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10-Minuten-Takt der S-Bahn
Brückenbau in Berlin-Buch sorgt für Ärger in Bernau

Christian Heinig / 05.02.2020, 20:00 Uhr - Aktualisiert 07.02.2020, 13:16
Bernau (MOZ) Kurz nach dem Jahreswechsel hatte es so ausgesehen, als wäre in das Gezerre um einen möglichen Zehn-Minuten-Takt auf der S2 ein bisschen Ruhe eingekehrt. Da hatte der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) mitgeteilt, dass die Deutsche Bahn dabei ist, eine solche Taktung zu prüfen. Und: Dass die Ermöglichung eines Zehn-Minuten-Taktes "prioritär weiterbetrachtet" werde. Das klang gut – vor allem in den Ohren vieler Pendler.

Trotzdem gibt es jetzt, nur knapp drei Wochen später, den nächsten Aufreger. Als erstes hat die Panketaler CDU Alarm geschlagen. Am Montag verschickte die Christdemokratin Christin Enkelmann eigens eine Presseinfo. Thema: Die S2, der Zehn-Minuten-Takt und die Brücke am Pölnitzweg in Berlin-Buch.

"Wie passt das zusammen?"

Enkelmann notiert in ihrer Mail, dass die S-Bahn-Brücke am Pölnitzweg, die sich zwischen den Stationen Buch und Röntgental befindet, erneuert werden soll. Das Problem aus ihrer Sicht: "Aktuell ist diese Brücke mit zwei Gleisen für die S-Bahn ausgestattet, zukünftig soll es nur noch ein Gleis sein", schreibt Enkelmann, die sich daraufhin fragt: "Wie genau passt das mit den immer wiederkehrenden Beschwichtigungen zusammen, dass sich der Zehn-Minuten-Takt in Vorbereitung befindet?" Wenn tatsächlich seit Jahren in Panketal und im Land Brandenburg für den Zehn-Minutentakt gekämpft werde, so Enkelmann weiter, dann wäre zu erwarten, "dass die laufenden Baumaßnahmen zwischen Bernau und Buch – wo immer dies möglich ist – die Grundlage für diese Taktverdichtung schaffen".

Damit spielt Enkelmann darauf an, dass für die Realisierung eines Zehn-Minuten-Taktes womöglich ein zweigleisiger Ausbau zwischen Bernau und Buch notwendig ist.

Auch Pankows Bezirksbürgermeister Sören Benn (Die Linke) ist nicht erfreut. Der MOZ sagt er: "Wir glauben, dass es sinnvoll ist, die zwei S-Bahn-Gleise beizubehalten."

Die Pläne zum geplanten Bau liegen derzeit im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens in der Gemeindeverwaltung Panketal und im Bezirksamt Pankow aus. Panketals Bürgermeister Maximilian Wonke (SPD) hat sie gesichtet und sich ebenfalls verwundert gezeigt über die geplante Baumaßnahme. "Momentan ist die Brücke so breit, dass da ein zweites Gleis passt. Nach dem Bau nicht mehr", glaubt Wonke.

Bei der Deutschen Bahn will man die Aufregung der Politik nicht so recht teilen. Ein Sprecher betont, es würde sich "nichts an den gegenwärtigen Verhältnissen" ändern. Damit meint er die Breite der Brücke.

Ein Stahlüberbau fällt weg

Er bestätigt aber, dass im Rahmen der Erneuerung der Brücke am Pölnitzweg, die 2023 beginnen soll, zwei Überbauten für die Fernbahn vorgesehen sind und nur eine für die S-Bahn. "Von den zur Zeit noch vorhandenen zwei Überbauten der S-Bahn ist nur einer mit einem Gleis belegt und wird für den S-Bahn-Verkehr genutzt." Auf dem anderen liegt kein Gleis. Er soll wegfallen.

Der Sprecher verweist darauf, dass man mit der Erneuerung der maroden Brücke in Buch nicht warten könne, bis die DB Netz AG im Rahmen des Projektes i2030 die Möglichkeiten für einen stabilen Zehn-Minuten-Takt der S-Bahn nach Bernau geprüft habe. "Die Eisenbahnüberführung Pölnitzweg hat ihre vorgesehene Nutzungsdauer bereits überschritten", so der Sprecher. Es gebe erhebliche Schäden.

Die CDU Bernau, die sich ebenfalls mit dem Fall befasst hat, fordert dennoch  Senat und die Brandenburger Landesregierung in einer Erklärung auf, auf eine Änderung der Bahnpläne zu drängen.

