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Tourismus
Oderberger "Eisguste" bietet preiswerten Unterschlupf

Ellen Werner / 29.06.2020, 19:02 Uhr
Oderberg (MOZ) Den Eiskeller gibt es nicht mehr. Ein Stück der "Himmelsleiter", die einst von dort aus auf den Pimpinellenberg führte, dagegen wieder. Maik Goier hat den Weg freigelegt. Bevorzugt führt der Herbergsvater von der "Eisguste" seine Gäste aber über die Schafwiese auf die Höhen Oderbergs.

Dort sind auch seine 20 Skudden zuhause, die die weiten Trockenrasenflächen im Naturschutzgebiet kurzhalten. "Sie beweiden gerade den Sandberg, der die schönste und weiteste Aussicht hat." Bestätigen könne das jeder, der schon mal oben war, sagt der 57-Jährige. "Ich habe sogar Gäste, die jeden Morgen zum Frühsport hochgehen. Man hat dort einen wunderbaren Rundumblick aufs Oderbruch."

Seit 2004 führt Goier die Stätte am Oderberger Stadtrand als Naturfreundehaus, eine Art Jugendherberge, die vom Naturfreundeverein vermarktet wird. Das geschichtsträchtige Haus mit dem 2,5-Hek­tar-Grundstück in malerischer Hanglage, zu dieser Zeit in vollkommen verwahrlostem Zustand, hatte der gebürtige Angermünder gegen sein Haus in Lunow getauscht. Der damalige Rettungsassistent und gelernte Forstfacharbeiter fing damit ein völlig neues Leben an. Angehen wollte er den Herbergsbetrieb mit dem Konzept "Bett & Bike", Übernachtung und Frühstück für Radler. "Das hat sich aber schnell anders entwickelt", erzählt Maik Goier. Es kamen Anfragen zu Familienfeiern, auf die Feiern folgten Klassenfahrten, bald kamen immer mehr Gruppen.

Auf die ist das Haus, das der Vater dreier erwachsener Kinder mit seiner Frau bewirtschaftet, längst eingestellt. "Einfach und preiswert" ist dabei die Devise. Eine Übernachtung kostet pro Person 15 Euro, ein Frühstück fünf Euro, dafür ist in den Zimmern nur das Nötigste vorhanden: Regale, Tische, Stühle, ein Waschbecken. Toiletten und Duschen sind auf dem Gang. Im unteren Geschoss sind Vier- und Sechsmann-Zimmer mit Doppelstockbetten. In der oberen Etage befinden sich Zweibett-Zimmer und eine Selbstversorgerküche. Insgesamt können 38 Gäste unterkommen, mit Aufbettungen auch mehr. Dazu kommt die Ferienwohnung im früheren Stallgebäude, die meist Familien buchen.

"Unser Zielpublikum sind vor allem Schulklassen", berichtet Goier. "Wir hatten aber schon alles da – vom Spielmannszug über Maler, die mit der Staffelei ausschwärmen bis hin zu Vereinen und Kitagruppen." Vor allem Stammpublikum. "Die Leute kommen immer wieder."

Zurzeit allerdings steht das Haus meist leer. Corona-bedingt sind Gruppenfahrten abgesagt. "Die Nachfrage ist sehr beschränkt", stellt Maik Goier fest. Ein Vorteil könnte die Ruhe aber für andere Besucher sein. "Manche Familien wollten nach den ersten Lockerungen einfach nur raus aus der Stadt", erzählt der Inhaber des Hauses. Vor allem Menschen, die es in die Natur zieht, kommen auf ihre Kosten. "Die große Action haben wir hier nicht", so Goier.

Ihnen kann er derzeit nicht nur die Ferienwohnung anbieten, sondern auch die Gruppenunterkünfte. Gerade erst habe er zwei größere Familien untergebracht, die gemeinsam Urlaub machen wollten – "eine auf der unteren, eine auf der oberen Etage". Auch Radfahrer, "selbst wenn es einzelne sind" und Ausflügler, die etwa Mondscheintouren beim Kanuverleih gebucht haben, kommen in der "Eisguste" unter.

Punkten kann das Naturfreundehaus mit dem großzügigen Außengelände auf den im Mittelalter angelegten Hangterrassen der ehemaligen Weinberge. Einen Spielplatz mit Tischtennisplatte, Slacklines und einem Irrgarten gibt es dort sowie ein Plätzchen fürs Lagerfeuer. Zudem bietet das Haus auf Wunsch Vollverpflegung an.

Weil Maik Goier, der für die Gruppen sonst Tagesprogramme organisiert, sich als Vermittler für die Region sieht, gibt er Gästen gern Ausflugstipps und bietet selbst Wanderungen an. Außerdem hat er sich eingehend mit der Geschichte Oderbergs befasst. Angetrieben dazu hatte ihn bei der Übernahme des Hauses, das ab den 60er-Jahren Betriebsferienlager war und nach der Wende Spätaussiedlern Unterkunft bot, die Frage, warum es im Volksmund "Eisguste" hieß. Die Antwort, fand Goier heraus, ist tief mit der Stadthistorie verbunden. 1868, als die Stadt boomte, baute es die Brauerei als Bierlagerkeller, in dem auch Flusseis gelagert wurde. Auguste Irrlitz, die Wirtsfrau vom später umbenannten "Restaurant zum deutschen Kaiser" managte das Lager und war unter Einheimischen als "Eisjuste" bekannt.

Ausflugstipps in Oderberg

Pimpinellenberg, Schlangenberg, Kleiner Rummelsberg – in Oderberg geht es bergig zu. Die zum Teil einzigartige Natur an trockenrasenbewachsenen Hängen prädestiniert den Ort für schöne Wanderstrecken, für einige ist das Naturfreundehaus "Eisguste" ein guter Ausgangspunkt. Zudem ist die Bushaltestelle vorm Haus. Inhaber Maik Goier empfiehlt Gästen auch den Besuch von Zoo und Familiengarten in Eberswalde, der Schiffshebewerke in Niederfinow, Fahrten mit dem Kanu auf der Alten Oder oder Badetage am nahegelegenen Parsteinsee.

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