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Corona-Krise
Basdorfer Rewe-Marktchef im Interview über Hamsterkäufe

Hans Still / 25.03.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 25.03.2020, 13:41
Basdorf (MOZ) Die Corona-Krise verändert unser aller Leben. Sei es am Arbeitsplatz, in der Privatsphäre oder beim Konsumverhalten. Letzteres bekommen die Inhaber von Supermärkten und Discountern besonders zu spüren. Michael Siebert vom Basdorfer Rewe-Markt über das geänderte Einkaufsverhalten der Kunden in Corona-Zeiten.

Herr Siebert, seit mehreren Wochen kaufen die Kunden mehr ein, einige hamstern aus Angst, es könnte morgen nichts mehr geben. Ist denn jetzt etwas Beruhigung eingetreten? Die heimischen Lager müssten ja langsam voll sein.

In den vergangenen Tagen haben wir morgens Waren von fünf Lkw in den Markt gestellt, die waren abends alle. Wir können derzeit nicht alles nachliefern, was gekauft wurde.

Gibt es zu wenig Nachschub?

Zuerst denke ich, die Kunden glauben, sie müssen jetzt das Dreifache von dem kaufen, was sie früher benötigt haben. Zur Wahrheit gehört auch, wir können nicht alles nachliefern. Toilettenpapier, Backmischungen, Hefe oder H-Milch sind zurzeit nur vereinzelt zu bekommen, es gibt Lieferprobleme. Dabei bekommen wir jeden Tagen Waren, und unter normalen Bedingungen wären diese auch ausreichend.

Was bemerken Sie noch?

Die Kunden nehmen einfach alles mit, das Mindesthaltbarkeitsdatum interessiert praktisch nicht mehr. Im Gegensatz zu früher übrigens.

Was hat sich noch verändert?

Als Basdorfer Rewe-Markt waren wir immer zuerst der Nahversorger für die Wandlitzer Ortsteile bis nach Prenden. Heute habe ich das Gefühl, wir beliefern die gesamte Bundesrepublik. Es scheint wie in der schlechten Zeit früher den Effekt zu geben, dass die Leute über Land fahren, um sich einzudecken. Der Effekt ist dann, dass frisch eingeräumte Regale innerhalb einer Stunde wieder leer sind.

Zahlen belegen vermutlich am besten, über welche Steigerungen wir reden. Wie haben sich die Umsätze verändert?

Wir reden aktuell über eine Steigerung von 50 Prozent. Wir könnten sicher auch 150 Prozent erzielen, wenn die Waren dafür zu bekommen wären. Toilettenpapier und H-Milch stecken womöglich an der polnischen und italienischen Grenze fest, ich weiß es selbst nicht ganz genau.

Nun haben Sie reagiert und geben bestimmte Waren in reduziertem Umfang ab. Wie reagieren die Kunden?

Kunden verstehen das nicht. Den Solidargedanken gibt es praktisch nicht. Am Beispiel: Ich gehe davon aus, mit 2,5 Kilogramm Kartoffeln kann man auch für eine größere Familie ein Mittag zubereiten. Teilweise werden aber acht Säcke eingekauft. Ich vermute, einiges von dem wird später im Müll landen. Es geht auch nicht um Angst vor dem Hunger, es geht nach meiner Beobachtung allein ums Haben. Frischmilch ist beispielsweise immer da, H-Milch dagegen nicht. Ärgerlich ist die gesamte Situation für die Kunden, die erst nach der Arbeit einkaufen können. Sie haben deutlich schlechtere Chancen beim Einkaufen.

Kommt es denn an den Kassen zu vielen Diskussionen?

Eigentlich nicht, nur in vereinzelten Fällen sind Hinweise nötig.

Wie halten Sie die Belegschaft in diesen Stresszeiten bei Laune?

Ich bin als Chef jeden Tag im Geschäft und spreche den Mitarbeitern Mut zu. So gibt es keine Probleme bei der Motivation, alle sind entspannt.

Könnte es eigentlich auch einen Fall geben, der die Angst der Bevölkerung vor dem Ausfall der Lieferketten als berechtigt dastehen lässt?

Fakt ist, wir alle sind vom Stromnetz abhängig. Unsere Kühltruhen wie auch die Kühlschränke der Kunden und natürlich der Produzenten und Hersteller.

Wie lautet Ihr Zwischenfazit in dieser Zeit?

Die Zeit ist verrückt und ich erwarte in 14 Tagen eine Entspannung. Wenn dann hoffentlich die Infektionszahlen heruntergehen und es zur Entwarnung kommt.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Coronablog.

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