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matthias manske 06.02.2020 - 10:04:44

Auf einmal sind die Brücken kaputt

Plötzlich sind die Brücken 100 Jahre alt. Plötzlich gibt es Bevölkerungswachstum im Barnim. Dabei wurde 2006 beim Umbau der Fernbahn (Ausbau der Weichen in Zepernick und Buch sowie Umstellung auf elektronisches Stellwerk / ESTW) bestimmt schon in die Bücher geguckt und gesehen, hoppla, die Brücken sind 90 Jahre alt. Nun hat das Land aber kein 2. Gl und 10 Minuten Takt bestellt. Zu erwarten, die Bahn würde von sich aus vorausschauend planen - wie naiv ist das denn? Wir sind schließlich nicht im 19. Jh wo z.B. ein James Hobrecht bis heute das Berliner Stadtbild prägte (Hobrecht-Plan) Außerdem warten bis zum letzten Poeng - dann zahlt´s der Bund, nicht die Bahn (im Gegensatz zu Instandhaltung). Damit haben wir dann die heutige Situation, oft genug beschrieben in der MOZ. Angesichts BER- und Stuttgart21-Milliarden-Debakel eigentlich nicht verwunderlich auch bei uns so eine kleine Fehlplanung zu haben. Was jetzt auch immer passiert - ohne Nachteile geht´s nicht ab: Neuplanung der noch nicht "verpfuschten" Brücken (Pölnitzweg/Schönerlinder Str.) würde dauern und die Einrichtung von Langsamfahrstellen erfordern. Weiterbauen im Wissen, dass in 4-5 Jahren wieder abgerissen wird, klingt nach teuer. Wie es zu dem Unfug kam und dass es durchaus auch warnende Stimmen gab, lässt sich im Planfeststellungsverfahren nachlesen. Einzig die Gemeinde Panketal und der LK Barnim haben darauf gedrungen die Zweigleisigkeit vorzubereiten (also 2 Brückentröge). Die Vorhabenträgerin (DB Netz) konnte das Eisenbahnbundesamt jedoch überzeugen mit ein paar Metern mehr Gleis in Bernau, Vmax 100 und mehr Strom einen "stabilen" 10 Minuten Takt einrichten zu können. Ist ein wenig viel zu lesen aber es lohnt sich. Die S-Bahn GmbH war mit dieser Planung übrg. auch "nicht glücklich" - hatte letztendlich aber keinen Einfluss darauf. https://www.eba.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/PF/Beschluesse/Brandenburg/51_EUE_Feldweg_in_Panketal.pdf?__blob=publicationFile&v=2 B.4.13 S-Bahnbetrieb Der Landkreis Barnim hat in der Einwendung vom 21.06.2017 des Strukturentwicklungs- und Bauordnungsamts gefordert, die Planung der gegenständlichen Brückenkonstruktion müsse eine Ertüchtigung der S-Bahnstrecke für einen künftigen 10-min Takt zwischen den S-Bahnhöfen Berlin-Buch und Bernau bei Berlin ermöglichen. Daneben fordert die Gemeinde Panketal, mit Schreiben vom 21.07.2017, bei der Erneuerung der Eisenbahnbrücke sollten die Voraussetzungen für eine zweigleisige S-Bahnbetriebsführung erhalten bleiben, um eine künftige Verkürzung der Taktfrequenz zu ermöglichen. Die Erwiderung der Vorhabenträgerin wurde den Einwendern mit Schreiben der Anhörungsbehörde vom 18.09.2017 zur abschließenden Äußerung übersandt. In Reaktion darauf bekräftigen der Landkreis Barnim, die Stadt Bernau und die Gemeinde Panketal in einer gemeinsamen Stellungnahme vom 28.09.2017 nochmals Ihre Forderung, dass die beabsichtigte Infrastrukturmaßnahme die Umsetzung des 10-min Taktes auf der S2 zwischen Berlin-Buch und Bernau bei Berlin auf keinen Fall erschweren bzw. verhindern dürfe. Gestützt wird diese Forderung auf das bereits heute festzustellende und das prognostizierte weitere Bevölkerungswachstum sowie die Landesentwicklungsplanung, Teilaspekt Siedlungsentwicklung. Die Befürchtung, dass mit der geplanten eingleisigen S-Bahntrasse eine derartige Taktverdichtung nicht mehr möglich sei, leiten die Träger aus einer Korridoruntersuchung des VBB ab, die der Planfeststellungsbehörde nicht vorliegt. Insgesamt sei die Erwiderung der Vorhabenträgerin nicht zufriedenstellend. Die Vorhabenträgerin hat mit Schreiben vom 06.11.2017 und nach Aufforderung der Planfeststellungsbehörde ergänzend mit einer E-Mail vom 10.01.2018 auf diese Stellungnahme erwidert. Zusammenfassend führt die Vorhabenträgerin aus, dass die