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Fußball
Bundesliga als Vorbild für den Barnim?

Britta Gallrein / 08.05.2020, 17:30 Uhr
Bernau (MOZ) Es geht endlich wieder los – zumindest für die Großen. Die Bundesregierung hat sich am Mittwoch darauf geeinigt, dass die erste und zweite Fußball-Bundesliga ihren Spielbetrieb ab der zweiten Maihälfte wieder aufnehmen können, wenn auch ohne Publikum. Richtige oder falsche Entscheidung? Und hat das Konsequenzen für den Amateur-Fußball? Wir haben bei Trainern und Spielern im Barnim nachgefragt.

Einschaltquoten durch die Decke

Es schlagen zwei Herzen in der Brust von Paul Roller, dem Kapitän von Eintracht Wandlitz (4. der Landesklasse Nord). "Aus sportlicher Sicht finde ich die Entscheidung nicht verkehrt. Klar freue ich mich, wenn ich wieder Fußball gucken kann. Aber es gibt natürlich Wichtigeres. Die Bundesliga ist ein Millionengeschäft, da geht es doch wieder nur ums Geld." Die Spiele werde er sich ansehen. "Die Einschaltquoten werden auch sicher durch die Decke gehen", prognostiziert er. Viel schwerer werde es aber für die unteren Profiligen. "In der dritten und der Regionalliga werden es wohl einige Vereine nicht überleben." Denn die dürften ja nicht weiter spielen.

Dass es auf Landes- und Kreisebene weiter geht mit dem Fußball, daran glaubt er nicht mehr. "Wir brauchen ja 14 Tage Vorbereitung, um wieder zu starten. Wie soll das dann gehen, wenn die Saison bis über das offizielle Ende am 30. Juni nicht fortgeführt werden soll?", fragt sich Roller, der übrigens zugibt, seit der Pause einige Kilos zulegt zu haben. "Ich habe schon meinem Trainer gesagt: Noch einen Monat, und ich kann im Schwergewicht boxen", sagt er lachend.

"Dass es in der Bundesliga wieder los geht, ist das falsche Signal", findet dagegen Florian Glitza, Coach des Tabellenführers in der Landesklasse Nord, Birkenwerder BC. "Die Bundesliga sollte doch ein Vorbild sein. Wie ich gehört habe, dürfen dann mit Personal etwa 300 Leute im Innenraum des Stadions sein. Bei uns im Landesfußball kommen insgesamt in der Regel unter 300 Leute zu Spiel. Warum dürfen die wieder anfangen und wir nicht? Da geht es doch dann nur ums Geld und man hat schon das Gefühl, es gibt hier eine Zwei-Klassen-Gesellschaft."

Hätten gerne weiter gespielt

Glitza glaubt nicht, dass die Entscheidung Einfluss auf die Konsequenzen für den Amateur-Fußball haben werden. "Ich glaube, für uns ist die Saison vorbei." Schließlich hätten sich die Vereine in der Umfrage des Landesverbandes gegen eine Fortführung der Saison über den 30. Juni ausgesprochen. "Wir übrigens nicht", betont Glitza. "Wir hätten gerne weiter gespielt und die Saison verlängert."

Bei den meisten Befragten überwiegt allerdings die Freude darüber, dass es bald wieder losgeht mit Fußball – wenn auch nur auf dem Bildschirm.

"Natürlich gibt es Wichtigeres im Leben als Fußball", gesteht Oliver Dölling ein, Trainer des FC Kremmen. Dölling hatte den Kreisoberligisten erst vor Kurzem übernommen, stand erst dreimal für den derzeit Tabellenletzten an der Seitenlinie. "Sportlich gesehen freue ich mich darüber, dass es wieder losgeht", gesteht er. "Man braucht natürlich ein ordentliches Konzept, aber das wurde ja vorgelegt." Als jemand, der im Gesundheitswesen arbeitet, weiß er aber auch: "Die Menschen sind nicht immer vernünftig. Nicht alle halten sich an die Vorschriften." Das sah man zuletzt an dem Video von Hertha-Spieler Salomon Kalou, das zeigte, wie sich die Spieler mit Handschlag begrüßen. "Aber ich glaube, das machen leider viele so, das ist bestimmt kein Einzelfall."

Unbefriedigend findet Dölling auch, dass man im Amateur-Fußball nicht wisse, wie es weiter geht. "Man hängt so im luftleeren Raum."

Der neue Kremmener Coach bietet für seine Spieler Online-Training an. "Am Anfang war die Nachfrage sehr groß, aber jetzt hat es nachgelassen. Wenn kein Wettbewerb stattfindet, ist das Engagement einfach nicht mehr so groß." Man wünsche sich zwar eine sportliche Entscheidung, sagt Dölling, aber die würde nun schwierig. "Wir haben keinen so breiten Kader. Englische Wochen können wir gar nicht bewerkstelligen", weiß er.

