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Tennis
"Immer noch eine Mauer im Kopf"

Britta Gallrein / 30.11.2019, 06:15 Uhr
Bernau (MOZ) Tennis tut sich immer noch schwer im Osten. Das behauptet Wolfram Schmidle, erfolgreicher Spieler und Coach. Schmidle organisiert Weltranglistenturniere für Senioren. Eins davon findet noch bis Sonntag in Bernau und Kleinmachnow statt.

Es geht ruhig zu im Sportforum Bernau. Dass hier eins der wichtigen Weltranglistenturniere stattfindet, sollte man auf den ersten Blick nicht vermuten. Man kennt sich. Vor den Spielen und danach haben die meisten noch Zeit für ein Schwätzchen.

Spieler aus der ganzen Welt stehen auf dem Platz. In den Starterlisten finden sich Herkunftsländer wie die Schweiz, Schweden, Peru, Niederlande, Polen, Italien, Östereich und eine Teilnehmerin ist sogar aus Australien angereist. Sie alle sind auf der Jagd nach den so wichtigen Punkten, die sie in der Weltrangliste weiter nach oben katapultieren.

Teilnehmen können Spieler über 35 Jahre, die ältesten sind über 80. "Tennis ist ein Sport, den man wirklich in jedem Alter ausüben kann", sagt Wolfram Schmidle. Er berichtet von einem seiner älteren Schüler. "Der kam immer zum Zugucken und hat die Spieler unseres Vereins angefeuert. Irgendwann hat er mich gefragt, ob ich ihm nicht auch mal eine Trainerstunde geben wollte. Mit 86 Jahren. Ich habe das damals zugesagt. Er hatte davor schon einige Jahre Tennis gespielt, aber nie richtig Stunden genommen. Ich habe ihn innerhalb von zwei Jahren so weit gebracht, dass er bei unserem Turnier in Hinterzarten, bei dem Weltranglistenspieler an den Start gehen, teilnehmen konnte und sich sogar ganz gut geschlagen hat." Wer eine gewisse Grundkonstitution mitbringe, sagt Schmidle, kann auch als älterer Mensch das Spiel mit dem Ball noch lernen. "In den USA war ich bei einem Turnier, da waren sogar 90-Jährige am Start. In welchen anderen Sport kann man das noch?" Die Vorteile: Durch die Koordination bleibe man auch im Kopf fit. "Wer mit Köpfchen spielt, kann manchmal fehlende Geschwindigkeit oder Technik ausgleichen." Außerdem sei Tennis nicht verletzungsintensiv.

Es herrschte Aufbruchstimmung

Gebürtig kommt Wolfram Schmidle vom Bodensee. Der derzeitige 22. der Weltrangliste in seinem Alter kam 1997 nach Bernau, weil seine Tochter erfolgreich in Berlin Tennis spielte. "Mir hatte jemand gesagt, dass man hier im Osten ein großes Ding aufziehen wollte im Tennis. Ich fand das total spannend." In Matthias Paul, ehemals Leistungssportler im Fechten und heute Inhaber des Sportforums, fand Schmidle einen engagierten Partner. Beide errichteten ein Tennis-Leistungszentrum. "Das war eine richtige Aufbruchstimmung damals." Und die beiden hatten Erfolg. Es gab reichlich Anmeldungen. "Die Kinder wurden damals um 8 Uhr abgeholt und hierher gebracht, um noch zu trainieren, bevor es weiter in die Sportschule Hohenschönhausen ging", erinnert sich Schmidle. "Seine" Kinder wurden gut, gewannen bei Landes- und Bundeswettbewerben. "Das war dem Verband damals ein Dorn im Auge. Wir wurden mit viel Skepsis beobachtet", berichtet Schmidle. "Wir waren einfach zu gut. Und wir haben Tennis für alle Kinder angeboten, nicht nur für die reicher Eltern. Für den Verband gehörte Tennis nicht in den Osten, sondern in den Südwesten von Berlin." Die großen Tennisclubs wie der LTTC Rot-Weiß Berlin oder Nicolassee – da sollten die besten Tennisspieler hin. Die Bemühungen der Bernauer, Tennis-Stützpunkt zu werden, wurden vom Verband nicht unterstützt, die Verbindung zur Sportschule gekappt. Das Leistungszentrum ist inzwischen Geschichte.

Berliner bleiben unter sich

Auch heute, glaubt Schmidle, gebe es immer noch eine "Mauer in den Köpfen", was Tennis angehe. Bis auf Usedom/Stettin und Friedrichshagen, wo früher ein kommunistisches Grand Slam Turnier stattfand, gebe es kaum große Turniere in den neuen Bundesländern. "Eigentlich müssten hier bei unserem Turnier rund 200 Teilnehmer sein. Aber die Berliner bleiben immer noch lieber unter sich." Deshalb habe er als zweiten Turnier-Standort auch Kleinmachnow gewählt.

Tennis spielen kann man trotzdem heute noch in Bernau. Rund 100 Mitglieder hat der TTC Sportforum Bernau, berichtet Kassenwart Markus Thulmann. Darunter sind auch viele Kinder. "Tennis hat viele Vorteile für Kinder", findet er. "Sie sind an der frischen Luft, können bei uns Wettkämpfe bestreiten, lernen immer neue Leute kennen, entwickeln Mannschaftsgeist, brauchen Köpfchen und Technik", wirbt er für den Sport. Neben reinen Freizeitturnieren bietet der TTC auch leistungsorientierte Turniere wie das Barnim Open an, an dem die besten Spieler der Region an den Start gehen.

Nicht nur ein Sport für Reiche

Dass Tennis ein Sport für Reiche sei, sei heutzutage absoluter Quatsch, sagt Thulmann. "Bei uns zahlen Kinder 120 Euro Beitrag pro Jahr, Erwachsene 250 Euro." Viel mehr als ein paar gute Schuhe, Trainingssachen und einen Schläger brauche es nicht, um dabei zu sein. "Der Preis für Trainerstunden für Kinder liegt bei uns zwischen fünf und acht Euro – je nachdem, wie groß die Gruppen sind", erklärt Thulmann, der bei der Organisation des Seniorenturniers hilft und derzeit fast Tag und Nacht im Einsatz ist.

Zwei Bernauer haben dort übrigens noch gute Chancen. Urs Ganther und Franziska Letsch vom TTC könnten es diesmal recht weit nach oben schaffen.

Hoher Kalorienverbrauch, geringes Risiko

Laut dem Magazin Sportrade liegt Tennis auf Platz 2 der gesündesten Sportarten. Hier die Top 3:

1. Schwimmen: Schwimmen ist gutes Training für das Herz, verbessert die Lungenkapazität und Muskelaufbau.2. Tennis: Bei einer Stunde Tennis verbrennt man rund 600 Kalorien. Kleine Sprints, Stopps und Aufschläge verbrennen viel Kalorien.3. Rudern: Auch Rudern kann durch hohen Kalorienverbrauch und ein sehr geringes Verletzungsrisoko punkten.

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