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Motorsport
Ein Blumberger beherrscht 550 PS

Erster Test in zwei Wochen: Mike David Ortmann und sein neues Arbeitsgerät, ein  550-PS starker  Porsche 911 GT3 R.
Erster Test in zwei Wochen: Mike David Ortmann und sein neues Arbeitsgerät, ein 550-PS starker  Porsche 911 GT3 R. © Foto: MICHAEL SCHULZ
Britta Gallrein / 07.03.2020, 06:30 Uhr
Blumberg (MOZ) Seine Silhouette: atemberaubend. Seine Front: markant. Der Name: ein Versprechen. Der Porsche 911 ist ein Statussymbol. In der Renn-Version ist der 550 PS-starke Porsche GT3 R ein echtes Geschoss. Kein Wunder, dass die Augen von Mike David Ortmann da schon mächtig leuchten, wenn er von seinem neuen Arbeitsgerät spricht.

Der 20-Jährige aus Blumberg ist einer von Deutschlands talentiertesten Nachwuchs-Rennfahrern. In diesem Jahr startet er in seine dritte Saison in der berühmten GT-Masters Serie, der Liga  der Supersportwagen: im Porsche. Die letzten Jahre fuhr Ortmann für Mücke Motorsport in einem Audi R8. Jetzt ist er im Küs Team75 Bernhard dabei. Dieses Team gehört dem zweimaligen Le-Mans-Sieger und FIA-Langstreckenweltmeister Timo Bernhard. "Wir hatten schon länger Kontakt, jetzt hat es endlich geklappt", freut sich Mike Ortmann. "Es war Zeit, mal etwas Neues zu wagen", sagt er.

Mit seinem neuen Teamkollegen, dem Nachwuchspiloten Jannes Fittje, will er bei den Masters gut mitmischen. Die beiden werden im Feld der Teams und Fahrer, das erst am kommenden Freitag endgültig feststeht, ein echtes Küken-Team sein. "Unser Ziel wird es sein, in der Saison stetig in die Top 10 zu fahren", gibt der Blumberger das ehrgeizige Ziel vor.

Treppchenplatz im Visier

Vor allem die Juniorenwertung könnten die beiden 20-Jährigen so richtig aufmischen. "Jannes hat noch nicht ganz so viel Erfahrung. Aber ich finde das total spannend", freut sich Mike, der im Mücke-Team bislang den erfahrenen Werksfahrer Markus Winkelhoek an seiner Seite hatte, von dem er viel lernen konnte. Seinen neuen Fahrer-Kollegen Jannes kennt Ortmann noch aus Kart-Zeiten. "Ich bin von seinen Qualitäten überzeugt", sagt Mike.

Einem Zufall ist es zu verdanken, dass seine Liebe zum Motorsport so große Ausmaße annahm. Als Neunjähriger war er auf einem Kindergeburtstag eingeladen, auf dem es zum Kart-Fahren ging. "Ich bin mit einem breiten Grinsen irgendwann ausgestiegen. Da war dann schon klar, dass das mein Ding ist", erinnert er sich zurück. Jedes Wochenende ging es fortan mit seinen Eltern auf die Kartbahn. "Irgendwann bekam ich dann mein eigenes Kart, bin dann mit zehn Jahren die ersten Rennen gefahren", berichtet Mike. Und schnell stellte sich heraus: Das Kind hat Talent. Mike fuhr von Sieg zu Sieg, holte sich den Titel Sächsischer Landesmeister und siegte im Ostdeutschen ADAC Kart Cup.

Mit 14 schien der Blumberger seinem großen Traum von der Formel 1 ein Stück näher zu kommen. Er fuhr die ersten erfolgreichen Tests in Formel-Autos, wagte mit 15 Jahren den Sprung in die Formel 4. Und machte gleich in seiner ersten Saison 2015 mächtig von sich reden. In der Rookie-Wertung, der Klasse für Formel-Neulinge, sammelte er einen Podestplatz nach dem anderen, wurde Vizemeister der Rookie-Meisterschaft  – übrigens vor einem gewissen Mick Schumacher, der damals Platz 3 belegte.

