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Interview
FSV Bernau: "Das war ein Stahl-Bad"

Setzt im Training auf eine gute Mischung aus Verständnis und hohem Anspruch: Matthias Schönknecht, der den Chef-Posten beim FSV Bernau schneller übernehmen musste, als es eigentlich geplant war.
Setzt im Training auf eine gute Mischung aus Verständnis und hohem Anspruch: Matthias Schönknecht, der den Chef-Posten beim FSV Bernau schneller übernehmen musste, als es eigentlich geplant war. © Foto: FRANK GUENTHER Fotografie
Britta Gallrein / 13.06.2020, 05:30 Uhr
Bernau (MOZ) Für Matthias Schönknecht war die wegen Corona abgebrochene Saison eine ganz harte Zeit. Mitsprach der Trainer des Brandenburgligisten FSV Bernau über herbe Rückschläge, schlaflose Nächte, Geld im Fußball und sein Rezept für Motivation.

Herr Schönknecht, der FSV Bernau hat gerade sechs A-Junioren in den Männerbereich geholt. Dafür sind mit Danny Kempter und Marinko Becke aber zwei ganz wichtige, erfahrene Akteure der ersten Mannschaft gegangen. Wie sehr schmerzt das?

Ich bedauere es sehr, dass die beiden weg sind, weil sie wirklich viel Erfahrung beisteuern konnten. Aber natürlich akzeptiere ich ihre Entscheidung und wir sind im Guten auseinander gegangen.

Außer Damir Coric und Philipp Pönisch haben Sie für die kommende Saison fast nur sehr junge Spieler dabei. Wird der Klassenerhalt mit der "Pampers-Gang" gelingen?

(lacht) Naja, selbst junge Spieler wie Richard Bergmann und Norman Flach sind ja trotzdem schon jahrelang dabei. Aber es wird sicher eine spannende Saison. Vielleicht kommt uns jetzt aber zugute, dass wir in der letzten Spielzeit so eine schlechte Phase hatten. Die Jungs haben dadurch gelernt, mit Niederlagen umzugehen, den Kopf oben zu behalten und weiter zu machen. Ich hoffe, dass wir gestählt aus dieser letzten Saison heraus gekommen sind. Jedenfalls sind alle wirklich heiß drauf, wieder loszulegen. Da ist bei einigen glaube ich auch in den Köpfen, dass sie etwas wieder gut machen wollen. Ich denke jedenfalls, dass wir sportlich gut aufgestellt sind.

Ihre Spieler-Wunschliste ist damit erfüllt?

Na einen Stürmer und einen Innenverteidiger hätte ich noch gerne. Da muss man sehen, ob das noch machbar ist. Ich bin ein Freund des offensiven Fußballs, da möchte ich gerne die Mannschaft noch etwas umstellen. Unser Konzept ist außerdem, junge Spieler zu entwickeln. Unter Druck ist das schwer.

Sie sprachen gerade von Neuverpflichtungen. Der FSV Bernau hat sich auf die Fahnen geschrieben, auf junge Spieler aus der Region zu setzen und keine großen Gehälter für sogenannte "Söldner" zum Beispiel aus Berlin zu bezahlen, wie es jahrelang der Fall war. Andere Vereine gehen den umgekehrten Weg. Was sagen Sie dazu?

Das ist die Entscheidung des jeweiligen Vereins und die muss man akzeptieren. Dass die eigenen Spieler von solchen Vereinen angesprochen werden und es Abwerbeversuche gibt, damit muss man sowieso immer rechnen. Ich beobachte auch, dass die großen Vereine aus dem Barnim erkannt haben, dass die Beiträge, die teilweise gezahlt wurden, in keinem Verhältnis zum Freizeit-Fußball stehen, den wir hier betreiben. Aber es gibt eben auch die Vereine, die unbedingt nach oben wollen und da auch viel investieren. Das kann man ihnen nicht verübeln. Gute Spieler können auch gutes Geld bekommen.

Also wird es, auch was diese verschiedenen Konzepte der Vereine angeht, eine spannende Saison?

Ja, vor allem in der Landesliga wird es richtig spannend mit Grün-Weiss Ahrensfelde. Aber auch in der Landesklasse Nord. Ich kann mir gut vorstellen, dass Einheit Zepernick da den Durchmarsch macht.

