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Panketaler verschieben Beratung zur Gesamtschule und kritisieren Trägerdiskussion durch die Hintertür.

Gemeinderat
Entscheidung zum Schul-Campus vertagt

Reicht nicht aus: Die Mensa auf dem Gelände an der Schönerlinder Straße steht aktuell vor allem für die Essensdurchgänge der Grundschule Zepernick zur Verfügung. Eine Erweiterung ist dringend nötig. 1500 Schüler der Gesamtschule fordern eine Cafeteria.
Reicht nicht aus: Die Mensa auf dem Gelände an der Schönerlinder Straße steht aktuell vor allem für die Essensdurchgänge der Grundschule Zepernick zur Verfügung. Eine Erweiterung ist dringend nötig. 1500 Schüler der Gesamtschule fordern eine Cafeteria. © Foto: Sergej Scheibe
Andrea Linne / 27.08.2019, 20:27 Uhr
Panketal (MOZ) Lange stritten sich die 26 Gemeindevertreter am Montagabend in Panketal samt Bürgermeister Maximilian Wonke (SPD). Es ging auf der Gemeindevertretersitzung um 250 000 Euro, die für ein Gesamtkonzept für den Campus an der Schönerlinder Straße in Panketal eingestellt werden sollen. Die Position soll im Haushalt 2020 verankert werden, um eine Ausschreibung dafür zu starten.

Doch was schon im Hauptausschuss Wellen schlug, setzte sich am Montag fort. Nach 23 Redebeiträgen wurde das Thema dann auf Antrag der CDU-Fraktion auf September vertagt. Nicht, "um den Stillstand zu befördern", wie Christin Enkelmann betonte, "sondern um detaillierte Angaben von der Verwaltung zu bekommen." Die Vorlage wurde als mangelhaft eingeschätzt. Sie sei nur der Türöffner gewesen, um die Schulträgerschaft für die Wilhelm-Conrad-Roentgen-Gesamt­schule neu auf die Tagesordnung zu heben. Und das, obwohl Ende 2017 die Entscheidung für die kommunale Trägerschaft der weiterführenden Schule mit Abiturstufe gefallen war.

Hintergrund für die neue Diskussion, betonte auch Kämmerer Jens Hünger, sei die allgemeine Haushaltslage. "Unser Haushalt ist schuldenfrei und ausgeglichen", betonte der Fachbereichsleiter Finanzen. Die anstehenden Investitionen aber von neuer Grundschule als Pflichtaufgabe für die Gemeinde bis zu den geschätzten Kosten für den Campus, um diesen zu sanieren, ließen sich nicht mehr darstellen.

Kommunalaufsicht befragt

Die Dreifelderturnhalle, die neue kommunale Kita sowie der Neubau auf dem Kohlehof ließen sich kreditfrei errichten. Die Kommunalaufsicht aber habe auf Nachfrage der Gemeinde auf Grundlage der bisherigen Haushaltsumfänge von Panketal maximal mögliche Kredite in Höhe von 35 Millionen Euro für die Folgejahre ermittelt. Diese Summe würde mit allen Projekten klar überschritten. Allein für die Sanierung von WAT-Gebäude, Einfeldturnhalle, Erweiterung von Mensa und Schulhof kursieren Werte von bis zu 40 Millionen Euro. Sowohl Enkelmann als auch die Bündnisgrüne Fraktion, einige SPD-Gemeindevertreter sowie Carola Wolschke vom Bündnis Panketal aber wehrten sich dagegen, die Diskussion so zu führen. Es gehe um Haushaltsmittel für Planungen. Über Kosten könne man erst reden, wenn diese ermittelt seien. Doris Stahlbaum (Bündnis 90/Grüne) betonte, sie wisse nicht, was an Investitionen alles anstehe. Es werde durch die Gemeindeverwaltung künstlich Druck erzeugt. Das sah auch Fraktionskollege Stefan Stahlbaum so. Er sprach von "Fantasiezahlen" und "Angstmacherei".

Dem standen die AfD-Fraktion, einige Linke und auch Bürgermeister Wonke gegenüber. Der Kreis sei ein guter Schulträger, so der Tenor. Für den AfD-Fraktionsvorsitzenden Marcel Donsch lag die Entscheidung auf der Hand. Die Gesamtschule sei an den Kreis zu übertragen, das wäre die einzig machbare Lösung. "Für unsere Kreisumlage von elf Millionen Euro im Jahr können wir auch mal was bekommen", sagte Donsch. "Laxer Umgang mit Steuermitteln ist mit uns nicht zu machen."

