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Kita-Kosten
Beitragsschock für Eltern

Keine Angst vor kaltem Wasser: Kinder der Bernauer Awo-Kita "Regenbogen" lassen es sich im Sommer beim Spielen mit Bällen gut gehen. Die kleine Kneipptour trägt dazu bei, die Kinder besser gegen Erkältungen abzuhärten.
Keine Angst vor kaltem Wasser: Kinder der Bernauer Awo-Kita "Regenbogen" lassen es sich im Sommer beim Spielen mit Bällen gut gehen. Die kleine Kneipptour trägt dazu bei, die Kinder besser gegen Erkältungen abzuhärten. © Foto: Sergej Scheibe
Hans Still / 10.01.2020, 20:44 Uhr
Wandlitz/Bernau (MOZ) Für hunderte Eltern mit Kindern in den fünf Kitas der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Kreisverband Bernau beginnt das neue Jahr mit einem Paukenschlag. Die Beitragssätze wurden von der Awo neu kalkuliert – damit sind in Bernau, Eberswalde und Wandlitz teilweise gravierende Kostenerhöhungen verbunden. Eltern laufen vehement Sturm dagegen und verlangen, die Awo möge ihre Kalkulationen korrigieren und die Beiträge sozial ausgewogen staffeln. So schreibt Jacob Hirschler* aus Wandlitz der MOZ: "Für unsere Tochter im Krippenalter ergibt sich bei einer täglichen Betreuungszeit von acht Stunden eine Erhöhung um knapp 26 Prozent. Richtig hart trifft es die Eltern der Kinder über drei Jahre. Hier macht die Gebührensatzung keinen Unterschied mehr zwischen Kita und Krippe."

Infoabend zunächst abgesagt

Awo-Geschäftsführer Frank Peters und die Verwaltungschefin Barbara Thürmann bestätigen den neuen Ansatz, der mit der druckfrischen Beitragsordnung verfolgt wird. "Wir haben die Trennung zwischen Krippe und Kita aufgegeben", so Barbara Thürmann. Zugleich versichert sie: "Ich verstehe den Übergangsschock der Eltern. Aber wir müssen die Beiträge neu anpassen und bewegen uns auf dem Niveau anderer Träger."

So sei die Awo gezwungen, die gestiegenen Personalkosten im öffentlichen Dienst einzupreisen. Das Essen, nämlich Frühstück und Vesper, gehören in die Kalkulation, ebenso Unkostenbeiträge für die Kitas. Und weiter: "Niemand von der Awo hortet Gewinne unter dem Kopfkissen. Wir rechnen die Kosten auf den Platz genau mit den Kommunen ab. Wenn wir Gewinne hätten, müssten wir diese zurückführen", so Verwaltungschefin Thürmann.

Der Blick auf die alte und die neue Beitragstabelle offenbart das Maß der Steigerung. In der neuen Tabelle resultieren die Beiträge jeweils aus 6,4 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens. In den alten Tabellen fand hingegen eine soziale Staffelung statt, die bei Kitakindern mit 2,75 Prozent in den unteren Einkommensgrenzen begann (ab 1001 Euro) und bei 3,25 Prozent (ab 3001 Euro) endete. Damit nicht genug: Eltern mit bis zu 2000 Euro Netto zahlten 2019 nur 55 Euro für das erste Kitakind. Nunmehr werden dafür 106,69 Euro fällig. Das zweite Kind kostete früher 46,75 Euro, neu aber 96,02 Euro. Bis zu 200 Prozent Aufschlag gebe es nach Elternaussagen, darin sind dann aber auch Essensgelder eingerechnet. Eine ähnliche Entwicklung gibt es beim Vergleich der Kosten für Krippenkinder.

Besonders aus Wandlitz kommt der Protest, der nun auch die Verwaltung beschäftigt. "Uns liegt die neue Beitragsliste noch nicht vor", sagte am Mittwoch Sachgebietsleiterin Daniela Meyer-Kuntzsch. Sie versichert, schon in der nächsten Woche das Gespräch mit der Awo zu suchen. Zumal die Wandlitzer Eltern nicht zögerten, das Thema dem neuen Bürgermeister Bürgermeister Oliver Borchert auf den Tisch zu packen. "Bei mir kamen etliche Beschwerden an", bestätigt dieser und lässt vorab Zweifel durchblicken. "Hinsichtlich der sozialen Ausgewogenheit der neuen Tabelle sehe ich Probleme."  Auch bereitet Borchert die Erwartung Sorgen, mit den deutlich teureren Awo-Plätzen werde sich der Druck auf die kommunalen Einrichtungen gravierend verstärken. Die von der Awo für die Eltern angesetzten Infoabende fallen zunächst alle aus. Am Dienstag diskutieren der Kreis und die Awo erneut über die Satzung, dann stehen Gespräche in Wandlitz an. Erst wenn es Konsens gibt, bekommen die Eltern neue Informationen.*Name geändert

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