Zwiegespalten sieht auch Burak Benli, Trainer des SV Grün-Weiß Bergfelde (7./Kreisoberliga) die Lage. "Als Fan ist es natürlich schön, dass es wieder los geht, dass die Leute Ablenkung bekommen und mal wieder über andere Themen als Corona sprechen können. Aber es ist schon fragwürdig, dass die Bundesliga-Spieler jetzt ständig getestet werden, während andere Menschen, für die ein Test vielleicht wichtiger wäre, jetzt lange darauf warten müssen. Das kann eigentlich nicht sein." Für den Amateur-Fußball sieht Benli aber auch schwarz. "Wie soll das gehen? Wir können gar keinen normalen Spielbetrieb absichern. Unsere Spieler gehen arbeiten, wie sollen die Mittwoch um 17 Uhr ein Fußballspiel bestreiten können?"

Man würde gerne die Saison zuende spielen, betont Benli. "Aber ich fürchte, das wird nicht klappen." Seine Spieler kommunizieren während der Zwangspause via Whatapp. "Die laufen viel und vergleichen dann ihre Zeiten. Und wir machen Challenges. Also einer macht im Video-Stream eine Übung vor und die anderen müssen sie nachmachen", verrät er.

Aufgaben, mit denen sie sich zu Hause fit halten können, haben auch die Spieler von Brandenburgligist Einheit Bernau bekommen. Keeper Niklaas Seifarth glaubt aber, dass die Saison nicht fortgeführt wird. "Vielleicht werden wir uns noch zum Training in Kleingruppen treffen können, aber ich glaube nicht, dass es mit Spielen noch zeitlich klappen wird. Das ist natürlich super schade, aber wir müssen damit leben." Dass die Bundesliga wieder startet, findet er in Ordnung. "Ich glaube, wir haben in Deutschland alle gut dagegen gewirkt, dass sich das Virus weiter ausbreitet, dann ist es schon ok. Andere Länder machen ja auch weiter."

So sieht das auch sein Kollege Christian Amuri vom Brandenburgligisten FV Preussen Eberswalde. "Ich finde die Entscheidung eigentlich richtig. Sport gehört zu unserem Alltag. Die Zahlen lassen es zu, also ist es in Ordnung." Dass der Startschuss in seiner Liga bald wieder fällt, daran glaubt auch Amuri nicht. "Die Spiele werden nicht so einfach nachzuholen sein."

Hoffnung nicht aufgegeben

Sein Kollege Philipp Pönisch vom Brandenburgligisten FSV Bernau hat dagegen die Hoffnung auf eine Fortführung der Saison noch nicht aufgegeben. "Es wäre super für den Sport, wenn wir zu Ende spielen dürften. Aber natürlich könnte ich auch mit einem Abbruch leben." Die Entscheidung zur Fortführung der Bundesliga findet er gut. "Alle Spieler sind ja getestet worden. Und es ist endlich wieder ein Schritt in Richtung Normalität." Er hofft vor allem, dass sich alle trotz der Lockerung an die Regeln halten. "Der Staat hat uns jetzt den kleinen Finger gereicht. Das sollten wir nicht ausnutzen."

Lockerungen, aber mit Abstand

Ab dem 15. Mai gibt es für den Bereich Sportim Land Brandenburg weitere Lockerungen. Dann nämlich dürfen Außen-Sportanlagen wieder öffnen.

Der Trainingsbetrieb kann dann schrittweise wieder aufgenommen werden. Dabei müssen aber die Abstandsregeln weiter eingehaltenwerden. Das Training soll möglich kontaktloserfolgen, heißt es.Denkbar wären beim Fußball zum Beispiel das individuelle Training, Pass-spiele und Tor-abschlüsse.

Zusammenkünfte in Vereinen bleiben weiter verboten.

Der Fußball-Landesverband Brandenburg informiert auf seiner Webseite, es erfolge ein intensiver Austausch und wöchentlicheVideokonferenzen des Krisenstabes mit dem Präsidium. In der ersten Maihälfte will der FLB seine Entscheidungen über den Spielbetrieb im Männer-, Frauenund Nachwuchsbereich bekannt geben.

In einer Umfrageunter den Vereinendes Fußball-Landesverbandes hatte sich dieMehrzahl der Vereine (59,42 %) gegen eine Verlängerung der Saison über den 30. Juni hinaus ausgesprochen. Über diese Entscheidungseiner Mitgliedsvereine werde man sich nicht hinwegsetzen, hatte der FLB bereits erklärt. ⇥bag

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