Wonke fand es nur natürlich, dass die Diskussion wieder aufkomme. Schließlich sei es nicht sinnvoll, Planungen zu erstellen, wenn die Schule später den Träger wechsle. "Wir wollen die Schule stärken", so seine Intention. Dennoch müsse ein Gesamtkonzept her, befand Christiane Herrmann (BVB/Freie Wähler).

Kommentar: Bitterer Beigeschmack

Der englische Philosoph Francis Bacon prägte die Zeile "Die Wissenschaft selbst ist die Macht." Daraus wurde längst das geflügelte Wort "Wissen ist Macht". In Panketal wundert manchmal, was an Nichtwissen oder demonstrierter Unkenntnis zur Schau getragen wird.

Was an Investitionen in den kommenden Jahren in Panketal ansteht, ist in jedem Haushaltsplan der Gemeinde nachzulesen. Mit unzähligen Beschlüssen reichen Fraktionen und Gemeindevertreter dann über die einzelnen Legislaturperioden hinweg ihre Wünsche und Forderungen ein. Der Berg der vorhandenen finanziellen Mittel aus Steuern und Zuweisungen wächst nicht mit. Vereine, Parteien, kommunale Einrichtungen und Anrainer wollen ebenso Stücke vom Kuchen gemeindlicher Finanzen. Das ist legitim, aber die Tortenstücke sind eben nur einmal aufzuteilen.

Dass die Verwaltung die Diskussion um einen Schulträgerwechsel der Gesamtschule wieder neu aufrollt, ist vor diesem Hintergrund zu verstehen. Nur packt sie es nicht fundiert genug an. Die Entscheidungsvorlage bleibt zag- und mangelhaft. Die Verschiebung auf später ist daher verständlich Nicht zu wissen aber, was an Investitionen ansteht, behält hingegen ein Geschmäckle.⇥Andrea Linne

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Mathias Hasselmann 28.08.2019 - 18:16:04

Hintergrund Abgabe Gesamtschule

Hintergrund der Diskussion um die Gesamtschule ist die zentrale Frage, ob den Schülern in Panketal auch weiterhin eine Schule mit gymnasialer Oberstufe zur Verfügung stehen soll. Bei Abgabe der Gesamtschule an den Kreis, ist davon auszugehen, dass auch diese letzte Gesamtschule im Landkreis Barnim in eine Oberschule, also eine Schule ohne weiterführende, gymnasiale Bildung umgewandelt wird. Somit verbliebe das Privatgymnasium in Panketal als letzter Ort gymnasialer Bildung im Ort. Dieses Gymnasium ist eine hervorragende Schule, aber eben nur für jene Schüler deren Eltern das Schulgeld aufbringen können. Wer diesen rücksichtslosen Bildungskahlschlag befürwortet, wem also die Bildung unserer Kinder egal ist, möge die Abgabe der Gesamtschule unterstützen. Allen anderen sollte sich vehement gegen eine Abgabe der Grundschule wehren.

Mathias Hasselmann 28.08.2019 - 18:08:45

Hintergrund Abgabe Gesamtschule

Hintergrund der Diskussion um die Gesamtschule ist die zentrale Frage, ob den Schülern in Panketal auch weiterhin eine Schule mit gymnasialer Oberstufe zur Verfügung stehen soll. Bei Abgabe der Gesamtschule an den Kreis, ist davon auszugehen, dass auch diese letzte Gesamtschule im Landkreis Barnim in eine Oberschule, also eine Schule ohne weiterführende, gymnasiale Bildung umgewandelt wird. Somit verbliebe das Privatgymnasium in Panketal als letzter Ort gymnasialer Bildung im Ort. Dieses Gymnasium ist eine hervorragende Schule, aber eben nur für jene Schüler deren Eltern das Schulgeld aufbringen können. Wer diesen rücksichtslosen Bildungskahlschlag befürwortet, wem also die Bildung unserer Kinder egal ist, möge die Abgabe der Gesamtschule unterstützen. Allen anderen sollte sich vehement gegen eine Abgabe der Grundschule wehren.

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