Ersatzneubauten der Brückenbauwerke EÜ Feldweg II, EÜ Gewölbedurchlass Panke, EÜ Schönower Straße und EÜ Bahnhofstraße Röntgental einen 10-min Takt zwischen Berlin-Buch und Bernau nicht verhindern. Mit einer eingleisigen Infrastruktur in diesem Abschnitt sei ein derartiger Takt grundsätzlich realisierbar. Mit der Inbetriebnahme des elektronischen Stellwerks im Abschnitt Röntgental (ESTW – A Zepernick) im Jahre 2016 seien Optimierungen des Spurplans in den Betriebsstellen Zepernick und Bernau vorgenommen worden, die bereits zu einer Stabilisierung eines derartigen Fahrplans beitrage. Allerdings seien, unter Berücksichtigung aller Verkehrshalte, in anderen Bereichen der S-Bahntrasse ergänzende Maßnahmen als Voraussetzungen für die Durchführung eines regelkonformen und stabilen 10-min Takts zu berücksichtigen. Im Wesentlichen sind dies: - der Ausbau der Infrastruktur im betreffenden Abschnitt auf 100 km/h (entsprechend dem Zielkonzept der Berliner S-Bahn), - die Bereitstellung der für eine Geschwindigkeit von 100 km/h benötigten Antriebsenergie, d.h. Ausbau der Stromversorgung und Aufhebung der der aktuell vorhandenen Oberstrombegrenzung, - die Erweiterung des Begegnungsabschnittes südlich des Bahnhofs Bernau. Für die Erweiterung des Begegnungsabschnitts müsse geprüft werden, ob die EÜ Weißenseer Straße für vier Gleise ausgelegt werden sollte. Der bereits anhängige Planfeststellungsantrag für die EÜ Weißenseer Straße würde ggf. überarbeitet. Aus Sicht der Vorhabenträgerin sollte, um die Grundlagen für die Prüfung der Planung der EÜ Weißenseer Straße zu schaffen, kurzfristig im Rahmen des i2030-Projekts der 10-min Takt untersucht werden. Zur ergänzenden Sachverhaltsermittlung hat die Planfeststellungsbehörde mit E-Mail vom 01.12.2017 das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg (MIL) als Aufgabenträger des öffentlichen Personennahverkehrs um Stellungnahme gebeten. Mit E-Mail vom 01.02.2018 erhebt das MIL keine fachlichen Bedenken gegen die EÜ-Baumaßnahmen entlang der Strecke. Vielmehr wird durch das MIL auf die in der Stellungnahme der DB Netz AG vom 10.01.2018 dargestellten zusätzlichen Infrastrukturmaßnahmen Bezug genommen, und es wird die von der Vorhabenträgerin angeregte Untersuchung im Rahmen des i2030-Projektes zugesagt. Die Planfeststellungsbehörde stellt fest, dass für den „Ersatzneubau der Eisenbahnüberführung Feldweg II“ drei Überbauten, zwei für die F-Bahn und einer für die S-Bahn geplant sind. Zwar liegen derzeit keine Bestellungen der Länder Berlin und Brandenburg, weder für ein zweites S-Bahngleis noch für einen 10 Minutentakt der S-Bahnlinie S2 im Abschnitt zwischen Berlin-Buch und Bernau, vor. Allerdings hält auch die Planfeststellungsbehörde die Einschätzung für plausibel, dass angesichts des Bevölkerungswachstums im Bereich von Bernau ein Bedarf für einen 10-min Takt der S-Bahn entstehen und mittelfristig entsprechende Bestellungen der Aufgabenträger erfolgen könnten. Daher muss auch aus Sicht der Planfeststellungsbehörde sichergestellt sein, dass die derzeit zur Planfeststellung anstehenden Ersatzneubauten der Eisenbahnüberführungen entlang der S-Bahnstrecke einen 10- min Takt der S-Bahn nicht verhindern. Die Vorhabenträgerin versichert, dass ein stabiler 10-min Takt der S-Bahnlinie S2 im Streckenabschnitt Bernau-Buch unter Berücksichtigung der in der E-Mail vom 10.01.2018 aufgeführten flankierenden Infrastrukturmaßnahmen realisierbar ist. Danach muss die EÜ Feldweg II nicht auf vier Gleise ausgelegt werden. Das Land Brandenburg hat unter Bezugnahme auf die von der Vorhabenträgerin dargestellten Voraussetzungen für einen stabilen 10-min Takt auf der eingleisigen S-Bahnstrecke keine gegenteiligen Gesichtspunkte vorgetragen. Eine Überarbeitung der Planung zur Ermöglichung des Wiederaufbaus eines zweiten S-Bahngleises über den Feldweg hält die Planfeststellungsbehörde daher nicht für erforderlich.

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