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Seit Sommer 2016 gilt in Brandenburg eine Rauchmelderpflicht in Wohnungen. Bis Ende 2020 muss jedes Zimmer  mit einem Gerät ausgestattet sein.

Brandmelder
Feuerwehr: Lieber Fehlalarm als Hausbrand

Rauchmelder in jedem Aufenthaltsraum: Norbert Thron von der Firma Gefahrenmelde-Elektrotechnic Markus Weimann aus Bernau bringt am Freitag ein Gerät an. Bis Ende 2020 müssen alle Wohnungen ausgestattet sein.
Rauchmelder in jedem Aufenthaltsraum: Norbert Thron von der Firma Gefahrenmelde-Elektrotechnic Markus Weimann aus Bernau bringt am Freitag ein Gerät an. Bis Ende 2020 müssen alle Wohnungen ausgestattet sein. © Foto: Sergej Scheibe
Sabine Rakitin / 09.11.2019, 09:00 Uhr
Bernau (MOZ) In manchen Wochen ist es anstrengend. Da muss die Freiwillige Feuerwehr Bernau immer wieder ausrücken, weil eine Brandmeldeanlage oder ein Heimrauchmelder Alarm geschlagen hat. Zumeist sind es Bagatellen, die den Einsatz auslösen: eine heiße Dusche bei offener Badezimmertür, das angebrannte Mittagessen auf dem Herd oder auch nur die entleerte Batterie im Rauchmelder, die für einen grellen Alarmton sorgen.

Ähnliche Erfahrungen machen auch die Frauen und Männer der Eberswalder Berufsfeuerwehr. Von insgesamt 979 Einsätzen im vergangenen Jahr gingen 222 auf Brandalarm zurück. In 62 Fällen schlugen Brandmeldeanlagen oder private Rauchmelder an. 34-mal davon waren es Fehlalarme. Rechtfertigt da der Aufwand den Nutzen? Für Stadtbrandrat Nikolaus Meier stellt sich diese Frage nicht. "Es wird eine Gefahr gemeldet. Menschen könnten verletzt oder gar getötet werden. Sie zu retten ist unser täglich Brot", sagt er. Gleichwohl kann sich der Feuerwehrchef gut vorstellen, dass bei den Kollegen von den freiwilligen Wehren durchaus manchmal Unmut aufkommen kann, wenn sie mehrmals wegen Fehlalarms ausgerückt sind. "Wir von der Berufsfeuerwehr sind eh da. Die Wache ist rund um die Uhr mit sieben Mann besetzt, 365 Tage im Jahre", stellt er fest. Für ehrenamtliche Feuerwehrleute sei die Situation eine gänzlich andere.

Seit dem 1. Juli 2016 besteht in Brandenburg eine Rauchmelderpflicht auch für Wohnungen. Seitdem sind die Warnmelder Bestandteil bei Neu- und Umbauten. Für bestehende Wohnungen gilt die Übergangsfrist zum Einbau bis 31. Dezember 2020. Mit Ausnahme von Küchen, Bädern und Toiletten müssen alle Aufenthaltsräume mit Rauchwarnmeldern ausgestattet sein, auch Flure, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen führen. Das ist in der Brandenburgischen Bauordnung festgeschrieben. Verantwortlich für die Montage der Rauchmelder ist bei Neubauten der Bauherr. Nicht geregelt hat der Gesetzgeber, wer die Verantwortung im Falle von Bestandsbauten trägt. Allgemein wird aber davon ausgegangen, dass die Nachrüstung von Rauchwarnmeldern in Brandenburg dem Eigentümer obliegt. Hat er die Geräte in die Wohnungen eingebaut, ist er auch für die Inspektion und Wartung zuständig.

Bernaus größter Vermieter, die städtische Wohnungsbaugesellschaft Wobau, stattet ihre Häuser schon seit mehreren Jahren entsprechend aus. Die Kosten sind nicht ohne. Bei mehr als 4000 Wohnungen kommt allein für die Anschaffung der Rauchmelder eine hohe fünfstellige Euro-Summe zusammen.

Rauchwarnmelder machen Sinn

Nikolaus Meier, Eberswaldes Berufsfeuerwehr-Chef, ist dennoch ein Verfechter von Rauchwarnmeldern in jedem Zimmer der Wohnung. "Pro Jahr sterben in der Bundesrepublik 500 Menschen, weil sie im Schlaf von einem Brand überrascht wurden", weiß er. Die Rauchmelder seien dazu da, die Bewohner frühzeitig zu warnen und zu wecken, damit sie rechtzeitig vor den Flammen flüchten könnten, stellt er klar.

Jürgen Jankowiak, Baudezernent in Bernau, sieht das genauso. "Nicht das Feuer, sondern der Rauch ist gefährlich", sagt er. "Warnmelder können viele Leben retten." Allerdings findet der Dezernent die Konstruktion des Gesetzgebers "nicht ganz so richtig". Eine Kontrolle gebe es außer für Sonderbauten wie Hotels, Kitas und Schulen nicht. Brandschauen, wie es sie in der DDR auch für Wohnhäuser gab, seien gar nicht möglich, ist Nikolaus Meier indes überzeugt. "Die Menschen haben auch eine Eigenverantwortung", sagt er.

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