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Die geplante B 167 neu spaltet die Gemüter. Schorfheide kämpft um den Autobahnanschluss,  Anwohner fühlen sich ungehört.

Straßenbau
Mitten durch oder außen rum

Rush-Hour zur blauen Stunde: Dicht rollt der Feierabendverkehr an den Grundstücken in der Marienwerderstraße vorbei. Ob sich die Situation für die Anwohner ändert, wenn die Autobahnabfahrt bleibt, ist fraglich.
Rush-Hour zur blauen Stunde: Dicht rollt der Feierabendverkehr an den Grundstücken in der Marienwerderstraße vorbei. Ob sich die Situation für die Anwohner ändert, wenn die Autobahnabfahrt bleibt, ist fraglich. © Foto: Marco Marschall
Susan Hasse / 09.11.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 09.11.2019, 09:29
Finowfurt (MOZ) Wir werden im Zweifel dagegen klagen", kündigt der Schorfheider Bürgermeister Uwe Schoknecht an. Wenn die zuständige Planungsbehörde der neuen B 167 weiterhin an der Schließung der Autobahnabfahrt Finowfurt festhält, werde die Kommune alle juristischen Mittel ausschöpfen.

Der Autobahnanschluss Finowfurt sei für Schorfheide essentiell, so der Bürgermeister. Die Gewerbetreibenden und das Fachmarktzentrum in Finowfurt würden sonst durch die veränderten Verkehrsflüsse abgeschnitten und drohten auszubluten, so seine Überzeugung. Direkt betroffen wären, laut dem Finowfurter Gemeindevertreter Wilfried Bender, um die 500 Arbeitsplätze.

Noch mehr Lkw in Lichterfelde

Gegen ein Dichtmachen der Finowfurter Abfahrt spreche zudem, dass der dortige Park-and-Ride-Parkplatz ersatzlos wegfallen würde. Der Platz würde derzeit von dutzenden Handwerkern und morgendlichen Fahrgemeinschaften rege genutzt. Von großer Bedeutung sei die Abfahrt nicht nur für die Finowfurter, sondern auch für die Einwohner in Lichterfelde. Der Autoverkehr ins Finowtal und nach Finowfurt würde sonst nämlich verstärkt durch Lichterfelde rollen, befürchtet Bürgermeister Uwe Schoknecht. Schon jetzt sei dort sehr viel Lkw-Verkehr unterwegs.

Ärgerlich sei, dass in der Debatte mit falschen Zahlen operiert werde, der Abstand der alten Auffahrt und der neuen Anschlussstelle zur geplanten B 167 beträgt mehr als 1000 Meter und nicht wie in der Planung behauptet 800 Meter. "Wir haben nachgemessen", so Schoknecht.

Auf drei Seiten hat die Gemeinde ihre Kritik zusammengefasst und an das zuständige Landesamt geschickt. Sogar die Opposition lobt: "Eine sehr gute Stellungnahme", so Katharina Slanina von den Linken. Darin wird auch der Bau eines Knotenpunktes an die neue Schnellstraße gefordert, deutlich mehr Lärmschutz und Rücksicht für betroffene Anlieger an den Wohngebieten an der Messingwerkstraße, in Conradshöhe und der Trift-/Walzwerkstraße. Der Bürgermeister kann sich auf Rückenwind der Gemeindevertreter verlassen. Der mittlerweile 20. Beschluss aus Schorfheide zum geplanten Neubau der B 167 passierte den Bau- und Hauptausschuss einstimmig.

Der erste Beschluss wurde im April 1995 gefasst, damals hatten die Finowfurter noch eine andere Meinung und sprachen sich für die Schließung der Autobahnzufahrt  aus. Einige damals aktive Lokalpolitiker hätten in der Nähe der Abfahrt gewohnt, so Schoknecht. Doch die Zeiten haben sich geändert. Heute gebe es in Finowfurt große Gewerbegebiete, die die Zufahrt brauchen und viele Unternehmer, die nach Berlin pendeln. "Es ist völlig legitim, dass eine Gemeindevertretung ihre Meinung ändert", so Schoknecht. Er rät dem Gremium und dem neuen Bürgermeister, alle Rechtsmittel auszuschöpfen und für die Abfahrt zu kämpfen. Auch um den Preis, dass sich der Bau der Umgehung verzögert, gibt Schoknecht die Marschroute vor.

So weit, so einstimmig. Doch was ist mit den lärmgeplagten Einwohnern in der Marienwerderstraße von Finowfurt? Der 72-jährige Raimund Stöwe lebt genau dort und das seit 72 Jahren. Er will die Umfahrung und hatte schon bei der Informationsabend am vergangenen Montag Kritik an den Gegnern des Vorhabens geübt. Den Kampf um die Autobahnabfahrt kann er nicht nachvollziehen. "Wenn die Umfahrung kommt, braucht Finowfurt die Abfahrt wie einen Kropf", sagt er.

Lärmpegel droht zu bleiben

Der Rentner hat uns zum Feierabendverkehr auf sein Grundstück nicht weit von der Autobahnabfahrt eingeladen. Stoßweise ziehen immer wieder Pkw-Kolonnen, auch Lkw an den Eigenheimen vorbei. Der Lärmpegel erschwert die Plauderei auf dem Bürgersteig. Er sei kein Querulant, meint Stöwe. Auch er fahre sporadisch mal nach Berlin und nutze die nahe Auffahrt. "Den Krach habe ich aber das ganze Jahr". Auch am Wochenende, wenn die Großstädter aufs Land kommen. Vor Jahren kam immerhin die Tempo-30-Zone auf diesem Abschnitt durchs Dorf. Mit den Knotenpunkten zur Umfahrung, meint Stöwe, wäre die Autobahn auch künftig gut erreichbar. Es sei eben eine Frage der Gewohnheit. Sollte die Abfahrt in Finowfurt bleiben, wird auch der Verkehr vor seiner Tür weiter rollen. Da ist er sich sicher.

Dauerbaustelle und Thema seit Anfang der 90er

Die geplante Umgehung B 167neu soll Eberswalde besser an die Autobahn A 11 anbinden. Sie soll parallel nördlich des Oder-Havel-Kanals an Finowfurt vorbeiführen, diesen später queren und südlich der Wasserstraße weiter bis zur Angermünder Chaussee in Nordend in Eberswalde verlaufen. Das Vorhaben und dessen Nutzen ist umstritten. Vor allem der Lärmschutz für die anliegenden Anwohner ist großer Streitpunkt. Zudem wird kritisiert, dass die neue Straße keine Umgehung sei, da sie mitten in Eberswalde endet. Der 2. Bauabschnitt zur B 167 ist nicht einmal in Planung, wird also weitere Jahre brauchen. Eine Bürgerinitiative kämpft gegen die B 167neu.⇥red

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