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In Chorin wird am Freitag wieder zur Stillen Stunde eingeladen.

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Feierabend-Entschleunigung hinter Klostermauern

Drei Freunde der Stille: Herwart Pretzer, Eva Behrendt und Babette Mattenklodt beim Klosterbesuch im September
Drei Freunde der Stille: Herwart Pretzer, Eva Behrendt und Babette Mattenklodt beim Klosterbesuch im September © Foto: Kuba Kruszakin
Kuba Kruszakin / 09.10.2019, 19:32 Uhr
Chorin (Freier Autor) Jeden zweiten Freitag im Monat ist das Kloster Chorin für die Stille Stunde reserviert. Wer daran teilnimmt, soll "selbst wahrnehmen, zur Besinnung kommen", in Stille und Schweigen die Klosterkirche und die Kreuzgänge erleben" – so bewirbt das Kloster das Konzept von Sven Ahlhelm, der vor fast genau einem Monat zum zwölften Mal Leute im Gebäude willkommen hieß. "Es kommen zwischen einem und 40 Besucher hierher, um sich für eine Stunde schweigend ein schönes Plätzchen im Kloster zu suchen oder herumzuwandern", erklärt der 53-Jährige aus Trampe.

Vor vier Wochen konnte er sich über vier Besucher freuen – darunter zwei, die zum ersten Mal mitmachen. "Ich war noch nie hier", sagt Eva Behrendt aus Berlin. In der Hauptstadt sei Stille nicht wirklich präsent, was eine Herausforderung darstelle. "Ich habe gelesen, dass es diese Stille Stunde gibt und das hat mich sehr gereizt, einfach mal ruhig irgendwo in einem Kloster zu sitzen und bei sich zu sein." Babette Mattenklodt brachte sie gleich mit. Herwart Pretzer ist hingegen Stammgast. "Ich bin zum achten Mal dabei", erklärt der Mann aus Serwest. "Wenn Stille Stunde ist, sprechen nur die Backsteine."

Kurz vor halb sieben laufen die Gäste zum Tor. Sven Ahlhelm schildert ihnen detailliert den Aufbau des Gebäudes, erläutert kurz dessen Geschichte, um anschließend eine Regel des heiligen Benedikt zu verlesen, dessen Ideale die Grundlage des Zisterzienserordens bilden: "Wir sollen wissen, dass wir nicht erhört werden, wenn wir viele Worte machen, sondern wenn wir in Lauterkeit des Herzens und mit Tränen der Reue beten."

Gleich danach läutet die kleine Glocke. Die stille Stunde beginnt. Die Besucher finden schnell zu ihren Plätzen. Einige gehen in die große Halle, andere bleiben lieber draußen oder im Gebetsraum. Es fällt kein einziges Wort mehr – nur der Vogelgesang und seltene, leise Geräusche der Straße sind zu hören.

Nach einer Stunde läutet die Glocke erneut – die Stunde ist vorbei. Diejenigen, die ein wenig länger geblieben sind, trinken Tee und reden miteinander. "Ich find’s schön, den Alltag der Woche von sich fallen zu lassen", sagt die Chorinerin Susanne Meyer, die zum zweiten Mal mitmacht. "Ich bin aus einem stressigen Tag gekommen und wusste: Mich empfängt hier eine Ruhe. Ich habe mir verschiedene Orte rausgesucht und geguckt, wie mir die Lichter gefallen, wie die Geräusche sind, wo ich bequem sitze und ein wenig darauf geachtet, wo auch die Anderen sind. Und ich habe den Raum auf mich wirken lassen. Am Ende bin ich dann wirklich müde und ruhig – also jetzt bin ich total entspannt und kann jetzt gut nach Hause."

Wer die Stille Stunde selbst erleben möchte, hat diesen Freitag um 18.30 Uhr Gelegenheit dazu. Das Angebot ist kostenlos.

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