In seiner zweiten Saison heimste der 17-Jährgie erneut zehn Podestplatzierungen ein, wurde Dritter der Gesamtwertung. Der nächste Schritt wäre die Formel 3 gewesen, doch dazu kam es nicht. Denn der Rennsport ist ein teures Pflaster. "Schon für die Teilnahme an der Formal 4 muss man etwa 250 000 Euro pro Saison rechnen, in der Formel 3 geht es dann schon in die Richtung einer Million. Wenn man da keine finanzstarken Sponsoren an seiner Seite hat, ist das nicht machbar." Die zu gewinnen, ist schwer. Gerade in Zeiten, in denen viel über Umweltschutz und Co2-Werte diskutiert wird, tun sich viele Firmen schwer, den nicht besonders umweltfreundlichen Motorsport zu unterstützen, weiß der 20-Jährige.

Ortmann wechselte zum ADAC GT-Masters  und ist über die Entscheidung inzwischen sehr glücklich. "Den Traum Formel 1 schlägst du dir dann irgendwann aus dem Kopf, weil es einfach nicht realistisch ist, wenn du keine ganz große Investoren hast. Und wenn ich jetzt zurückblicke, war es die beste Entscheidung. Der GT-Sport ist international, man kann mit dem Auto überall auf der ganzen Welt fahren", sagt der 20-Jährige heute, der nach einer Ausbildung als Mechatroniker jetzt in der Firma für Gebäudesanierung seiner Eltern arbeitet.

Ortmann gilt als fleißiger Arbeiter, wertet nach jedem Test die Daten gemeinsam mit den Mechanikern aus, um noch schneller zu werden. Mit bis zu 270 Kilometern je Stunde fliegen die Supersportwagen ab April wieder über die internationalen Rennstrecken. Wer da nicht topfit ist, hat keine Chance. "Man muss die Fliehkräfte aushalten, muss jede Sekunde des Rennens hochkonzentriert sein. Da braucht man eine sehr gute körperliche, aber auch mentale Fitness", weiß Mike. Unter dem Rennanzug werde es zwischen 60 und 80 Grad warm – eine Herausforderung für den Körper. Fast täglich hält sich Mike mit Laufen, Radfahren und Kraftsport fit, um den Strapazen eines Rennens gewachsen zu sein, trainiert außerdem seine Reaktionsgeschwindigkeit und mentale Stärke.

Fahrstil? Kontrolliert!

Sein Fahrstil? "Man muss sich schon Respekt verschaffen, aber darf auch nicht überziehen. Wenn ich jemand zehnmal in die Tür fahre, achtet der mich nicht, sondern glaubt, ich spinne. Also schnell ja, aber nicht unkontrolliert", fasst er zusammen, wie er sich auf der Rennstrecke verhält.

Privat ist der 20-Jährige, der selber einen Audi RS3 fährt, nach eigenen Angaben ein angenehmer Beifahrer. "In der Regel sage ich gar nichts. Nur vielleicht, wenn jemand jetzt ganz komisch fährt", sagt er lachend.

In zwei Wochen darf er sein neues Auto auf einer Rennstrecke in Südfrankreich zum ersten Mal testen. "Die Marke Porsche hat so eine emotionale Wirkung auf die Leute, das merke ich bei anderen, aber auch ich selber freue mich natürlich total drauf, dass es los geht." Die Strecken können für Mike übrigens nicht kurvig genug sein. "Da kann man seine Technik ausspielen. Geradeaus fahren kann jeder, in den Kurven macht es viel mehr Spaß."

Liga der Supersportwagen: Von Audi über Ferrari bis Lamborghini

34 Supersportwagen treten in der 14. Saison des ADAC GT Masters  gegeneinander an. Auch diesmal geht es durch Deutschland, Tschechien, Österreich und die Niederlande. Die Fahrer fahren um ein Preisgeld von 500 000 Euro. Alle Rennen werden in voller Länge im Free-TV bei Sport1 übertragen.

2 Fahrer  teilen sich ein Fahrzeug. Die insgesamt 68 Fahrer kommen auch in dieser Saison wieder aus allen Teilen der Welt.

7 Marken sind es in diesem Jahr mindestens, die dabei sind:  Audi R8 LMS, BMW M6 GT3, Corvette C7 GT3-R, Ferrari 488 GT3, Lamborghini Huracán GT3 Evo, Mercedes-AMG GT3, Porsche 911 GT3 R, die Autos haben zwischen 540 und 600 PS.

7 Rennen gibt es: 24.-26. April: Oschersleben; 15.-17. Mai: Autodrum Most (CZ); 5.-7. Juni: Red Bull Ring (A); 14.-16. August: Nürburgring; 21.-23. August: Zandervoort (NL); 18.-20. September: Hockenheimring; 2.-4. Oktober: Sachsenring

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