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Zum zweiten Solidarischen Abendessen in Biesenthal kamen noch mehr Gäste als vor einem Jahr. Bürgerasyl wird auch im Barnim praktiziert.

Bürgerasyl
300 Gäste kamen zum Biesenthaler Abendessen auf dem Marktplatz

Schmackhaft: Viele Gäste brachten zum Abendessen am Donnerstag unter der Eiche auf dem Biesenthaler Marktplatz eigene Speisen mit. Für den Freitagabend hatten Maria und Josef Keil auch zu einem "Abendessen in Bunt" nach Bernau eingeladen.
Schmackhaft: Viele Gäste brachten zum Abendessen am Donnerstag unter der Eiche auf dem Biesenthaler Marktplatz eigene Speisen mit. Für den Freitagabend hatten Maria und Josef Keil auch zu einem "Abendessen in Bunt" nach Bernau eingeladen. © Foto: Sergej Scheibe
Olav Schröder / 30.08.2019, 20:21 Uhr
Biesenthal (MOZ) Kamen vor einem Jahr zum ersten Solidarischen Abendessen in Biesenthal rund 250 Besucher, fand es am Donnerstagabend bei der Neuauflage offensichtlich noch mehr Zuspruch. Rund 300 Gäste aus Biesenthal und darüber hinaus wurden von den Veranstaltern gezählt. Sie trafen sich zum gemeinsamen Abendessen, um sich für unteilbare Menschenrechte und gegen Ausgrenzung und Rassismus einzusetzen. Eingeladen hatten unter anderem die Willkommensinitiative, die Evangelische Kirchengemeinde, die Lokale Agenda, der Wukania-Projektehof, Kultur im Bahnhof, das Bürgerforum, Bürgermeister Carsten Bruch (CDU), die Linke und die Bündnisgrünen. "Jeder 111. Mensch auf der Welt hat sein Zuhause unfreiwillig verlassen", stellte Jenny Schwender vom Mitveranstalter "Barnim für alle" fest. Sie organisiert auch die in loser Folge seit anderthalb Jahre stattfindenden Treffen von "Café´M.E.N.S.C.H"

Dass seine Großeltern bei Tisch nicht über Politik sprachen, daran erinnerte Landrat Daniel Kurth (SPD). Und zwar, um die Kinder damals – in der Nazizeit – zu schützen. Zu solch einer Situation dürfe es nie wieder kommen, mahnte er.

Anlass für das erste Solidarische Abendessen vor einem Jahr war eine rassistische Bedrohung in der Stadt gewesen, sagte Philipp Grunwald von "Barnim für alle". Seitdem habe es in der Stadt keinen derartigen Übergriff mehr gegeben. "Christen", so betonte Pfarrer Christoph Brust, legen Wert darauf, für ein gerechtes Miteinander einzutreten."

Die ersten Monate in einem neuen Land seien nach der Flucht besonders "belastend, weil sehr zermürbend", so Philipp Grunwald. Viele Flüchtlinge bringen zwar berufliche Fähigkeiten mit, dürften jedoch noch nicht arbeiten und erleben sich ungewollt als Bittsteller bei den Behörden. Wenn der Aufenthalt nur geduldet sei, erhielten sie keinen Sprachkurs. Der 28-jährige Mustafa Hussein kennt diese Situation. Er kam Ende 2018 in Deutschland an und bringt ein abgeschlossenes Maschinenbaustudium mit. Sein Asylverfahren läuft noch, dafür hat er eine Aufenthaltsgestattung erhalten.  "Ich habe mir Deutsch selbst beigebracht", sagt er. Die B1-Prüfung (selbstständige Sprachverwendung) hat er bestanden, dolmetscht heute drei Tage in der Woche in der Beratungsstelle der Hoffnungstaler Stiftung in Lobetal. "Ich suche mir für jeden Tag eine Aufgabe", sagt er.

Mann mit Kippa

"Barnim für alle" tritt dafür ein, dass jedes Schicksal individuell zu betrachten sei. Durch das Kirchen- und das "Barnimer "Bürger*innenasyl" soll erreicht werden, dass auch in Fällen, in denen die Abschiebung droht, ein Asylverfahren durchgeführt wird. Im Barnim sei dies bereits in vier Fällen mit Hilfe des Bürgerasyls gelungen, berichtet Philipp Grunwald. Gegenwärtig werde in weiteren Einzelfällen Bürgerasyl gewährt. Dass auch in Bernau Toleranz einen großen Stellenwert geniest, hat der Bernauer Stadtverordnete Josef Keil erlebt. Als er vom zunehmenden Alltagsrassismus in Eberswalde erfuhr, ist er mit einer Kippa auf dem Kopf durch Bernau gegangen, ohne auch nur eine negative Bemerkung zu hören. Seiner Bitte in der Bernauer Stadtverordnetenversammlung, sich zu erheben und dadurch diesen guten Eindruck zu unterstreichen, kamen alle Fraktionen nach.

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