie bittet um Entschuldigung, aber auch um Verständnis. "Wir haben einfach nicht damit gerechnet, dass die Unterbringung der Kinder im Hort auf diesen Widerstand bei den Eltern stoßen würde."

Betriebserlaubnis gilt bis 2022

Einen Tag später sitzen Katrin Lorenz, weitere Elternvertreter, sowie Schönows Ortsvorsteher Sven Grosche und dessen Stellvertreter Michael Kessmann im Büro der Dezernentin im Stadtgärtnerhaus. Die hat ihre Fachfrau Birgit Kupper, unter anderem zuständig für den Einsatz der Mitarbeiter in städtischen Kitas und Horten sowie für die Erarbeitung der Konzeptionen im Betreuungsbereich, an ihrer Seite und schließlich auch Bürgermeister André Stahl, der nach dem Richtfest für den Kitaneubau "Pankewichtel" in Bernau zu der Runde stößt. Die Betriebserlaubnis vom Landesjugendamt für die Nutzung der zwei Horträume zur Betreuung der Vorschulkinder sei erteilt. Sie gilt seit dem 1. August bis zum 31. Juli 2022, sagt Marina Timmermann. Dennoch will die Stadt nun auf das Prinzip Freiwilligkeit setzen. "Wir werden keinen dazu zwingen, die Einrichtung zu wechseln", verspricht Stahl den Eltern in die Hand.

"Wir dachten, es sei eine gute Lösung, die Vorschulkinder im Hort zu betreuen", erklären das Stadtoberhaupt und seine Dezernentin. "Grundsätzlich ist das ja auch eine tolle Idee", stimmt Katrin Lorenz zu. Allerdings nicht auf diese Art und Weise, setzt sie hinzu. "Sie klauen unseren Kindern ein Kitajahr", bemerkt ein Vater. Eine Mutter will wissen, ob es denn keine Kitabedarfsplanung gebe?

Die gibt es natürlich in Bernau. Und Stahl versichert: "Wir sind in der Lage, jedem Kind einen Kitaplatz in Bernau zu garantieren, aber eben nicht in der Wunschkita." Der Andrang bei den "Heideknirpsen" resultiere einerseits aus dem Zuzug und andererseits aus dem Elternwahlverhalten, stellt er fest. Stahl ist überzeugt, dass die Betreuung von Vorschulkindern im Hort ihre Vorteile hat, vor allem in Bezug auf eine optimale Schulvorbereitung der Kinder. "Wir werden das Projekt im September starten –  auf Freiwilligkeitsbasis", sagt er. "Unser Ziel ist es, das Ganze zu einem Erfolgsprojekt zu machen, so dass wir Sie als Eltern davon überzeugen."

Kommentar: Projekt mit Chancen

Wenn es um ihre Kinder geht, dann reagieren Eltern in der Regel sehr emotional. Diese Erkenntnis ist keineswegs neu, schon gar nicht für solche Kita-erfahrenen Frauen wie die in der Bernauer Stadtverwaltung. Von daher hätten sie ahnen können, dass ein Umzug der Vorschulkinder aus der Kita in den Hort nicht geräuschlos über die Bühne gehen würde.

Wenn man den gesamten Vorgang sachlich betrachtet, dann spricht eigentlich wenig dagegen, Vorschulkindern durch den Besuch des Hortes einen Vorgeschmack auf Schule zu geben. Und sicherlich kann eine Hortnerin, die erfahren im Umgang mit Erstklässlern ist, fünf- und sechsjährige Kita-Kinder bestens auf die Schule vorbereiten, möglicherweise sogar besser als ihre Berufskollegin in der Kita auf der anderen Straßenseite.

Wenn die Stadt also ihre Hausarbeiten macht und den Hort für jüngere Mädchen und Jungen ausstattet, kann das Projekt eine Chance für alle sein: Kinder, Eltern und die Stadt.

⇥Sabine Rakitin

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