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Grundschüler aus Basdorf haben eine Doku über das Thema Sterben gedreht. Der Film "Abschied gehört zum Leben" wurde jetzt uraufgeführt und soll bald im Internet zu sehen sein.

Schülerprojekt
Film übers Sterben: Grundschüler aus Basdorf drehen 50-minütige Doku

Christian Heinig / 18.11.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 19.11.2019, 11:46
Basdorf (MOZ) Schon die ersten Minuten des Films sind ziemlich eindringlich. Etwa, als ein Mädchen, im Klassenzimmer stehend, ihren Mitschülern von den letzten Momenten ihrer Hündin Bela berichtet. "Sie lag auf der Couch, ist etwas fressen gegangen, dann hat sie sich wieder auf die Couch gelegt – und plötzlich aufgehört zu atmen. Wir wussten nicht, warum, haben nichts geahnt." Fast zwei Wochen sei sie danach traurig gewesen, habe geweint, sagt sie mit leicht zitternder Stimme. Dann hat sie ihre Eltern gefragt, ob sie einen neuen Hund kaufen können. "Das haben wir auch, jetzt ist es wieder schön."

Ein geliebtes Haustier zu verlieren, solche Erfahrungen machen viele Kinder in jungen Jahren. Leicht ist das sicher nicht. Noch viel schwieriger aber dürfte es sein, darüber vor anderen zu sprechen, noch dazu, wenn die Kamera läuft.

Genau das aber haben die Schüler der 6. Klasse der Grundschule Basdorf getan. Zusammen mit dem Film-Regisseur Bernd Sahling haben sie in den vergangenen Monaten eine Doku über das Thema Sterben gedreht. "Abschied gehört zum Leben" heißt der Werkstattfilm, der am Wochenende im Rahmen des Wandlitzer Familienfilmfestes in der Kulturbühne "Goldener Löwe" uraufgeführt wurde.

Für die Doku, die während des Unterrichts entstanden ist, haben die Schüler nicht nur über eigene Erfahrungen gesprochen, sie haben auch Menschen interviewt, die mit dem Thema Tod beruflich in Berührung kommen. Mit einer Altenpflegerin, mit einem Bestatter und, wie der elfjährige Max Grünwald, mit einem Feuerwehrmann, der obendrein sein Papa ist. "Warst du schon mal dabei, als ein Mensch bei einem Feuer gestorben ist?", fragt Max in dem Film. Die Antwort von Vater Heiko, Hauptbrandmeister der Feuerwache in Berlin-Weißensee, lautet: "Ja. Einmal kam jede Hilfe zu spät."

Die Idee zu dem außergewöhnlichen Film-Projekt hatte Regisseur Sahling. Der 58-Jährige, der 2004 für "die Blindgänger" den Deutschen Filmpreis erhielt, macht seit Jahren Filme über Kinder und Jugendliche. Da er selbst in Basdorf lebt, fragte er einmal vor Ort nach – mit Erfolg. Die Wandlitzer Schulverwaltung und Jugendkoordinatorin Gabriele Breest-Grohnwald waren von Beginn an als Unterstützer an Bord, die Gemeinde stellte ein Budget von 5000 Euro bereit. Und mit Andrea Scholz (6b) und Holger Raatz (6d) fanden sich an der Basdorfer Grundschule zwei engagierte Lehrer.

Die einzige Bedingung von Sahling für die Umsetzung des Projekts: Es musste eine Doku sein. Das Thema: frei wählbar. "Mit dem Thema Abschied und Sterben haben mich die Schüler dann selbst überrascht", gesteht Sahling. Wie es dazu kam? "Wir hatten auch andere Ideen", berichtet der elfjährige Julius Dittrich. Das eine war "Horror", das andere ein Porträt über einen Polizisten. Aber dann hätte man sich für das Thema "Abschiednehmen" entschieden. "Da ist uns viel zu eingefallen", sagt Julius.

Während Sahling Regie, Kamera und Schnitt übernahm, suchten die Schüler die Protagonisten, überlegten sich Fragen und zogen los, zum Teil auch nach Unterrichtsende. Als Filmlänge waren eigentlich 15 Minuten geplant, am Ende sind es 50 geworden.

Sahling will die Doku gern beim Kinderfilmfestival "Goldener Spatz" einreichen. Auch im Internet soll sie bald zu sehen sein, auf der Homepage der Schule und der Gemeinde. Es gibt nur einen Haken: Bevor es soweit ist, will Sahling den Ton noch einmal abmischen lassen. Und das könnte noch bis Januar dauern.

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