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Übereilter Kauf
Rentner wird bei Waschmaschinen-kauf abgezockt

Keine ungeteilte Freude: Obwohl die Maschine gut wäscht, kann sich der Bernauer Günter Friedrich nicht über den Neuerwerb freuen. Zu viel Geld hat er für die Ware hingelegt.
Keine ungeteilte Freude: Obwohl die Maschine gut wäscht, kann sich der Bernauer Günter Friedrich nicht über den Neuerwerb freuen. Zu viel Geld hat er für die Ware hingelegt. © Foto: Sergej Scheibe
Kerstin Ewald / 14.08.2019, 09:45 Uhr - Aktualisiert 14.08.2019, 11:50
Bernau (MOZ) Beeindruckt war Günter Friedrich aus der Bernauer Innenstadt von der Geschwindigkeit der Servicemitarbeiter: Ende Juli gab seine alte Waschmaschine den Geist auf. Die Nachbarin im Mietshaus gab ihm den Tipp, in den gelben Seiten nachzuschlagen. Dort fand der Rentner prompt eine ganzseitige hübsch gestaltete Anzeige eines 24-Stunden-Dienstes. Er rief die Telefonnummer an. Noch am selben Tag kamen zwei Monteure und begutachteten den Schaden.

Vorschnelle Kaufentscheidung

"Können wa reparieren", habe der Mitarbeiter des Kundenservice gesagt, so erinnerte sich Kunde Friedrich. Der Stoßdämpfer sei defekt und die Maschine leide unter "allgemeinem Verschleiß". Die Reparatur sei möglich, mit Kosten zwischen 500 und 700 Euro sei aber zu rechnen. "Für diesen Preis bekomme ich ja eine neue Maschine", dachte der 84-Jährige.

Wie praktisch, dass die eilfertigen Monteure gleich ein Angebot für ihn bereit hielten. "Deutsche Fabrikate, ein bisschen teurer", habe man ihm erklärt und um eine Anzahlung von 1600 Euro gebeten. Der Rentner, überrumpelt von der schnellen Hilfe, ging schnurstracks zur Bank und hob den Vorschuss vom Konto ab. Die Monteure warteten. Die Bankangestellte, der er vom Kauf erzählte, fand die Maschine zu teuer. Aber Friedrich war wie in den Bann geschlagen und fühlte sich auch irgendwie zum Kauf verpflichtet.

Die Servicemitarbeiter händigten ihm eine handschriftliche Quittung aus. Als Aussteller des Beleges ist nur der Begriff "Kundenservice" vermerkt. Keine Adresse, keine Telefonnummer. Friedrich wunderte sich selbst dann nicht, als die beiden Monteure am nächsten Tag noch einmal 400 Euro Aufzahlung verlangten. Für den Mehrbetrag gäbe es immerhin acht Jahre Garantie, bedeutete man ihm. Erst als die Maschine in seinem Bad stand, fühlte sich der ältere Herr übers Ohr gehauen. Die gleiche Maschine, ein Toplader einer deutschen Marke, kann man doch für 600 Euro haben, dämmerte es ihm. Hätte er sofort gehandelt, er hätte den Kauf binnen zwei Wochen rückgängig machen können. Aber dies wusste der Käufer nicht, wie er heute sagt, und die Mitarbeiter der Firma hätten ihn darüber nicht informiert. In Friedrichs Unterlagen fehlt die Widerrufsbelehrung. Auf Nachfrage gibt ein Mitarbeiter der Firma eine andere Auskunft: "Auf dem Auftragsschein, den der Kunde im Original erhält, steht die Widerrufsbelehrung hinten drauf." Im Gerichtsjargon würde man sagen: "Aussage gegen Aussage."

Kauf gut planen

Günter Friedrich kann sich heute nicht mehr erklären, warum er so gutgläubig und leichtsinnig war. Er ärgert sich darüber. Tatsächlich steht er mit seinem Ärgernis aber nicht alleine da. Harald Gräfe von der Verbraucherzentrale in Eberswalde kennt solche Fälle aus seiner täglichen Beratungsarbeit. Auch die konkrete Berliner Firma, zu der er schon mehrere Beschwerden aufgenommen hat, ist ihm ein Begriff. "Oft ist nach wenigen Minuten schon eine neues Gerät – sei es die Waschmaschine, der Kühlschrank oder der Fernseher – verfügbar", so Gräfe. Auch, dass die Firma keine gültige "ladungsfähige" Adresse angebe, kommt ihm bekannt vor. "Sollte das Unternehmen nicht nachweisen können, den Mann über sein gesetzliches Widerspruchsrecht informiert zu haben, verlängert sich dieses automatisch auf zwölf Monate und 14 Tage". Er zitiert Paragraf 355 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, in dem es um "außerhalb von Geschäftsräumen abgeschlossene Verträge" geht. Wird die verlängerte Widerrufsfrist gültig, hätte Herr Günter die Chance, die Maschine zurückzugeben. Das kann unbequem und langwierig werden. "Vor Käufen sollte man sich immer gut informieren und zwar bei anerkannten Testportalen wie Stiftung Warentest oder Ökotest", rät Harald Gräfe.

Polizeiliche Warnung und Beratungsangebot

Die Polizei Bernau warnt vor übereilten Haustürkäufen.  "Stress macht doof", wissen die Beamten aus ihrer alltäglichen Arbeit. Fälle, in denen Kunden unter Missachtung der Regularien zu Käufen gedrängt werden, fallen in die Sparte  der Trickbetrügereien, die zur Anzeige gebracht können. Die Aussicht auf Ahndung und Entschädigung sind aber oft bescheiden.

Die Beratungsstelle Eberswalde der Verbraucherzentrale berät Kunden, die sich "abgezockt" oder gar "betrogen" fühlen. Es gibt dort auch Unterstützung bei der Formulierung von Kaufwiderrufen. Um Terminvereinbarung wird gebeten. Tel. 0331-98229995, Internet: verbraucherzentrale-brandenburg.de/beratungsstellen/eberswalde⇥kew

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