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Judo
Ein Zepernicker zwischen Büchern und Hanteln

Bauchmuskeln erwünscht?: Nic Asmalsky vom Judo Sportverein Bernau hält sich während der Corona-Krise im heimischen Garten fit. Bei dieser Übung wird ein Ball mit den Händen um die Beine herum geführt.
Bauchmuskeln erwünscht?: Nic Asmalsky vom Judo Sportverein Bernau hält sich während der Corona-Krise im heimischen Garten fit. Bei dieser Übung wird ein Ball mit den Händen um die Beine herum geführt. © Foto: Britta Gallrein/MOZ
Britta Gallrein / 08.04.2020, 05:30 Uhr
Zepernick (MOZ) Die Tage von Nic Asmalsky beginnen derzeit gemächlich. Erst so gegen 10 Uhr stehe er morgens auf, gibt der 19jährige Judoka vom Judo Sportverein Bernau zu. Aber dann geht es auch so richtig los. Nach Frühstück und Dusche setzt er sich ins Homeoffice und lernt für die Schule. Am 20. April steht seine erste Abiturprüfung an – Geschichte. Aufklärung und Weimarer Republik sind die Themen, die seinen Vormittag derzeit bestimmen. Dass es für die Abiturienten keine Erleichterung aufgrund der für sie schwierigen letzten Wochen vor den so wichtigen Prüfungen gibt, findet er unverständlich. "Bei mir geht es ja noch, ich kann problemlos zu Hause lernen. Aber es gibt Schüler, die müssen sich mit mehreren Geschwistern einen Laptop teilen. Die haben es echt schwer." Er hätte die Regelung eines Durchschnitts-Abiturs bevorzugt. Bei dieser Variante hätte man die Abiturnote aus den Noten der letzten vier Halbjahre berechnet und auf die Abiturprüfungen verzichtet. "Aber man kann es nicht ändern und da muss ich jetzt eben durch", erklärt Nic. Doch neben seinen Prüfungsfächern Geschichte, Englisch, Musik und Mathe gehört seine Aufmerksamkeit auch jetzt noch zu einem großen Teil dem Sport.

Sprung auf’s Podest geschafft

Sportlich hatte der Panketaler Anfang März von sich reden gemacht. Auf der Deutschen Meisterschaft der U21 konnte er sich gegen viele Judoka aus den Bundesleistungszentren gut platzieren und holte sich den dritten Platz. "Das war schon toll", berichtet Nic von der Veranstaltung, die noch stattfinden durfte, allerdings bereits unter verschärften Hygiene-Bedingungen. So durfte der Gruß am Anfang nur mit den Füßen erfolgen.

In den Jahren zuvor hatte Nic erst Platz neun, dann Platz fünf belegt. Diesen Aufwärts-Trend wollte er weiter fortsetzen. "Ich wusste, dass es schwer werden würde, weil ich in der Zeit davor durch Lernen und Fahrschule nicht so viel trainieren konnte, wie sonst." Aber ein geglückter Ippon und damit ein Sieg nach nur fünf Sekunden im ersten Kampf gaben ihm einen großen Push für das Selbstbewusstsein und er kämpfte sich vor bis ins Halbfinale, wo er auf den späteren Deutschen Meister traf. "Ich habe den Kampf zwar verloren, war aber auch nicht chancenlos, was mich gefreut hat."

Mit dem Platz auf dem Podium klappte es aber doch, da der Barnimer den Kampf um Platz drei für sich entscheiden konnte. Ein toller Erfolg für den Bernauer Verein, zumal sich auch bei der Deutschen Meisterschaft der U18 mit Paulina Katzorke auf Platz neun und Maximilian Grumblat auf Platz elf weitere Athleten des Vereins schon gut platziert hatten.

Das erste Jahr wird hart

Wann es in seinem Kontaktsport mit Wettkämpfen weiter gehen kann, kann bislang niemand abschätzen. Nics Ziel in diesem Jahr ist es, sich bei den U21 in der höheren Gewichtsklasse -60 kg zu etablieren, bevor es der 1,67 Meter große Schüler im kommenden Jahr mit den Männern aufnehmen muss.

"Nics Stärke ist, dass er sich blitzschnell auf Situationen einstellen kann und dann Sachen macht, mit denen keiner rechnet", lobt ihn sein Trainer Hartmut Ott. Aber der weiß auch: "Das erste Jahr bei den Männern wird er schon zu spüren bekommen, dass es da noch einmal ganz anders zugeht. Das wird schwer."

Davon lässt sich der Abiturient aber nicht beeindrucken. Nach dem Lernen geht es für ihn weiter mit einem strammen Sportprogramm. Das Krafttraining mit Klimmstange, Hanteln, Yogamatte, Gummibändern und der Blackrole wird ins Haus oder den Garten verlegt, danach joggt er 30 Minuten.

Am Nachmittag sorgt sein Vater dafür, dass es dem Sohn nicht langweilig wird. "Der hat eigentlich immer irgendeine Gartenarbeit für mich auf Lager", berichtet Nic lachend. "Aber das ist eigentlich auch ein gutes Sportprogramm."

Mit dem ist aber lange noch nicht Schluss. Am späten Nachmittag gönnt sich der 19-Jährige eine Kurze Auszeit für Netflix oder zum Zocken, aber dann wartet schon die zweite Trainingseinheit. Nochmal geht es an Kraftübungen. Diesmal stehen vor allem Halteübungen für die Core-Muskulatur auf dem Programm. Danach geht es auf eine zweite Joggingrunde.

Es fehlt das Randori

"Fit halten kann man sich so natürlich schon", sagt Nic Asmalsky. Den Kontakt zu seinen Vereins-Kollegen hält er via Handy. "Wir tauschen uns viel aus, auch über Übungen, die wir machen können. Also der soziale Kontakt ist schon da", so der Abiturient. "Aber was ich absolut vermisse, sind die Randori, also die Kämpfe. Und dieses Gefühl, den Judoanzug anzuziehen und der Trainer, der direkt daneben steht und dich auch mal anbrüllt, das kann man nicht ersetzen."

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