In der vergangenen Saison sind Sie ins kalte Wasser geworfen worden. Sie kamen als Jugendtrainer von Lok Eberswalde und wollte als Co-Trainer dem FSV Bernau erste Erfahrungen im Männerbereich sammeln. Als Trainer Tom Heidemeier nach ein paar Spieltagen das Handtuch geworfen hat, haben Sie übernommen. Haben Sie diese Entscheidung jemals bereut?

Nein, ich habe niemals daran gezweifelt, dass die Entscheidung richtig war. Das Vertrauen des Vereins war immer da und ich habe ständig ein positives Feedback von den Spielern gekommen, sei es an der Tafel oder bei der Gestaltung des Trainings – das war das, was für mich wichtig war. Ich würde es immer wieder so machen.

Auch in den Zeiten, in denen Sie auf dem Abstiegsplatz landeten und oft nicht wussten, wie sie wegen der vielen Verletzungen überhaupt eine Mannschaft zusammen bekommen?

Ich gebe zu: Das war ein Stahl-Bad. Das war richtig, richtig hart. Aber vielleicht war es gut, dass das gleich am Anfang so eine schwere Zeit war. Da kam alles zusammen: Abstiegskampf, der Zoff unter den Spielern im Training und danach Corona. Ich hatte schon so manche schlaflose Nacht, aber bereut habe ich meine Entscheidung auch da nicht. Wir sind dadurch als Mannschaft sehr zusammen gewachsen. Und was besonders toll war: Mich haben auch Leute aus anderen Vereinen angerufen und mir Mut zugesprochen, dass ich nicht aufgeben soll. Das fand ich richtig klasse und möchte mich gerne bedanken.

Trainer werden oft nicht von allen geliebt. Über Sie hört man tatsächlich von allen Seiten nur Positives. Verraten Sie ihr Erfolgsrezept?

Ich glaube, das Wichtigste ist, dass man bleibt, wie man ist und sich nicht verbiegt. Man sollte natürlich immer versuchen, unangenehme Nachrichten nett zu verpacken, aber man muss schon ehrlich sein. Ich versuche, immer menschlich zu bleiben, schließlich machen wir das alle aus Spaß am Fußball. Ich gehe nicht immer hart ins Gericht mit Spielern, auch wenn sie zweimal nicht zum Training kommen. Dann müssen sie sich halt bei anderen Trainingseinheiten richtig reinhauen, um eine Aufstellung zu rechtfertigen. Sie sollen auch wissen, dass es im Spiel in Ordnung ist, mal Fehler zu machen. Sie sollen sich ruhig trauen, mal etwas zu versuchen. Nur wenn einer den selben Fehler vier- oder fünfmal macht, werde ich sauer. Wichtig finde ich auch, im Sinne von moderner Mannschaftsführung den offenen Dialog mit Spielern zuzulassen. Das fehlt vielleicht einigen Trainern vom alten Schlag so ein bisschen.

Sind Sie schon so ein stückweit auch Psychologe für die Jungs?

Ja, ein bisschen schon (grinst). Gerade die jungen Spieler haben öfter mal Sorgen, sei es Ärger im Job oder mit der Freundin. Die können immer zu mir kommen. Wenn ich merke, einer kommt zum Training und ist stocksauer, dann frage ich nach, auch mal später über Whatsapp und versuche zu helfen. Aber natürlich fordere ich die Jungs auch. Ich bin schon sehr ehrgeizig. Mein Ziel wäre ein einstelliger Tabellenplatz für die kommende Saison, da müssen alle mitziehen. Aber dann werden wir, so hoffe ich, nichts mit dem Abstieg zu tun haben.

Landesmeister-Titel mit dem FSV Lok Eberswalde

Matthias Schönknecht ist 40 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Der Polizeibeamte trainierte beim FSV Lok Eberswalde die Kinder von den Bambinis bis zur U 14. Mit "seinen Jungs" wurde er zweimal Vize-Landesmeister und einmal Landesmeister. Von 2018 bis 2020 war der Eberswalder DFB-Stützpunkttrainer. Ab Sommer wird er in der Fußballschule des RB Leipzig mitarbeiten.

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